Sara Barquinero - Ich werde allein sein und ohne Party
Gegenwartsliteratur
Originaltitel: „Estaré sola y sin fiesta“ (2021)
Übersetzerin: Mareike Philipp
Verlag: Wagenbach-Verlag
ISBN-13: 978-3-8003-13386-1
Seiten: 288 Seiten
Erschienen: 19.2.2026
Umschlaggestaltung: Julie August unter Verwendung eines Bildes © Mario Sughi
Klappentext
„Wer ist Yna? Warum liegt ihr Tagebuch aus dem Jahr 1990, inmitten eines ganzen Hausstands, neben einem Müllcontainer in Zaragoza? Und was fesselt eine junge Frau 30 Jahre später an den naiv-unschuldigen Notizen einer Unbekannten, die verzweifelt und offenbar vergeblich auf den Anruf ihres Geliebten Alejandro wartet? Diese Fragen stellt sich die namenlose Protagonistin, die Ynas Tagebuch findet und fortan nicht mehr davon lassen kann. Gegen alle Wahrscheinlichkeit will sie unbedingt mehr über Yna herausfinden. Oder doch eher über Alejandro? Immer obsessiver widmet sie sich der Suche.“
Meine Meinung
In Zaragoza findet eine namenlose Erzählerin neben einem Müllcontainer das Tagebuch einer Unbekannten namens Yna aus dem Jahr 1990. Die naiven Notizen einer Frau, die vergeblich auf den Anruf ihres Geliebten Alejandro wartet, lösen eine unerwartete Obsession aus. Die Erzählerin beginnt eine intensive Suche nach den Spuren dieser vergangenen Liebe und wirft dafür ihr eigenes Leben kurzerhand über den Haufen.
Ich fand die Grundidee der Geschichte zwar spannend, konnte jedoch die Motivation der Protagonistin, sich derart in ein fremdes Leben zu stürzen und dabei das eigene, reale aufzugeben, nicht ganz nachvollziehen. Für mich wirkte die Suche eher wie ein Mittel zum Zweck, um zu verdeutlichen, wie verloren die eigene Existenz eigentlich ist. Vielleicht brauchte sie diesen äußeren Impuls, um der von ihr gefühlten Monotonie und Sinnlosigkeit des eigenen Lebens zu entkommen, nachvollziehen konnte ich das aber nicht.
Es ist das eine, ein Handeln oder eine Motivation nicht zu verstehen, gleichzeitig fand ich die Ich-Erzählerin aber auch noch wenig sympathisch, vor allem wegen ihrer Unentschlossenheit und der Art, wie sie ihr bisheriges Leben fast schon leichtfertig hinschmeißt. Auch ihr Umgang mit den Menschen in ihrem Umfeld hat mich irritiert; sie agiert egoistisch, hat nur sich selber im Sinn (und die Obsession, den im Tagebuch erwähnten Liebhaber zu finden), und ihr Verhalten oft zweckgebunden. Dass sie am Ende versucht, ihr Handeln als Depression zu erklären, fand ich dann einfallslos, vor allem aber wenig glaubwürdig und unpassend.
Ein gelungener technischer Kniff war für mich hingegen die Aufteilung der Kapitel im Laufe des Buches: Die Recherchen der Ich-Erzählerin ergaben im Verlauf zwei Optionen, wo eine Person aus dem Tagebuch zu finden sein könnte – und so gab es einige Kapitel mit zwei Variationen – ein Teil A hat die eine Version des Gesuchten beschrieben, ein Teil B die andere. Das hat mir sehr gut gefallen. Am Ende erfährt man dann auch, welche Version die richtige war – das aber hat nicht darüber hinweggeholfen, dass mir das Buch überhaupt nicht gefallen hat. Der Schreibstil war in Ordnung, hat mich aber auch nicht nachhaltig begeistert. Ich blieb beim Lesen auf Distanz und fühlte mich der Geschichte nie wirklich nah.
Mein Fazit
Ein Roman über Einsamkeit und Obsession. Die namenlose Ich-Erzählerin war mir nicht nur unsympathisch, ich konnte ihre Handlungsweise meist nicht nachvollziehen und so leider auch keine Verbindung zu ihr aufbauen. Die Idee des Romans hat mir gefallen, die Umsetzung leider nicht – es war weder fesselnd noch interessant – wirklich schade.
WERBUNG: Vielen Dank an den Wagenbach-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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