[Rezension] Philippa Gregory – "Wolfsschwestern"

Philippa Gregory – Wolfsschwestern (Das Erbe der Tudors #1)
Historischer Roman 

Umschlaggestaltung: any.way, Barbara Hanke / Cordula Schmidt
Umschlagabbildung: Queen Elizabeth I., the Pelican Portrait, detail of the Tudor Rose, 1574, Hilliard, Nicholas, © Walker Art Gallery, National Museums Liverpool /Bridgeman Images
ISBN-13: 978-3-499-29115-9
Seiten: 656 Seiten
Erschienen: 22. September 2017
Originaltitel: „Three Sisters, Three Queens“
Übersetzer: Anja Schünemann

Zum Inhalt
„Ein kurzer Blick in die Augen von Katharina von Aragón genügt, und Margaret Tudor weiß: Auf ewig wird ihr Schicksal miteinander verbunden sein – ob in Aufstieg oder Fall. Wenig später ist Katharina Königin von England. Margaret heiratet den schottischen König und sichert so den Frieden zwischen beiden Ländern. Doch das Bündnis hält nicht lang. Margarets Mann fällt in der Schlacht, Katharina verschleppt seine Leiche als Trophäe nach England – und beide Frauen werden zu Feindinnen. Ein leidenschaftlicher Reigen voller Ränkespiele entspinnt sich, und nur eines ist sicher: Nie lässt sich das Band, das die beiden Herrscherinnen verbindet, lösen.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Ich lese gerne historisches und auch gerne über die Tudors – da es sich jetzt für mich ergeben hat, dieses Buch in einer Leserunde zu lesen, war ich natürlich dabei. Und ich bin froh, so zu diesem Wälzer gegriffen zu haben, denn er hat mir sehr gut gefallen und ich habe den Austausch sehr genossen.

Erzählt wird die Geschichte von Margaret Tudor, die in den Geschichtsbüchern ein wenig untergeht, obwohl sie doch die Schwester von Heinrich VIII. war und zudem auch Königin von Schottland. Sie selber erzählt in Ich-Form ihre Sicht der Dinge, und da sie von ihren beiden Schwestern Mary und Katharina von Aragón, den Wolfsschwestern, weit entfernt lebte, gibt es viele Briefe, die vom englischen Hof erzählen. Etwas irritiert hat mich anfangs, dass alles im Präsens geschrieben ist, das hat sich zum Glück aber im Weiteren gelegt – aber wer damit Probleme hat, sollte erst in eine Leseprobe reinlesen.

Margaret ist keine Sympathieträgerin und so habe ich mich in sie – trotz der Ich-Erzählweise – nicht in sie hineinversetzen können. Sie ist eine von Neid und Konkurrenzdenken geprägte Frau, die nur eines im Sinn hat – Macht zu besitzen und die eigene Position zu stärken und zu erhalten. Sicher ist einiges der damaligen Zeit geschuldet, denn geheiratet wurde vor allem aus politischen Gründen, weniger der Gefühle wegen. Wichtigstes Ziel ist die Geburt eines männlichen Nachfolgers, alles andere ist zweitrangig. Auch Margaret ist von diesem Vorgehen geprägt, trotzdem hat mich ihre ständige Rivalität zu Katharina erschrocken, die ihr gesamtes Handeln maßgeblich beeinflusst. 

Über Margaret ist nur wenig bekannt, und sicher noch viel weniger über ihre eigenen Emotionen – da hat ein Autor immer viel Spielraum zur Gestaltung. Ich finde, Philippa Gregory hat dies sehr gut gemeistert – auch wenn Margaret nicht sympathisch ist, ist sie in sich schlüssig: Eine Frau ihrer Zeit konnte ich ihre Handlungen zwar nachvollziehen, meist aber nicht gutheißen.

Überhaupt hat die Autorin gut recherchiert, und man bekommt großartige Einblicke in das damalige Leben und Denken. Die Prämissen waren natürlich ganz andere als heute, auch, was wichtig und eben nicht so wichtig war. Der Einfluss der Kirche, politische Intrigen, Aufstände, Kriege aber auch Loyalität, Freundschaft und Liebe kommen in diesem Roman nicht zu kurz. Sicher ist man oft erstaunt, wie geschichtliche Ereignisse aus anderer Sicht in ein neues Licht gerückt werden – aber auch das hat mir sehr gefallen. 

Der Schreibstil ist gut zu lesen und passt dennoch zur damaligen Zeit. Und obwohl es doch immer wieder um die gleichen Punkte bei Margaret geht, baut die Autorin eine untergründige und subtile Spannung auf, so dass ich immer gerne weitergelesen habe. Lediglich das Ende hat mir nicht gefallen – es war kein Schluss, sondern eher ein plötzliches Abbrechen der Geschichte. Und es endet auch nicht mit Margarets Tod, sondern mit einem Brief von Mary. Das hat mich schon sehr gestört – aber trotzdem: ich mochte dieses Buch sehr gerne und gebe 5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Ein spannender und interessanter Roman über Margaret, schottische Königin und Schwester von Heinrich VIII. Die Geschichte ist aus ihrer Sicht geschrieben und liefert so Eindrücke aus anderer Perspektive, die interessant und spannend sind. Als Frau ihrer Zeit mit einzigem Ziel, Macht zu haben und jegliche Rivalen auszuräumen, ist sie nicht unbedingt sympathisch, aber dennoch eine historische Persönlichkeit, die ich gerne begleitet habe. Ich gebe 5 von 5 Sternen.

Das Erbe der Tudors
1. Wolfsschwestern

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