[Rezension] Simone van der Vlugt - "Die Unetrnehmerin von Amsterdam"

Simone van der Vlugt - Die Unternehmerin von Amsterdam
Historischer Roman
 

Originaltitel: „De kaasfabriek“ (2020)
Übersetzerin: Barbara Heller
ISBN-13: 978-3-365-00124-0
Seiten: 352 Seiten
Erschienen: 27.12.2022
Umschlaggestaltung: Cordula Schmidt Design
Umschlagabbildung: Traditional Dutch Tile Design © 2001, Pepin van Roojen

   
Buchrückentext
„Amsterdam, 1892: Nach dem Tod ihrer Eltern will die junge Lydia den großen Traum ihres Vaters verwirklichen und eine Käsefabrik gründen. Die Teekränzchen und Wohltätigkeitsveranstaltungen, die von ihr als Dame der oberen Gesellschaftsschichten erwartet werden, erfüllen sie nicht, aber Frauen ist es zu dieser Zeit grundsätzlich nicht erlaubt, eigenständig ein Unternehmen zu führen. Mithilfe eines fortschrittsbegeisterten Bauern aus der Gegend jedoch rückt der Erfolg in greifbare Nähe, obwohl die ungleichen Partner immer noch um Anerkennung kämpfen müssen. Durch das gemeinsame Ziel kommen die beiden sich näher – aber ihre Liebe darf nicht existieren…“ 

Meine Meinung
Ich mag die Bücher von Simone van der Vlugt sehr gerne – diesmal entführt sie den Leser ins 19. Jahrhundert nach Amsterdam. 

Amsterdam im Jahr 1892: Die junge Adlige Lydia bricht nach dem Tod ihrer Eltern mit den starren Erwartungen ihrer gesellschaftlichen Schicht und verfolgt den Traum ihres Vaters, eine Käsefabrik zu gründen. Unterstützung findet sie im Bauern Huib – eine Verbindung, die nicht nur geschäftlich, sondern auch emotional alle Konventionen sprengt. Jahrzehnte später muss ihre Tochter Nora in den Wirren des Ersten Weltkriegs ihren eigenen Weg finden und sich den Geheimnissen ihrer Herkunft stellen.

Der Einstieg in diesen Roman ist mir sehr leicht gefallen - Lydia ist eine sehr sympathische und kluge Protagonistin, deren Mut, sich gegen die damaligen Standesschranken aufzulehnen, mich beeindruckt hat. Besonders das erste Drittel der Geschichte hat mich gefesselt; die zarte, aber unmögliche Romanze zwischen der Adligen und dem Bauern sowie der Aufbau der Käsefabrik sind wunderbar erzählt, und ich bin richtig eingetaucht in diese mir fremde Zeit.  

Im Mittelteil kommt es dann leider zu einigen Längen - hier rückt Lydias Tochter Nora in den Fokus, die wie das komplette Gegenteil ihrer Mutter wirkt. Ihr Standesdünkel und ihr Festhalten an Konventionen machen sie nicht sympathisch und es umso schwerer, mit ihr zu fühlen; dadurch konnte ich kaum glauben, dass Nora wirklich Lydias Tochter sein soll. Doch die Wandlung, die Nora mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs durchmacht, hat mich im weiteren Verlauf beeindruckt. Zu sehen, wie aus dem hochnäsigen Mädchen eine zupackende, starke Frau wird, war für mich neben den Schilderungen der Auswirkungen des Ersten Weltkriegs einer der stärksten Aspekte des Buches.

Der Schreibstil ist angenehm leicht und flüssig, wenn auch für die damalige Epoche fast ein wenig zu modern. Ungewöhnlich ist die Wahl des Präsens, an das ich mich erst gewöhnen musste, was mir nach einer gewissen Einlesezeit jedoch gelungen ist. 

Das letzte Drittel des Buches empfand ich als sehr packend und aufregend, auch wenn die Käsefabrik kaum noch eine Rolle spielte und die Wirren des Weltkrieges den Mittelpunkt bildeten. Ich hätte mir zudem gewünscht, dass die Autorin sich ein wenig mehr Zeit genommen hätte, Noras Entwicklung zu zeichnen – so sehr mich das letzte Drittel gepackt hat, so sehr hätte ich mir gewünscht, dass die vielen Dinge, die passieren, etwas ausführlicher dargestellt werden. 

Mein Fazit
Ein bewegender und insgesamt sehr gelungener historischer Roman über zwei starke Frauen in unterschiedlichen Epochen. Trotz kleinerer Längen im Mittelteil hat mich die Geschichte, besonders durch Noras beeindruckende Wandlung im letzten Drittel, sehr berührt. Von mir aus hätte die Geschichte noch ausführlicher erzählt werden können, aber auch so empfehle ich sie gerne weiter.


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