Anna Katharina Scheidemantel - Statt aus dem Fenster zu schauen
Gegenwartsliteratur
Verlag: Lübbe Audio
ISBN-13: 978-3-754-02145-3
Dauer: 563 Minuten
Ersterscheinung: 30.3.2026
Sprecherin: Chantal Busse
Buchrückentext
„Sophie steckt fest - im Hamsterrad aus Studium und Leistung, in einem sterbenslangweiligen Praktikum. Dabei sind sich alle einig: aus ihr wird mal was. Nur was, das weiß selbst Sophie nicht. Und so folgt sie einem Impuls und kauft per Klick im Internet für einen Spottbetrag ein altes, verfallenes Haus in der ostdeutschen Provinz. Doch die Renovierungsarbeiten stellen sich als schwieriger heraus als auf YouTube dargestellt. Und was macht man mit den langen Stunden der Stille zwischen den Tagen? Dort, wo nur weite Felder und flirrendes Licht sind, beginnt Sophie endlich, die Erwartungen anderer abzustreifen und sich zu fragen: Was will ich eigentlich? Und warum?“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Sophie steigt aus – aus ihrem Leben aus Studium und Leistung und nun auch noch aus einem langweiligen Praktikum. Das soll‘s gewesen sein? Sie ersteigert spontan ein völlig sanierungsbedürftiges Haus auf dem Land. Niemals hätte sie gedacht, dass der Umbau und die Renovierung so kräftezehrend sind – und in der ländlichen Isolation muss sich Sophie völlig unvorbereitet mit eigenen Wünschen und Zielen auseinanderzusetzen…
Ich bin beim Hören schnell in dieser „ostdeutschen Bruchbude“ gelandet, die erst einmal mehr nach „Lost Place“ als nach einem Zuhause aussieht. Dass Sophie trotzdem bleibt und nicht wegläuft, hat mir gefallen. Ich habe sie auf ihrem Weg in den Schmutz, die harte Arbeit und die Ungewissheit gern begleitet. Die alltäglichen Gänge zum Baumarkt oder dem Discounter, die Hühner im Garten und die ständigen Zweifel wurden beim Zuhören richtig greifbar. Es ist ein unperfektes Leben, dafür aber ein echtes Universum, das hier entsteht. Und Mut bedeutet eben nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz der Angst den nächsten Schritt zu tun.
Ich selbst hätte an ihrer Stelle niemals so gehandelt und mir dieses Projekt aufgebürdet. Gerade deswegen habe ich Sophies Schritt ins Ungewisse sehr bewundert. Was sie dann während der Arbeit denkt und fühlt, konnte ich wiederum total gut nachvollziehen. Diese ständigen Selbstzweifel und die Fragen nach dem Lebenssinn haben mich in meinem Leben eine Zeitlang auch begleitet. Sophie ist einfach „echt“ und authentisch, so als ob sie eine Freundin von mir wäre, die mir von ihrem Umbau erzählt – und so ist sie mir mit all ihren Unsicherheiten und ihrem beharrlichen Weitermachen im Laufe der Geschichte richtig ans Herz gewachsen.
Der Schreibstil ist lebendig, ungekünstelt und direkt. Durch diesen schnörkellosen Aufbau war ich sehr nah dran an der Geschichte. Es ist keine, die vor Hochspannung strotzt, ganz im Gegenteil ist sie langsam erzählt, dabei aber gefühlvoll, ehrlich und mit viel Atmosphäre. Und die Entwicklung, die Sophie erlebt, hat mir sehr gefallen – sie ist langsam und damit glaubhaft und irgendwie auch fesselnd. Das Buch ist ein leiser Anstoß, auch noch mal das eigene Leben zu hinterfragen, denn Wachstum verläuft nicht geradlinig, sondern in Schleifen und Rückschritten und natürlich auch Erfolgen.
Die Sprecherin Chantal Busse passt insgesamt gut zum Buch. Ihre Stimmfarbe hat mir zwar nicht so gefallen, da ich sie als etwas belegt, dunkel und farblos empfunden habe, aber sie transportiert die Stimmung der Geschichte passend.
Mein Fazit
Eine ruhige Geschichte, die mich berührt hat und die zeigt, dass Mut bedeutet, nicht stehenzubleiben, sondern trotz aller Zweifel weiterzugehen. Ohne erhobenen Zeigefinger regt sie dazu an, auch die eigenen Lebensentwürfe nochmal zu hinterfragen. Für mich eine unaufgeregte, authentische Geschichte über das Suchen und Finden des eigenen Weges.

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