Svenja Leiber - Nelka
Zwei Zeitebenen
Verlag: Suhrkamp-Verlag
ISBN-13: 978-3-51843-276-1
Seiten: 200 Seiten
Erschienen: 18.2.2026
Umschlaggestaltung: Lübbeke Naumann Thoben, Köln
Umschlagabbildung: Ölgemälde von Linda Apple, Columbus, OH, USA
Zum Inhalt
„Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Im Jahr 1941 verschlägt es die 15-jährige Nelka aus dem polnischen Lemberg nach Norddeutschland, wo sie als Zwangsarbeiterin auf einem Gutshof arbeiten muss. Sie kann ihrem Leid am Ende des Krieges entkommen, kehrt jedoch 50 Jahre später zurück nach Deutschland, um den Hof, den Verwalter Marten und Gonda, die Tochter ihrer Freundin, zu besuchen. Dafür hat sie einen besonderen Grund, der sich erst ganz am Ende des Buches offenbart und den ich natürlich nicht verraten werde.
Erzählt wird alles auf zwei Zeitebenen – einmal von der jungen Nelkas auf dem Hof in den 1940er Jahren und dann in der Gegenwart, in der sie wieder auf den Verwalter trifft.
Mich hat die Melancholie dieser Geschichte tief berührt – ihr konnte ich mich kaum entziehen beim Lesen des Ausgeliefertseins und all der Ungerechtigkeiten. Da ist verständlich, dass jeder versucht, für sich das Beste rauszuholen - so auch Nelka, die aber trotz ihrer dann etwas „besseren“ Stellung nie ihre Freunde vergisst. Ihr Wissen über den Apfelanbau, das sie von ihrem Vater erlernt hat, sowie ihre deutschen Sprachkenntnisse wurden zu ihrem Überlebensvorteil - weg von den einfachen Hütten und der schweren Arbeit auf dem Land hinein in das Haus des Verwalters. Denn er hat die besonderen Gaben Nelkas rasch erkannt und nutzt sie für sich. Als der Krieg endet, wollen beide nur noch weg: Marten aus Angst vor Vergeltung, Nelka mit dem Ziel, wieder nach Hause zu kommen.
Svenja Leibers Schreibstil ist trocken, nüchtern und bewahrt eine gewisse Distanz zum Geschehen. Es wird alles sehr ruhig erzählt und diese nüchterne Sachlichkeit hat bei mir das Gefühl von Beklemmung verstärkt, da selbst Grausames fast schon sanft erzählt wird.
Der Aufbau ist geschickt gewählt und hält die Spannung bis zur letzten Seite, da das wahre Motiv der Rückkehr Nelkas erst am Ende zutage kommt. Insgesamt ein wichtiges Buch, bei dem die Stimmung durchweg bedrückend ist, das dadurch aber auch ein intensives Leseerlebnis bietet.
Mein Fazit
„Nelka“ ist ein leises Buch über das Überleben unter unmenschlichen Bedingungen. Die nüchterne Sprache lässt das Leid der Protagonistin fast körperlich spürbar werden – und trotzdem habe ich eine gewisse Distanz zum Geschehen empfunden, während die ruhige Erzählweise einen scharfen Kontrast zur Grausamkeit der Ereignisse bildet. Ein wichtiges Werk über Schuld, Erinnerung und das Suchen nach Heimat.

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