[Rezension] Margaret George - "Maria Magdalena"

Margaret George - Maria Magdalena
Historischer Roman, Romanbiographie
 

 Originaltitel: „Mary Magdalene“ (2002)
 Übersetzer: Rainer Schmidt
 ISBN-13: 978-3-404-15725-9
 Seiten: 798 Seiten
 Erschienen: 15.10.2009
 Umschlaggestaltung: Bettina Reubelt /Guido Klütsch, Köln
 Umschlagabbildung: „Maria Magdalena“ von Pietro Perugino /akg-images /Rabazzi-Domingie

   
Buchrückentext
„Mit überbordender erzählerischer Kraft erweckt Margaret George eine der faszinierendsten Frauengestalten der Bibel zum Leben. Der Leser reist mit ihr in eindrucksvolle Landschaften, erlebt fremde Völker und ihre Kulte und entdeckt dabei auch Wege zur Spiritualität und zu sich selbst. Ein blendendes Werk.“ 

Meine Meinung
Ich habe schon einige Romanbiographien aus der Feder von Margaret George gelesen – hier war ich gespannt, wie sie das Leben von Maria Magdalena darstellt, bei der die historischen Quellen ja nur sehr dürftig sind. 

Die Erzählung beginnt weit vor den bekannten Ereignissen und beleuchtet ausführlich die Kindheit und Jugend Marias in Magdala. Besonders fasziniert hat mich hier die Auseinandersetzung mit den „Dämonen“ und dem Götzendienst – ein düsterer, aber packender Einstieg, der Maria eine psychologische Tiefe verleiht, bevor sie überhaupt auf Jesus trifft. Im Mittelteil folgt der Roman den Wanderungen Jesu, denen sich Maria Magdalena anschließt, wobei ich gestehen muss, dass sich hier für mich einige Längen ergeben haben. Viele Szenen sind eng an die biblischen Überlieferungen angelehnt, so dass einiges sehr vertraut war, ich dadurch aber auch Langweile empfunden habe. 

Und trotz einiger Längen war die Lektüre auch ein emotionales Auf und Ab. Ich habe viel über die Dynamik zwischen Jesus, Maria Magdalena und seinen Anhängern nachgedacht. Da ich die Faszination, die von ihm ausging, im Text nicht nachempfinden konnte, blieb für mich eine gewisse Distanz zum Geschehen. Doch gerade diese Lücke regte mich zum Grübeln an: Was macht einen Menschen so charismatisch, dass andere alles für ihn aufgeben? Ich habe mich gefragt, ob es auch in unserer heutigen Zeit Persönlichkeiten gibt, die wir nicht sofort verstehen, denen wir aber vielleicht dennoch Vertrauen schenken sollten.

Besonders nahegegangen ist mir das schmerzhafte Opfer, das Maria bringt. Es hat mich tief bewegt, auf was alles sie für ihren Weg verzichtet – am schlimmsten wog dabei für mich die Trennung von ihrer Tochter. Dass sie von ihrer Familie verstoßen wurde und trotz ihrer Bemühungen immer wieder abgewiesen wurde, empfand ich als unglaublich hart. Ihr Leben wird als eine Kette von Entbehrungen und Leid gezeichnet, was sich bis zu ihrem schmerzvollen Tod durchzieht. Diese Tragik hat mich sehr gerührt und bedrückt zurückgelassen.

Neugierig war ich auf den Schreibstil – als Autorin ist es eine enorme Herausforderung, eine Sprache für eine Welt zu finden, die zweitausend Jahre zurückliegt, doch Margaret George hat dies souverän gelöst. Die Sprache wirkt angenehm zeitlos – sie ist historisch fundiert und vermeidet moderne Floskeln, ohne dabei beim Lesen sperrig zu werden. Besonders die Landschaftsbeschreibungen haben mich beeindruckt; sie sind so plastisch und detailreich, dass ich die Hitze und den Staub Palästinas förmlich spüren konnte.

Etwas kritischer sehe ich die Gestaltung der Dialoge. Gelegentlich empfand ich diese als ein wenig schwülstig und pathetisch. Ich vermute, dass dies ein bewusster Versuch war, die Nähe zu biblischen Texten und Gleichnissen zu wahren, doch für mein Empfinden wirkten die Gespräche dadurch manchmal etwas hölzern und weniger lebendig. Dennoch schafft es die Autorin, durch ihren ruhigen, fast meditativen Erzählfluss und trotz einiger wirklich repetitiver und langatmiger Passagen eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Sie nutzt die wenigen historischen Quellen geschickt als Gerüst und füllt die Lücken mit einer plausiblen, menschlichen Geschichte.

Mein Fazit
Ein opulenter historischer Roman, der durch seine psychologische Tiefe und die tragische Lebensgeschichte der Protagonistin gewinnt. Auch wenn die Mitte des Buches einige Längen aufweist und die religiöse Faszination für mich nicht immer ganz greifbar war, hat mich das Werk zum Nachdenken gebracht über Glaube, Opferbereitschaft und zwischenmenschliche Abgründe. Daher durchaus eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die hinter die Kulissen der biblischen Mythen blicken wollen.


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