Philippa Gregory - Der Königsfluch (Rosenkriege #6)
Historischer Roman
Originaltitel: „The King’s Curse“ (2014)
Übersetzung: Anja Schünemann
Verlag: Rowohlt-Verlag
ISBN-13: 978-3-499-27042-0
Seiten: 781 Seiten
Erschienen: 30.10.2015
Umschlaggestaltung: any.way, Cathrin Günther
Umschlagabbildung: Jeff Cottenden; thinkstockphotots.de
Buchrückentext
„Einst trug sie ihren Namen mit Stolz. Doch nun meidet Margaret Plantagenet aus dem Hause York jeden Hinweis auf ihre Herkunft – ihr Leben wäre sonst nicht sicher. Denn durch Verrat auf dem Schlachtfeld haben die Tudors die englische Krone an sich gerissen und fürchten alles, das an die rechtmäßige Thronfolge unter den Yorks erinnert.
Im Haus ihres Gemahls wird Margaret zur Vertrauten der spanischen Prinzessin Katharina von Aragón. Als diese Tudor-König Henry VIII. heiratet, wird Margaret von ihr zur ersten Hofdame ernannt. Ungeduldig wartet Henry auf einen Erben. Aber ein Sohn nach dem anderen stirbt. Sind all seine Nachkommen verflucht? Henrys Großmütigkeit schlägt in Misstrauen um. Auch Margaret muss plötzlich seinen Zorn fürchten. Der geliebte Herrscher wird zum Tyrann, ganz England leidet unter seiner Willkür …“
Meine Meinung
In „Der Königsfluch“, dem sechsten Band der Rosenkrieg-Saga, steht Margaret Pole im Mittelpunkt und ist Erzählerin ihrer Geschichte. Im frühen 16. Jahrhundert steht Margaret, eine der letzten überlebenden Plantagenets, im Schatten der Tudor-Krone. Als Hofdame von Katharina von Aragón, der ersten Gemahlin Heinrichs des VIII., erlebt sie hautnah mit, wie der König England durch seinen obsessiven Wunsch nach einem männlichen Erben in eine Zeit der Willkür und Angst stürzt. Es ist eine Geschichte über das Überleben in Zeiten, in der die eigene Abstammung sowohl höchstes Privileg als auch Todesurteil sein kann.
Ich habe schon einige Bücher gelesen, die sich mit den Tudors und den Rosenkriegen beschäftigen – dieses hier ist einer derjenigen, das mich wirklich abgeholt und in die Zeit des 16. Jahrhunderts versetzt hat. Von der ersten Seite an war ich gefesselt und habe mich Margaret an Dingen erfreut, mit ihr gelitten und gefiebert. Ihre Loyalität zum eigenen Geschlecht und die Größe, mit der sie Heinrich VIII. begegnet, sind beeindruckend. Zu beobachten, wie sie stets versucht, unter dem Radar zu bleiben, um ihre Familie zu schützen, während Heinrich VIII. immer mehr zum Despoten wird, ist faszinierend und beängstigend zugleich. Das tragische Ende hat mich dann erschüttert – dieser Moment, in dem ich realisiert habe, dass all ihr diplomatisches Geschick und ihre Vorsicht letztlich vergebens waren, ging mir sehr nah.
Margaret Pole wird hier als eine unglaublich starke, reflektierte Frau gezeichnet. Als Tochter des Duke of Clarence trägt sie ein Erbe in sich, das sie in den Augen der Tudors ständig verdächtig macht. Ihr Charakter ist geprägt von einer tiefen mütterlichen Sorge und einer bemerkenswerten Klugheit. Im Gegensatz dazu wirkt Heinrich VIII. oft wie ein störrisches Kind und nicht wie ein großer Herrscher – und es ist schrecklich mit anzusehen, wie sein fast schon paranoider Fokus auf die Nachkommenschaft die Schicksale sehr vieler Menschen bestimmt.
Der Schreibstil von Philippa Gregory hat mich wieder einmal vollkommen gepackt. Er wirkt historisch authentisch und gleichzeitig so lebendig, dass ich das Gefühl hatte, mitten im Geschehen zu stehen. Die Beschreibungen sind farbenfroh und einnehmend, ohne dabei überladen zu wirken. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie Margaret durch die prachtvollen Residenzen wandelt oder in den Gärten Englands Ruhe sucht. Und auch, wie dunkel, kalt und beängstigend der Tower damals war. Vor allem schafft es die Autorin, die bedrückende Atmosphäre am Hof und zur Zeit allgemein spürbar zu machen.
Der Aufbau des Romans folgt konsequent Margarets Lebensweg und beleuchtet durch die Ich-Perspektive die politischen Ereignisse aus ihrer persönlichen Sicht. Das Buch ist in sich abgeschlossen, da es mit Margarets Tod endet, dennoch hat es mir nicht geschadet, dass ich schon einiges zur Tudor-Zeit gelesen hatte, denn so konnte ich die Tragweite der Geschehnisse und Entscheidungen besser verstehen und einordnen.
Die Art und Weise, wie die beiden Reihen, „Die Rosenkriege“ und „Die Tudor-Reihe“ hier ineinandergreifen, hat mir gefallen - denn dieser Band ist zwar der letzte der Rosenkrieg-Reihe, zeitlich aber über die ersten drei Bände der Tudor-Reihe reichend. Und auch für die Tudor-Reihe gilt – man kann jeden Band einzeln für sich lesen, da immer eine der Ehefrauen von Heinrich dem VIII. zu Wort kommt
Mein Fazit
Das berührende Porträt einer starken Frau, die zwischen die Fronten der Geschichte gerät. Philippa Gregory erzählt Margaret Poles Schicksal nahbar und atmosphärisch dicht, so dass die Tudor-Zeit förmlich lebendig wird. Ein Muss für Fans historischer Romane, die Wert auf Tiefgang und eine emotionale Charakterführung legen. Ein tragisches, aber grandios erzähltes Zeitzeugnis.
Die Rosenkriege
1. Rosenkriege - Die Mutter der Königin (1430)
2. Rosenkriege - Der Thron der roten Königin (1455)
3. Rosenkriege - Die Königin der Weißen Rose (1464)
4. Rosenkriege - Dornenschwestern (1465)
5. Rosenkriege - Das Erbe der weißen Rose (1485)
Gesamt-Reihenfolge der Plantagenet- und Tudor-Bücher
1. Rosenkriege - Die Mutter der Königin (1430)
2. Rosenkriege - Der Thron der roten Königin (1455)
3. Rosenkriege - Die Königin der Weißen Rose (1464)
4. Rosenkriege - Dornenschwestern (1465)
5. Rosenkriege - Das Erbe der weißen Rose (1485)
6. Tudor-Reihe - Die ewige Prinzessin (1491)
7. Rosenkriege - Der Königsfluch (1499)
8. Das Erbe der Tudors - Wolfsschwestern (1501)
9. Tudor-Reihe - Die Schwester der Königin (1521)
10. Tudor-Reihe - Das Erbe der Königin (1539)
11. Tudor-Reihe - Die letzte Gemahlin des Königs (1553)
12. Tudor-Reihe - Die Hofnärrin (1548)
13. Das Erbe der Tudors - Um Reich und Krone (1558)
14. Tudor-Reihe - Der Geliebte der Königin (1558)

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