[Rezension] Martina Bogdahn - "Mirabellentage"

Martina Bogdahn - Mirabellentage
Wohlfühlroman
 

 Verlag: KiWi / Argon
 ISBN-13:  978-3-732-42219-7
 Dauer: 485 Minuten
 Ersterscheinung: 16.4.2026
 Sprecherin: Martina Bogdahn
 Umschlaggestaltung: Barbara Thoben, Köln 
 Umschlagabbildung: © Florence Dellerie

   
Buchrückentext
„Flirrende Hitze über dem See, das Summen in den Feldern und der süßherbe Geschmack von Mirabellen. In ihrem neuen Roman erzählt Martina Bogdahn humorvoll und mit großer von einem Leben zwischen Kartoffelernte, Geflügelhof, harter Arbeit und kleinen Alltagsfluchten. Von einem letzten Wunsch und einem lang gehüteten Geheimnis. Von einer Frau, die sich fragt, wann der richtige Moment ist, mutig zu sein, und erkennt: Ihre Freiheit liegt nicht in weiter Ferne, sie ist der schmale Weg, auf dem sie geht.“ 

Meine Meinung
Im fiktiven Blumfeld scheint die Uhr anders zu gehen. Protagonistin Anna ist das Herzstück des Dorfes: Als langjährige Haushälterin des Pfarrers Josef regelt sie alles zwischen Pfarramt und Nachbarschaftshilfe, unterwegs auf ihrem Moped und immer darauf bedacht, selbst im Hintergrund zu bleiben. Doch mit Josefs plötzlichem Tod gerät ihr geordnetes Gefüge ins Wanken. Nicht nur, dass der neue Pfarrer Fritjof so gar nicht in das gewohnte Bild passt – Anna muss auch noch einen riskanten letzten Wunsch erfüllen: Josefs Asche soll ans Meer, was die traditionsbewusste Dorfgemeinschaft niemals zulassen würde…

Der anekdotische Aufbau des Buches hat es mir anfangs etwas schwer gemacht, denn nicht immer wusste ich sofort, in welcher Zeit ich mich gerade befinde. Als ich mich dann aber reingefuchst hatte, gefielt mir die Idee, dass Anna als Ich-Erzählerin durch ein Geflecht aus kleinen Geschichten führt, die mal in der Vergangenheit, mal im Heute spielen. Man erfährt, warum die Männer im Dorf mit ihrer Kneipp-Kur hadern, was beim Beichtstuhlputzen ans Licht kommt und warum jedes Jahr hunderte Gläser Mirabellenmarmelade produziert werden. Es ist ein lebendiges Bild von Dorf und Leuten, bei dem der Fokus immer wieder auf skurrile Wegbegleiter schwenkt.

Allerdings hat mich eine Sache sehr irritiert: das Zeitgefühl. Ich war überzeugt, mich in den 1950er oder 1960er Jahren zu befinden, so altbacken wirkten viele Ansichten auf mich. Dass die Handlung im Jahr 2010 spielt, wollte für mich einfach nicht zusammenpassen. Viele Episoden wirken dafür zu konstruiert und unglaubwürdig. Blumfeld scheint ein Ort, der komplett aus der Zeit gefallen ist. Und doch erwischte ich mich dabei, wie mich diese heile Welt ein Stück weit „einlullte“ – die Vorstellung, dass die größte Sorge das heimliche Schmuggeln von Asche ist, hat etwas Beruhigendes Da ist bei mir schon fast das Bedürfnis entstanden, sofort selbst Marmelade für das halbe Dorf einzukochen.

Der Schreibstil ist angenehm und herzerwärmend, bleibt für mich aber ein wenig an der Oberfläche. Durch die vielen Zeitsprünge und neuen Gesichter konnte ich zu niemandem eine echte Nähe aufbauen, selbst bei Anna hat das ein bisschen gedauert. Außerdem fehlte mir auch ein wenig der Raum für Annas Trauer; sie war schlichtweg zu beschäftigt, um wirklich um ihren jahrelangen Freund und Begleiter zu trauern. Insgesamt aber ist das Buch ein herzerwärmender und liebevoller Roman, der den Alltag ein bisschen vergessen lässt. 

Mein Fazit
Eine Wohlfühlgeschichte zum Eintauchen, auch wenn es bei mir ein wenig gedauert hat, bis ich angekommen war in der Geschichte. Eine atmosphärische, eher unaufgeregte Unterhaltung für zwischendurch, die den Kopf ausschalten lässt und in eine Welt entführt, die es so eigentlich nicht mehr gibt, die man aber für ein paar Lesestunden gerne besucht.

WERBUNG: Vielen Dank an den KiWi-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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