Charlotte Tarnowski - Die Ozeanschwimmerin
Gegenwartsliteratur
Verlag: Der Hörverlag
ISBN-13: 978-3-844-55527-1
Dauer: 593 Minuten
Erschienen: 11.5.2026
Sprecher: Katrin Fröhlich, Max Urlacher
Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung: FinePic®, München
Buchrückentext
„Als Sophie ihren Mann und ihren Sohn bei einem Bootsunglück verliert, scheint auch ihr Lebensmut zu sterben. Doch die leidenschaftliche Schwimmerin gibt nicht auf: Sie beschließt, im Rahmen der »Ocean’s Seven Challenge« sieben Meeresstraßen zu durchschwimmen. Was als abenteuerliche Idee beginnt, wird zu einem unerbittlichen Kampf gegen ihre inneren Dämonen und gegen die harte Realität auf hoher See: eiskaltes Wasser, meterhohe Wellen, giftige Quallen. Sophie schwimmt und schwimmt – getrieben von Emotionen, die sich im Laufe der Zeit wandeln: Schmerz, Zorn und Hoffnung. Nach zwölf Monaten und sieben Meerengen steigt sie aus dem Wasser und weiß, dass sie ihr Leben zurückerhalten hat.“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Nachdem Sophie durch ein Bootsunglück ihre Familie verloren hat, droht sie, an ihrem Schmerz zu zerbrechen. Um der Trauer zu entkommen und ins Leben zurückzufinden, wählt sie einen extremen Weg: Sie stellt sich der legendären „Ocean’s Seven Challenge“. Ihr Ziel ist es, innerhalb eines einzigen Jahres, sieben der gefährlichsten Meerengen der Welt zu durchschwimmen. Dieser Versuch wird zu einem harten, einjährigen Kampf, bei dem sie sich im offenen Meer nicht nur eiskalten Strömungen und Naturgewalten stellen muss, sondern vor allem ihren eigenen, tiefen Emotionen.
Mich hat diese ungewöhnliche Idee der Trauerbewältigung sofort fasziniert. Der Ansatz, Schmerz und Verlust im wahrsten Sinne des Wortes wegzuschwimmen, ist mal etwas ganz Neues für mich. Zudem habe ich großen Respekt vor den „Open-Water“-Schwimmern, also den Freiwasserschwimmern, was mein Interesse an der Geschichte zusätzlich geweckt hat.
Der Einstieg ist hervorragend gelungen; ich wurde direkt in die emotionale Ausgangslage und die dichte Atmosphäre hineingezogen. Hier begleitet man Sophie bei ihrem „ersten Ozean“ den sie durchschwimmt – und ich habe wirklich mitgefiebert, ob sie es schafft und mit welchen Blessuren sie dann dort herauskommt.
Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet. Sophies tiefe Verbundenheit zum Wasser, ihr Mut und ihre enorme Willensstärke sind von Anfang an spürbar und bleiben es auch über die gesamte Handlung hinweg. Sie ist aber keine fehlerfreie Heldin; in ihrer tiefen Trauer agiert sie auch egoistisch und ist sehr auf sich fixiert. Neben ihr lernt man auch ihr ganzes Team kenne, das sie bei den Challenges unterstützt und begleitet – und auch hier sind die Figuren gut getroffen – alle mit eigener Geschichte, so dass ich mich auch in sie gut hineinversetzen konnte.
Es wird gewütet, verzweifelt und gelitten, aber eben auch geliebt und gehofft – diese emotionale Bandbreite wirkte auf mich sehr authentisch. Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln, wodurch ich dieselben Situationen aus verschiedenen Perspektiven erleben konnte. Das gibt der Handlung eine schöne Tiefe, und durch Sophie als Ich-Erzählerin war ich sehr nah an ihren Gedanken und ihrem inneren Kampf.
Der Schreibstil ist locker, modern und angenehm. Die beiden Sprecher Katrin Fröhlich und Max Urlacher machen einen großartigen Job. Sie sprechen die unterschiedlichen Perspektiven, und da ihre Stimmen sind verschieden klingen, ist das Unterscheiden der Sichten ein leichtes. Beide transportieren die Handlung auf eine einfühlsame und empathische Weise, was mich neben dem Plot selber noch mal mehr in die Geschichte hineingesogen hat.
Die Schwimmrennen selbst sind spannend beschrieben. Natürlich fragte ich mich, ob Sophie es schafft, aber auch, ob die Rennen ihr in ihrer Trauer helfen. Insgesamt sind es ja sieben Challenges, denen sie sich stellt – die ersten sind noch ausführlicher beschrieben, die letzten werden dann doch kürzer abgehandelt – das war auch gut, denn es hat sich dann doch einiges wiederholt und das wiederum hat die Spannung leider deutlich abgeflacht.
Insgesamt habe ich die Geschichte aber sehr gerne gehört und mochte vor allem auch die Entwicklung von Sophie – ob sie die Ocean’s-Seven-Challenge schafft und wie es ihr mit ihrer Trauer am Ende geht, verrate ich natürlich nicht.
Mein Fazit
"Die Ozeanschwimmerin" ist ein emotional dichtes Hörbuch über eine extrem harte sportliche Herausforderung und den Weg zurück ins Leben. Charlotte Tarnowski zeigt auf authentische Weise, dass Trauer viele Gesichter hat und Heilung manchmal extreme Wege erfordert. Trotz kleinerer Längen im Mittelteil hat mir die Geschichte aber dennoch gefallen.
WERBUNG: Vielen Dank an "Der Hörverlag" für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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