[Rezension] Jordan Tannahill - "Das Summen"

Jordan Tannahill - Das Summen
Gegenwartsliteratur
 

 Originaltitel: „The Listeners“ (8.7.2021)
 Übersetzer: Frank Weigand
 Verlag: GoyaLit-Verlag    
 ISBN-13: 406-6-339-46408-7
 Dauer: 630 Minuten
 Erschienen: 16.3.2023
 Sprecherin: Marion Elskis

   
Zum Inhalt
„Die Englischlehrerin Claire Devon lebt glücklich verheiratet mit dem Bauunternehmer Paul und als Mutter der spätpubertären Ashley in einer typischen US-Vorstadt. Eines Nachts beginnt sie, ein summendes Geräusch zu hören, das ihr den Schlaf raubt und sie reizbar macht. Sie ist scheinbar die Einzige, die das akustische Phänomen wahrnimmt. Nach anfänglichem Verständnis gehen Paul und Ashley auf Distanz. Zunehmend in die Isolation getrieben, stellt Claire eines Tages fest, dass auch ihr Schüler Kyle das Summen hören kann. Schnell sind die beiden unzertrennlich.
Ihre Suche nach dem Ursprung des Geräuschs führt die beiden zu einem Forscherpaar, das seine Villa zum Treffpunkt für Menschen erklärt hat, die "das Summen" hören können. In dieser Gemeinschaft findet Claire eine Ersatzfamilie. Schnell nimmt die Gruppe sektenartige Züge an und die Ereignisse eskalieren.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Ich bin durch das Cover auf den Roman aufmerksam geworden und fand den Plot sehr interessant – er hat sich dann in eine ganz andere Richtung entwickelt, als ich gedacht hatte, aber auch diese hat mir gefallen und war interessant.

Die High-School-Lehrerin Claire hört plötzlich ein komisches Geräusch, das am ehesten einem Summen entspricht. Weder Paul, ihr Ehemann, noch ihre Tochter Ashley können es hören, und langsam zermürbt sie dieses Geräusch – es raubt ihr den Schlaf, sie bekommt Kopfschmerzen und ist kaum noch arbeitsfähig. Eine Ursache „im Außen“ wie zum Beispiel eine geheime Stromquelle oder ein elektrisches Gerät, findet sie nicht, aber auch Therapeuten und Mediziner können ihr nicht helfen. Zufällig erfährt sie, dass Kyle, einer ihrer Schüler, auch ein solches Summen hört – und es finden sich immer mehr Gleichgesinnte. Als sich daraus eine Gruppe bildet mit durchaus unterschiedlichen Zielen, gerät Claires Leben aus den Fugen.

Die Geschichte wird rückblickend von Claire erzählt - zu Beginn des Romans wird das tragische Finale nur angedeutet. Sie erzählt am Anfang, wie sie sich mit diesem Summen gefühlt hat, was sie alles unternommen hat, um der Ursache auf den Grund zu gehen und dann auch, wie sie mit diesem physischen und psychischen Druck umgegangen ist. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, denn ihr Leiden wird sehr plastisch erzählt. 

Mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt der Autor von den Problemen, die Claire mit dem Summen hat – diese verliert sich aber in der zweiten Hälfte der Romans, die mir dann auch nicht mehr so gut gefallen hat. Hier steht die Gruppe Gleichgesinnter im Mittelpunkt, die man im positiven Sinne als Selbsthilfegruppe, im negativen als Sekte bezeichnen kann. Die Teilnehmer tauschen sich untereinander aus, haben aber durchaus auch ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was das Summen bedeutet und wie man damit am besten umgeht.- es gab hier einige langatmige Diskussionen und auch Ideen, die ich abstrus fand und die mich gegruselt haben – gelungen ist aber die Darstellung, wie sich alle dann doch der „führenden“ Meinung anschließen und sich auf manch fragwürdiges Ereignis einlassen. Was zunächst wie eine harmlos wirkende Gruppe von Menschen wirkt, die sich gegenseitig unterstützen und helfen, wird nach und nach zu einer von oben geführten Gruppe mit sehr abgedrifteten Ideen. Den Punkt, wo das ganze kippt, fand ich ein wenig abrupt und damit unglaubwürdig, dennoch aber bekommt man ein ganz gutes Gefühl dafür, wie aus Verzweiflung auch abstruse Ideen plötzlich als mögliche Lösung angesehen werden. 

Am Ende gibt es ein großes Finale und in diesem auch eine unglaubliche Eskalation – auch das kam für mich plötzlich und abrupt, und auch hier hätte ich mir einen fließenderen Übergang von der unscheinbaren Gruppe Gleichgesinnter zu einer sektenähnlichen Gemeinschaft mit einem zur Gehirnwäsche neigenden Anführer gewünscht.

Mir war nicht bewusst, dass es in diesem Buch um das Thema Sekte geht, habe aber einige gute Aspekte erhalten, die die Situation Betroffener gut dargestellt und damit auch mein Verständnis nochmal erhöht hat. Verzweiflung und Schmerz sind einfach keine guten Berater, und „Gurus“ haben bei solcher Kombination sicher ein leichteres Spiel.

Sprachlich konnte ich dem Buch gut folgen, es war lebendig und eher umgangssprachlich, vor allem aber mit einem langsamen, aber stetigen Spannungsbogen, sieht man von den in der zweiten Hälfte eher langweiligen „Sitzungen“ ab. Die Sprecherin Marion Elskis hat mir gut gefallen, und sie hat die kippende Stimmung – sowohl bei Claire als auch in der Gruppe - sehr gut einfangen können. Ein interessantes Buch mit einem ungewöhnlichen Thema, das ich gerne gehört habe.



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