M. L. Stedman - Ein weites Leben
Familiensaga
Originaltitel: „A Far-Flung Life“ (2026)
Übersetzer: Cornelius Hartz
Verlag: Blanvalet-Verlag
ISBN-13: 978-3-764-51005-3
Seiten: 527 Seiten
Erschienen: 25.3.2026
Umschlaggestaltung: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich
Umschlagabbildung: mauritius images /Zoonar /Uwe Bergwitz, Zoonar GmbH /Alamy /Alamy Stock Photos
Buchrückentext
„Ein Lastwagen, drei Männer, ein Moment der Unachtsamkeit – von einer Sekunde auf die andere ist das Leben der MacBrides ein anderes. Einzig Sohn Matthew übersteht das Unglück mit schweren Beeinträchtigungen. Und doch findet er zielstrebig zurück nach Meredith Downs, zurück zu Mutter und Schwester, als das Schicksal ein zweites Mal zuschlägt. Und plötzlich steht nicht nur sein Leben auf dem Spiel, sondern seine Seele – und zwar auf eine Weise, die kaum jemand vorhersehen, geschweige denn hätte überleben können.“
Meine Meinung
Damals hat mich „Das Licht zwischen den Meeren“ von der Autorin sehr begeistert, für ihr neues Buch hat sie sich viel Zeit genommen, über 10 Jahre – ich war daher sehr gespannt auf ihr neues Werk!
Seit Generationen bewirtschaftet die Familie MacBride die abgelegene Schaffarm Meredith Downs in Westaustralien. Bei einem schweren Unfall kommen der Vater und der älteste Sohn ums Leben, und dieses zwar raue, aber beständige Leben wird zerstört. Der erst siebzehnjährige Matthew überlebt das Unglück mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen und kehrt mühsam zu seiner Mutter und seiner Schwester auf die Farm zurück. Als das Schicksal die Familie ein zweites Mal trifft, steht für Matthew weit mehr als nur seine physische Existenz auf dem Spiel.
Es ist ein interessantes Werk. Auf der einen Seite bietet es eine intensive Darstellung der Unwirtlichkeit des Outbacks, die die Autorin mit viel Atmosphäre einfängt, auf der anderen Seite ist die Geschichte sehr langsam erzählt – zu langsam in meinen Augen. Die Weite und Kargheit Australiens in den 1950er und 1960er Jahren werden durch die sehr bildhafte Sprache lebendig, die entbehrungsreiche Realität jener Zeit konnte ich so gut spüren. Die Handlung jedoch entfaltet sich nur langsam, und durch die Vielzahl an Figuren sowie die ausufernden Naturbeschreibungen fiel es mir zeitweise schwer, die Lust am Lesen nicht zu verlieren. Eine straffere Komposition hätte der Geschichte in meinen Augen gut getan, da die Langatmigkeit die eigentliche Dramatik völlig verdrängt hat.
Gefallen hat mir aber die Gestaltung der Charaktere, allen voran Rosie. Als junges Mädchen bzw. junge Frau, die sich den gängigen Konventionen widersetzt, fand ich sie nicht nur sehr sympathisch, sondern konnte sie mir auch sehr gut vorstellen. Ihre emotionale Zerrissenheit in einer zentralen, existenziellen Frage ist beim Lesen fast körperlich spürbar und macht sie zu einer starken Figur.
Im Kontrast dazu steht ihr Bruder Matthew, der im zweiten Teil des Buches im Mittelpunkt steht. Seine oft etwas mürrische und wenig zugängliche Art, die sich durch seine Erlebnisse erklären lässt, macht ihn nicht einer Figur, die auf den ersten Blick gewinnt – dafür aber auf den zweiten, denn hinter seiner abwehrenden Fassade versteckt sich ein großherziger Mensch, der das aber gut zu verstecken weiß.
Eine gewisse Leichtigkeit bringt Rosies neunjähriger Sohn in die Geschichte; seine kindliche Neugier und die Unbedarftheit gegenüber der Welt der Erwachsenen bilden einen gelungenen Gegenpol zur Schwere der anderen Figuren.
Der Aufbau des Romans ist geprägt von den sehr detailreichen Schilderungen der Lebensumstände. Durch den bildhaften Schreibstil konnte ich mir alles gut vorstellen, vor allem aber auch die Atmosphäre spüren. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte, die interessant und auch voller Ereignisse ist, etwas straffer erzählt wird. Denn die langatmige Erzählweise und die vielen Nebenstränge haben mich doch herausgefordert, auch wenn der durchaus elegante Schreibstil mir doch gefallen hat.
Mein Fazit
Die Geschichte besticht durch seine atmosphärische Dichte und eine feinsinnige Charakterzeichnung vor der imposanten Kulisse Westaustraliens. Gleichzeitig war mir aber die Erzählweise zu langatmig. Wer jedoch Freude an tiefgründigen Familiengeschichten und historischem Lokalkolorit hat, sollte sich dieses Buch unbedingt anschauen.
WERBUNG: Vielen Dank an Vorablesen und den Blanvalet-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Teile mir deine Gedanken und Kommentare zu meinem Beitrag mit - ich freue mich sehr auf unseren Austausch!
DATENSCHUTZ: Mit dem Absenden deines Kommentars und dem Einverständnis der Kommentar-Folgefunktion bestätigst du, dass du meine Datenschutzerklärung sowie die Datenschutzerklärung von Google gelesen hast und akzeptierst.