Christine Wunnicke - Wachs
Historischer Roman
Verlag: Berenberg-Verlag
ISBN-13: 978-3-911-32703-9
Seiten: 176 Seiten
Erschienen: 27.3.2025
Einbandgestaltung: Antje Haack unter Verwendung von Fotos von Adobe Stock und akg-images
Zum Inhalt
„Eine Liebesgeschichte, so schön, so verwegen, wie nur Christine Wunnicke sie schreibt. Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie Biheron, die schon im zarten Alter Leichen seziert, um deren Innenleben aus Wachs zu modellieren; und Madeleine Basseporte, die zeichnend die Anatomie von Blumen aufs Papier zaubert, weil Menschen eher stören und meist keine Ahnung haben. Männer kommen auch vor, in schönen Nebenrollen – ein nervöser Bestseller-Autor, ein junger Nichtsnutz und Diderot, der Kaffee trinkt und viel redet. Ein hinreißender Liebesroman, der hin und her schwingt zwischen der Zeit, als Küchenschellen friedlich am Wegesrand wuchsen, und jenen Schreckenstagen, als nicht allein der Königin wie einer schönen Blume der Kopf abgeschlagen wurde. “ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Ich war sehr neugierig auf diese Geschichte, die sie es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025 geschafft hatte – insbesondere, da ich historische Roman ja sehr gerne lese. Leider hat mich das Buch nicht überzeugen könne, was sicher auch an der Dünne des Werkes liegt.
Die Autorin entführt in das Paris des 18. Jahrhunderts und beleuchtet das außergewöhnliche Leben der Anatomin Marie Bihéron sowie der Pflanzenmalerin Madeleine Basseporte. Die Erzählung spielt auf zwei Zeitebenen: Einerseits begleitet man die hochbetagte Marie, andererseits blickt man zurück auf ihren Werdegang, ihre unbändige Neugier und ihr Streben nach Wissen.
Der Einstieg n den Roman hat mich fasziniert, denn die junge Marie verlangt beim Militär mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit nach einer Leiche, um sie untersuchen zu können und so ihr anatomisches Wissen zu verbessern. Im Laufe der Jahre untersucht sie nicht nur Leichen und malt deren Organe, sondern sie formt sie auch nach aus Wachs, täuschend echt, eine Kunst, die ebenso präzise wie makaber anmutet.
Obwohl ich den historischen und lebendigen Schreibstil als sehr angemessen und bereichernd empfunden habe, fiel es mir schwer, eine tiefe Bindung zur Geschichte aufzubauen. Besonders die junge Marie war mir durch ihren Wissensdurst und ihre neugierige Art zunächst sehr sympathisch, doch dieses Gefühl wandelte sich im Laufe der Lektüre. Die gealterte Marie wirkte auf mich eher unsympathisch, beinahe gängelig in ihrer Art und wenig einfühlsam mit ihren Mitmenschen. Zudem hatte ich gedacht, dass die lesbische Liebe zwischen Marie und der Pflanzenmalerin Madeleine einen größeren Raum einnimmt – gerade im 18. Jahrhundert ja ein schwieriges Thema. Leider aber blieb sie für meinen Geschmack zu sehr im Hintergrund.
Die medizinischen Beschreibungen und die Einblicke in das Paris jener Zeit sind zwar handwerklich präzise und zeugen von einem feinen Gespür für Ästhetik, doch blieb mir das Geschehen insgesamt zu oberflächlich. Bei dem dünnen Buch ist der Raum für eine Charakterentwicklung natürlich begrenzt, und bei mir hat das auch dazu geführt, dass die Figuren – speziell auch Marie - für mich nicht greifbar wurden. Ich fühlte mich eher wie eine distanzierte Zuschauerin als wie ein aktiver Teil der Erzählung. Letztlich konnte mich das Buch nicht so fesseln, wie ich es gehofft hatte – ich bin in den Händen der Autorin leider nicht zu „Wachs“ geworden.
Mein Fazit
Sicher ein historisch fundiertes Porträt zweier bemerkenswerter historischer Persönlichkeiten, das durch Präzision und einen lebendigen Stil besticht, trotzdem war ich den Figuren nicht nahe und habe sie so auch nur mit Distanz begleitet. Ein interessanter Einblick in das 18. Jahrhundert, der mich jedoch nicht vollends in seinen Bann ziehen konnte.

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