[Höreindruck] Georges Simenon – "Der Witwer"

Georges Simenon – Der Witwer
Zeitgenössische Literatur
 

Originaltitel: „Le veuf“ (1961)
Übersetzer: Hansjürgen Wille, Barbara Klau, Heiko Arntz
Verlag: DAV
ISBN-13: 978-3-742-42088-6
Dauer: ungekürzt, 313 Minuten
Erschienen: 17.11.2021
Sprecher: Hanns Zischler

   
Zum Inhalt
„In einem Hotel nahe der Champs-Élyséess wird eine Frau aufgefunden: Im weißen Seidenkleid, verwelkte Rosen in der Hand, tot. Was von den Polizeibeamten rasch als Suizid ad acta gelegt wird, ist für den Mann der Verstorbenen viel mehr: Bernard hat Jeanne damals aus der Prostitution geholt, ihr ein besseres Leben ermöglicht – und war glücklich mit ihr. Wie konnte sie sich jetzt, nach acht Jahren Ehe, das Leben nehmen? Verzweifelt rollt Bernard das Leben seiner Frau ganz von vorne auf. Er lernt ihre Vergangenheit, ihre Ängste und Wünsche kennen und muss schließlich der Wahrheit und damit auch seiner eigenen Lebenslüge ins Auge blicken…“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Auch wenn mich dieses Hörbuch nicht ganz überzeugen konnte, muss ich doch feststellen, dass der Autor ein Gespür hat für besondere Szenen und Situationen.

In diesem Hörbuch geht es um Bernard, der seine Frau verliert, weil sie sich das Leben genommen hat. Er ist sicher, dass es ein Verbrechen war, doch die Polizei legt den Fall schnell zu den Akten. Und damit muss Bernard sich eingestehen, dass er seine Ehe mit Jeanne ganz anders wahrgenommen hat als sie.

Es ist eine leise Geschichte, bei der es weniger um Handlung geht als um Erkenntnisse und schmerzhafte Wahrheiten. Es tauchen nur wenige Personen auf in diesem an ein Kammerspiel erinnernden Roman, die sind dafür aber sehr gut gezeichnet. Gerade Bernards Schmerz kann man nahezu packen und fühlen, sein Unverständnis und sein Unglaube – er wird völlig überrumpelt von der Situation, die er in keinster Weise hat kommen sehen und die ihn dementsprechend kalt erwischt. Ich mochte diese verzweifelte Atmosphäre, dieses Klammern an eigene Wahrheiten und dann doch die bittere Erkenntnis, dass alles anders war, als Bernard es sich in seinem Kopf zusammengebaut hat. 

So intensiv sich Bernard mit seiner eigenen Vorstellung seiner Ehe beschäftigt, so langwierig und manchmal auch langweilig ist diese Darstellung leider auch, und immer wieder hat mich der Autor bei diesem Hörbuch verloren. Dabei klingt der Plot erstmal spannend – aber auch der Sprecher Hanns Zischler konnte mit seiner tiefen, volltönigen Stimme über manche langatmige Szene nicht hinwegtrösten. Vielleicht ist diese eine jener Geschichten, die man besser selber liest, anstatt sie sich vorlesen zu lassen. Ich gebe diesem Buch daher 3 von 5 Sternen.

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