[Rezension] Laura Imai Messina – "Die Telefonzelle am Ende der Welt"

Laura Imai Messina – Die Telefonzelle am Ende der Welt
Gegenwartsliteratur 

Verlag: btb-Verlag
Umschlaggestaltung: semper smile, München nach einem Entwurf und einer Illustration von Alexandra Allden unter Verwendung einer Abbildung von © shutterstock.com
ISBN-13: 978-3-442-75896-8
Seiten: 352 Seiten
Erschienen: 15.3.2021
Originaltitel: „Quel che affidiamo al vento“
Übersetzer: Judith Schwaab

Buchrückentext
„Eine Tagesfahrt von Tokio entfernt steht in einem Garten am Meer einsam eine Telefonzelle. Nimmt man den Hörer ab, kann man dem Wind lauschen - und den Stimmen der Vergangenheit. Viele Menschen reisen zu dem Telefon des Windes, um mit ihren verstorbenen Angehörigen zu sprechen und um ihnen die Dinge zu sagen, die zu Lebzeiten unausgesprochen blieben. So kommt eines Tages auch Radiomoderatorin Yui an den magischen Ort. Im Tsunami von 2011 verlor sie ihre Mutter und ihre kleine Tochter. Yui lernt in dem Garten den Arzt Takeshi kennen, auch er muss ein Trauma verarbeiten. Die beiden nähern sich an, gemeinsam schöpfen sie neuen Mut. Und erlauben sich zum ersten Mal, dem Leben einfach seinen Lauf zu lassen. Ganz gleich, was es für sie vorgesehen hat ...“

Meine Meinung
Ich habe das Buch als Buchflüsterin erhalten und muss sagen, dass mich der Titel überhaupt nicht ausgesprochen hat – dafür umso mehr Cover und Gestaltung, außen als auch innen. Mit gemischten Gefühlen habe ich angefangen zu lesen, und es hat tatsächlich etwas gebraucht, bis ich reingekommen bin in die Geschichte. Dann aber hat sie mir mit der filigranen und leisen Art des Erzählens sehr gut gefallen.

Das Buch spielt in Japan, genauer im Garten von Bell Gardia, wo eine Telefon steht, das Angehörige nutzen, um mit Verstobenen zu sprechen und Dinge zu sagen, die zu Lebzeiten ungesagt blieben. Aufmerksam machen will die Autorin mit ihrer Geschichte auf die Opfer der Tsunami-Katastrophe im Jahr 2011, und viele Angehörige finden tatsächlich Trost im Garten von Bell Gardia. Die junge Yui, die Mutter und Tochter in der Katastrophe verloren hat, lernt dort den Arzt Takeshi kennen – auch er hat einen Verlust erlitten und beide freunden sich langsam an, bis aus dem Band der Freundschaft mehr wird. 

Ich habe ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen, weil ich am Anfang nicht erkennen konnte, worauf sie hinausläuft. Es gibt einige Figuren, die vorgestellt werden, aber mir war noch nicht ersichtlich, was der rote Faden sein und wohin die Reise gehen soll. Nach etwa 50 Seiten hat es dann aber „klick“ bei mir gemacht, und ich konnte so richtig abtauchen in diese für mich ganz fremde Welt.

Es ist eine sehr leise und ruhige Geschichte, die vor allem durch den sehr warmen Schreibstil glänzt, der mich eingehüllt hat mit seinen wohlgewählten Worten, ohne dabei aber schnörkelig oder blumig zu sein. Ich habe die Erzählweise als sehr japanisch empfunden, und das, obwohl die Autorin doch Italienerin ist – aber man merkt, dass sie schon einige Jahre in Japan lebt und die dort herrschende Zurückhaltung und Freundlichkeit übernommen hat. Besonders ist auch der Aufbau des Buches – die Kapitel sind kurz, dadurch aber nicht weniger liebevoll. Gemocht habe ich auch die eingestreuten „Listen“, die die Stimmung und Gedanken oder auch eine Szenerie wunderbar eingefangen haben. 

Die Charaktere sind wundervoll gezeichnet und gerade in Yuis Gefühls- und Gedankenwelt bin ich tief abgetaucht. Sie ist ein liebenswerter Mensch, der zwar sein Herz nicht auf der Zunge trägt, dafür aber entsprechend handelt – und das hat mich schon sehr gerührt. Ihre Beziehung zu Takeshi ist so fein und leise, dass man das die beiden verbindende Band kaum packen kann, und trotzdem spürt man es und auch, wie es nach und nach fester wird. Ja – es ist eine Liebesgeschichte, die aber ganz leise und fein erzählt ist und mich sehr berührt hat – eine Hommage an die Liebe.

Ich mochte nach anfänglichen Schwierigkeiten die Geschichte sehr gerne und gebe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Den Einstieg fand ich schwierig, weil so gar nicht zu erkennen war, worauf das Buch hinauslaufen möchte, dann aber hat mich die leise und sehr warme Erzählweise gepackt und ich bin eingetaucht in eine für mich ganz fremde Welt. Die Autorin hat wunderbar dargestellt, wie Menschen der japanischen Kultur miteinander umgehen und so diese besondere Stimmung wunderbar eingefangen. Ich gebe 4 von 5 Sternen.

WERBUNG: Vielen Dank an die Buchflüsterer und an den btb-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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