[Rezension] Markus Thiele – "Die Wahrheit der Dinge"

Markus Thiele – Die Wahrheit der Dinge
Gegenwartsliteratur 

Umschlaggestaltung: www.zero-media.net, München
Umschlagabbildung: © Martha Orlowska /Trevillion Images
ISBN-13: 978-3-710-90128-7
Seiten: 240 Seiten
Erschienen: 22.4.2021

Buchrückentext
„Frank Peteresen, Strafrichter aus Leidenschaft, ist überzeugt von der Unfehlbarkeit des Rechts. Seine Urteile, so sein Selbstverständnis, sind objektiv und gerecht. Bis eines Tages sein Leben völlig aus den Fugen gerät,. Als ein Angeklagter in seinem Gerichtssaal erschossen wird…“

Meine Meinung
Mich hat das Cover total angesprochen und als ich in eine Leseprobe reingelesen habe, war ich total begeistert – ich mag Justizkrimis, und auch wenn dieses Buch anders ist, hat es mir sehr gut gefallen.

Ich sage selten etwas zur Gestaltung, aber bei diesem kann ich nicht umhin, die Aufmachung zu loben – das Papier ist sehr hochwertig, der Schriftsatz angenehm und effizient, am besten gefallen aber hat mir, dass nicht nur der Schutzumschlag bedruckt ist, sondern auch die Buchdeckel selber – das ist wirklich sehr besonders, insbesondere auch, weil mich das in Schwarz und Weiß gehaltene Cover sehr angesprochen hat.

Im Mittelpunkt steht Frank Petersen – er ist Strafrichter mit Leidenschaft und bringt sich in jeden Fall mit ganzer Energie ein. Deshalb hadert er auch mit sich, als erneut einer seiner Fälle zum BGH geleitet wird. Dass ihn in dieser Krise auch noch seine Ehefrau mitsamt Sohn verlässt, wenn auch nur „auf Zeit“, reißt ihm den Boden unter den Füßen weg. Ein zweiter Handlungsstrang beginnt 1989 und erzählt die Geschichte Corinna Meiers – sie tötet (und das erfährt man auf den ersten beiden Seiten) im Gerichtssaal einen Angeklagten und landet selber hinter Gittern. In ihrem Erzählstrang erfährt man nach und nach, wie es zu diesem Mord kam und auch, was er mit Frank Petersen zu tun hat.

In diesem Buch werden viele verschiedene Themen aufgegriffen – es geht um Schuld und Gerechtigkeit, um Wahrheit und Justiz, aber auch um Beziehungen, Freundschaft, Vertrauen und Liebe; und nicht zuletzt auch um Diskriminierung und Rassismus. Insgesamt wird die Geschichte sehr langsam erzählt, so dass man viel Gelegenheit hat, sich seine eigenen Gedanken zu machen und auch seine eigenen Vorstellungen von Wahrheit und Gerechtigkeit zu prüfen und hinterfragen. Nach und nach nur verknüpfen sich die verschiedenen Erzählstränge bis sich am Ende alles auflöst – sowohl die Frage nach Corinna Meiers Tat als auch die nach Frank Petersens Sinnkrise.

Ich habe das Buch als gehobene Unterhaltung empfunden, weil es nicht einfach nur um die Motivation von Corinnas Tat geht, sondern weil vieles von verschiedenen Seiten beleuchtet wird und man so Verständnis auch für die unterschiedlichen Parteien entwickelt. Dabei ist der Schreibstil sehr angenehm, ruhig, oft introvertiert mit vielen Innenansichten, aber klar und auf den Punkt, ohne überflüssige Schnörkel und Verzierungen. 

Ich empfehle das Buch gerne weiter, weil es auch nach Beenden noch nachhallt – wer sich nicht scheut, auch mal eigene Wahrheiten zu hinterfragen, insbesondere auch, wenn es kein klares „richtig“ oder „falsch“ gibt, der sollte zu diesem Buch greifen. Ich gebe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Ein für mich wertvolles Buch, in dem es vordergründig um die Motive eines Mordes geht, hintergründig jedoch um unterschiedliche Wahrheiten – und das den Leser zum Nachdenken und reflektieren einlädt. Eine spannende Geschichte, die aber viel Raum für eigene Gedanken lässt – in einem gut lesbaren, sehr klaren und ruhigen Schreibstil. Ich gebe 4 von 5 Sternen. 

WERBUNG: Vielen Dank an "Vorablesen" und den Benevento-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

Kommentare:

  1. Liebe Sabine,
    ich habe das Buch auch gelesne und heute meine Rezension dazu veröffentlicht.
    Auch bei mir gab es 4 Sterne, da ich fand, dass der Strafrichter ein bisschen zu sehr in Selbstmitleid badete. Danach wurde es aber sehr beeindruckend bzw. hat mich die Geschichte von Corinna sehr berührt. Markus Theile hat wieder toll geschrieben und alle Seiten beleuchthet.
    LIebe Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina,

      du hast Recht mit dem Selbstmitleid - das war schon sehr prominent... Corinas Geschichte fand ich auch beeindruckend - und auch, dass man sich dadurch natürlich mit dem Thema Schuld und Gerechtigkeit auf eine neue Art auseinandersetzen muss.

      LG Sabine

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  2. Liebe Sabine,

    die zweite REzension die ich heute sehe, denn bei Klusi war das Buch auch im Monatsrückblick dabei ;) Ich finde das Thema total interessant, denn das "Gesetz" und die Wahrheitsfindung laufen immer auf einem sehr schmalen Grat. Mich interessiert das Buch jetzt jedenfalls sehr und deshalb wandert es auch direkt auf meine Wunschliste.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Liebe Aleshanee,

      ich glaube, das Buch könnte dir auch gefallen - es macht wirkclih viel mit einem selber und ist dadurch auf eine ganz andere Art spannend!

      LG Sabine

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