[Rezension] Elina Penner - "Die Unbußfertigen"

Elina Penner - Die Unbußfertigen
Gegenwartsliteratur
 

 Verlag: Aufbau Audio
 ISBN-13: 978-3-757-01938-9
 Dauer: 579 Minuten
 Erschienen: 13.10.2025
 Sprecherin: Jana Kozewa

   
Zum Inhalt 
„Zehn Menschen, wie sie das Netz hervorgebracht hat, folgen einer Einladung in ein abgelegenes Herrenhaus. Ein Event? Auf jeden Fall, nur ohne Empfang. Darunter eine Mutter, die ihre Kinder zur Marke gemacht hat. Eine Busfahrerin zwischen Heilstein und Hassrede. Eine Influencerin mit dem berühmtesten Arsch des Landes. Drei Frauen mit Followerzahlen wie Aktienkurse. Sieben Männer im Kommentarbereich. Doch plötzlich ist alles real. Offline. Immer mehr von ihnen verschwinden. Und jemand sieht zu. “ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Ich muss gestehen, dass ich einen großen Bogen um dieses Werk gemacht habe, da ich das Cover unglaublich hässlich finde. Die Frage, ob ich dort einen Pfirsich oder einen Hintern sehe, beschäftigt mich zwar immer noch, aber ich bin froh, dass ich mich davon nicht habe abhalten lassen. Es wäre jammerschade gewesen, diesen großartigen Roman zu verpassen, nur weil die Optik für mich nicht stimmig war.

Zehn Menschen, deren Leben und Identität untrennbar mit der digitalen Welt verwoben sind, folgen einer mysteriösen Einladung in ein abgelegenes Herrenhaus. Was als exklusives Event beginnt, entpuppt sich schnell als Falle, denn die zehn sind völlig isoliert und ohne jeglichen Netzempfang. Unter den Gästen befinden sich eine Mutter, die ihre Kinder als Online-Marke inszeniert, eine Busfahrerin, die sich in Hassreden verliert, und eine Fitness-Influencerin – daneben noch sieben Männer, die sich ebenfalls einen fragwürdigen Platz in der Welt des Internets geschaffen haben. Doch dann verschwindet einer nach dem anderen, während eine unbekannte Instanz das Geschehen beobachtet.

Ich war von der ersten Minute an fasziniert davon, wie hier hochaktuelle Themen aufgegriffen werden. Die verschiedenen Facetten der Internetkultur – vom fragwürdigen „Sharenting“ über gefährliche Alternativmedizin bis hin zu Lovescamming – bilden ein beklemmendes Panorama unserer heutigen Gesellschaft. Und während die Influencer in ihrer Blase gefangen sind, schauen draußen viele Menschen zu – und beobachten, wie über das geredet wird, was zu dem fragwürdigen Erfolg der Einzelnen geführt hat. Mal sind die Influencer einsichtig, mal rutschen sie Position der Rechtfertigung und Entschuldigung – wie ernst es ihnen damit ist, bleibt dem Hörer erst mal selber zu beurteilen. 

Obwohl die Handlung natürlich überspitzt ist, empfand ich das Geschehen als erschreckend realistisch, gerade weil die Verhaltensweisen im Netz so treffend eingefangen wurden. Ich möchte gar nicht zu viel über die Wendungen verraten, da ich das Hörbuch völlig unvoreingenommen genossen habe und die Überraschungsmomente anderen Hörern ebenso gönne wie mir selbst.

Die Charakterzeichnung ist Elina Penner sehr gut gelungen. Sicherlich nutzt sie bei den zehn Protagonisten bewusst Stereotypen, um die Probleme der Internetgesellschaft zu verdeutlichen, dennoch hat jeder auch eine eigene Persönlichkeit, die stellvertretend für die Extreme unserer Zeit steht.

Der Schreibstil passt hervorragend zur Thematik – auf der einen Seite besticht er durch nüchterne Klarheit, auf der anderen Seite haben mir die zeitgemäßen, umgangssprachlichen Dialoge sehr gut gefallen. Die Spannung wird konsequent aufgebaut, weil es auch Wechsel der Perspektiven gibt. Jana Kozewa als Sprecherin unterstützt dieses Gefühl durch ihre Vertonung perfekt. Sie trifft für jede Szene den angemessenen Tonfall – mal berichtend-neutral, mal emotionaler –, was die beklemmende Atmosphäre nur noch stärker hervortreten lässt.

Mein Fazit
Ein messerscharfer Blick auf die Abgründe der Social-Media-Welt. Geschickt verknüpft die Autorin Gesellschaftskritik mit einem interessanten Plot, der spannend ist und mich hat unbedingt immer weiterhören lassen wollen. Die überspitzten Charaktere spiegeln unsere Realität wieder - daher für alle, die sich kritisch mit dem digitalen Zeitgeist auseinandersetzen wollen, eine unbedingte Empfehlung von mir.


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