[Rezension] Philippa Gregory – "Das Erbe der Königin"

Philippa Gregory – Das Erbe der Königin (Tudor-Reihe #3)
Historischer Roman  

Umschlaggestaltung: Gisela Kullowatz
Umschlagabbildung: © Jeff Cottenden
ISBN-13: 978-3-404-16389-2
Seiten: 588 Seiten
Erschienen: 16.1.2010
Originaltitel: „Ther Boleyn Inheritance“
Übersetzer: Barbara Först

Buchrückentext
„Jeder bei Hofe weiß, dass die Frauen Heinrichs VIII gefährlich leben. Hat er einmal das Augenmerk auf eine andere gerichtet, so schwebt die Königin an seiner Seite in Lebensgefahr. Die deutsche Anna von Kleve kommt als vierte Gemahlin des Herrschers nach England. Die schüchterne junge Frau ist fasziniert vom höfischen Leben, doch schon bald begreift sie, welche Abgründe hinter der schillernden Fassade lauern. Nach Katharina von Aragon und den Boleyn-Schwestern versucht neben Ann nun auch ihre Hofdame, die bildhübsche Katherine Howard, sich bei Heinrich durchzusetzen. Ihnen allen ist bewußt, dass sie in eine Löwengrube geraten sind, aus der sie sich nur schwer wieder befreien können. Nur eine von ihnen kann die Gunst Heinrichs, die Krone Englands und den Kampf um Leben und Tod gewinnen…“

Meine Meinung
In diesem Band geht es um die vierte und fünfte Ehefrau von Heinrich VIII., Anna von Kleve und Katherine Howard. Man kann diesen Band unabhängig der anderen lesen, will man aber die Ehefrauen von Heinrich der Reihe nach kennenlernen, sollte man sich an die richtige Reihenfolge halten.

Erzählt wird die Geschichte aus drei Sichten – sowohl Anna, als auch Katherine treten als Ich-Erzählerin auf, die dritte Perspektive ist die von Jane Boleyn, der Schwester der hingerichteten Anne Boleyn, an deren Tod sie nicht ganz unschuldig war. Ich fand diese Erzählweise sehr gelungen, da man so unterschiedliche Gedanken und Wahrnehmungen der gleichen Situation erhält – interessant wäre natürlich noch die Sicht von Heinrich, aber das hole ich mit seiner Biographie dann nach.

Anne wirkt anfangs ein wenig naiv und dümmlich, was aber an ihren mangelnden Sprachkenntnissen liegt. Wenn sie wirklich so Englisch gesprochen hat, wie es hier wiedergegeben ist, kann ich das sogar verstehen, irgendwie musste ich aber auch schmunzeln, weil es tatsächlich ein wenig dümmlich, manchmal auch „niedlich“ klang. Eigentlich aber ist Anna – und das zeigt sich dann im weiteren Verlauf der Geschichte – eine sehr intelligente und stolze Frau, wahrlich eine Königin, die es nicht nur geschafft hat, Heinrich zu überleben, sondern auch, sich gegen die verschiedenen zum Teil sehr willkürlichen Obrigkeiten, durchzusetzen – es ist ja nicht nur Heinrich, der ihr zusetzt, auch ihre Familie, insbesondere ihr Bruder stehen nicht hinter hier, geschweige denn, dass sie ihr in brenzliger Situation helfen und zur Seite stehen.

Genau das Gegenteil ist Katherine, von der man nicht genau weiß, wann sie geboren wurde, hier aber wird sie als 14-/15-jähriges Mädchen dargestellt. Und genau so verhält sie sich – ihr geht es um Schmuck und schöne Kleider, ums Tanzen und Tändeln, ihr Verhalten ist naiv und kindisch und lässt in keinster Weise an das einer Königin denken. Wäre die Geschichte nicht so tragisch, hätte man wahrlich Mitleid mit ihr. Sie hat durchaus auch sehr liebenswerte Seiten, überwiegend aber möchte man sie schütteln, weil sie die Situation am Hof so gänzlich verkennt. Denn dass es gefährlich ist an Heinrichs Hof, das war auch seinerzeit kein Geheimnis, dass sich der Wind rasch drehen konnte und Heinrich nicht nur ein Tyrann war, sondern er seine Gesetze gerade so anpasste, wie er es brauchte. 

Jane ist auch eine interessante Frau – manchmal wirkt sie sehr nett und freundlich, wie eine Freundin, dann aber lässt sie sich doch lenken und unterschreibt alles, was man ihr vorlegt; egal, ob dadurch dann jemand seinen Kopf verliert, Hauptsache sie selber überlebt. Aber vielleicht ist das in dieser Zeit auch verständlich? Einfach war es sich nicht, nur politisch genutzt zu werden und als Mensch völlig egal zu sein. 

Heinrich kommt in dem Buch nicht gut weg – er ist dick und stinkt, hat eine eitrige Wunde und faule Zähne, leidet unter Verstopfung und Blähungen – das hat wahrlich nichts von einem großen König. Durch sein Handeln, nach Lust und Laune die Leute hinzurichten, wirkt er tatsächlich verrückt – aber er ist der König und keiner wagt, sich ihm in den Weg zu stellen.

Ich mochte diesen Band sehr – es gab sehr gute Einblicke in das Leben am Hof, die Intrigen, das Kalkül – das alles ist sehr gut dargestellt. Obwohl man ja weiß, was mit den einzelnen Protagonisten geschieht, ist es spannend, und ich bin gerne abgetaucht sowohl in Annas, aber auch Katherines Geschichte.

Der Schreibstil ist sehr gut lesbar, obwohl er der Zeit angepasst ist. Vor allem kann er die Stimmung und Atmosphäre sehr gut einfangen. Wirklich neugierig bin ich aber auf Heinrichs Perspektive, und ich hoffe, dass seine Biographie genauso packend ist wie die Reihe um seine Ehefrauen. Ich gebe diesem Buch 5 von 5 Sternen.  

Mein Fazit
Aus Sicht drei ganz unterschiedlicher Frauen wird die Geschichte um die 4. und 5. Ehefrau Heinrichs VIII erzählt – und so hat man auch ganz unterschiedliche Perspektiven, wie Situationen empfunden wurden. Ich mochte das sehr gerne – und auch wenn die Protagonisten nicht unbedingt sympathisch waren, war es doch spannend, sie in ihren Gedanken und Taten zu begleiten und verfolgen. Ich fand diesen Band großartig und gebe 5 von 5 Sternen.

Tudor-Reihe
1. Die ewige Prinzessin (Katharina von Aragon)
2. Die Schwester der Königin (Mary und Anne Boleyn)
3. Das Erbe der Königin (Anna von Kleve und Katherina Howard)
4. Die letzte Gemahlin des Königs (Catherina Parr)
5. Die Hofnärrin (Maria Tudor)
6. Der Geliebte der Königin (Elizabeth I. und Lord Leicester)


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