[Rezension] Kristina Hauff - "Unter Wasser Nacht"

Kristina Hauff - Unter Wasser Nacht
Gegenwartsliteratur, Spannungsroman
 

 Verlag: Hanser Verlage
 ISBN-13:  978-3-446-27021-3
 Seiten: 288 Seiten
 Erschienen: 11.4.2022
 Umschlag: ZERO Werbeagentur, München
 Motive: © GettyImages  /  imageBROKER  /  Kevin Pronnecke, © plainpicture  /  Design Pics  /  Nick Dale

   
Zum Inhalt
„In den idyllischen Elbauen im Wendland teilen zwei Paare Hof, Scheune und Kräutergarten - doch ihre einst enge Freundschaft ist zerbrochen. Thies und Sophie trauern um ihren Sohn Aaron, der unter ungeklärten Umständen ertrank. Allein mit ihren Schuldgefühlen müssen sie Tag für Tag Ingas und Bodos scheinbar perfektes Familienglück mit ansehen. Bis ein Jahr nach Aarons Tod eine Fremde in den Ort kommt und ans Licht bringt, was die vier Freunde lieber verschwiegen hätten.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen, dieses hier fehlte noch in meiner „Sammlung“.

In den Elbauen des Wendlands leben Sophie und Thies Tür an Tür mit ihren besten Freunden Inga und Bodo. Doch seit Sophies und Thies’ Sohn Aaron unter ungeklärten Umständen im Fluss ertrank, hat die Freundschaft gebröckelt. Während das eine Paar in tiefer Trauer und Schuldgefühlen erstarrt, scheint das Familienglück der Nachbarn ungetrübt – bis ein Jahr später Mara im Ort auftaucht und das vorherrschende Gefüge durcheinanderbringt.

Ich bin ruck zuck in die Geschichte eingetaucht, da der Text einen subtilen, fast unmerklichen Sog entwickelt. Mich trieb vor allem die Frage um, was in jener Nacht am Wasser tatsächlich geschah und warum der junge Aaron sterben musste. Interessanterweise hat sich der Fokus dann aber im Verlauf der Lektüre verschoben, als Mara die Bühne bzw. das Dorf betritt. Sie bringt eine frische Perspektive in das starre Gefüge der Dorfgemeinschaft und bricht mit ihrem Tun verkrustete Strukturen auf – und so kommen auf einmal auch neuen Seiten bezüglich Aarons Tod zutage.
 
Die Charaktere sind großartig gezeichnet. Sie sind authentisch und so real, dass ich sie mir problemlos in meinem eigenen Bekanntenkreis vorstellen könnte. Es gibt keine Stereotypen – ganz im Gegenteil: Die Autorin arbeitet präzise heraus, wie Trauer, Wut, Freundschaft und Liebe parallel existieren können und wie ein Verlust ganze Lebensentwürfe ins Wanken bringen kann. Auch, wie die Freundschaft an dem Unausgesprochenen zerbrochen ist und Partnerschaften einer Zerreißprobe ausgesetzt werden, konnte ich gut nachvollziehen.

Der Schreibstil ist sehr atmosphärisch und ließ das mir bislang unbekannte Wendland vor meinem inneren Auge lebendig werden. Ich genoss die detaillierten Beschreibungen von Flora und Fauna, die einen starken Kontrast zur emotionalen Schwere der Handlung bilden. Und obwohl mich die eigentliche Kriminalhandlung – also die Auflösung von Aarons Tod – nicht ganz überzeugt hat, war ich durchweg gefesselt. Es sind die tiefgründigen menschlichen Regungen und die dichte Stimmung, die mich an die Seiten gefesselt haben und die Geschichte für mich so lesenswert machten.

Mein Fazit
Ein feinfühliger Roman über die zerstörerische Kraft des Schweigens und die Mühsal der Trauerbewältigung. Kristina Hauff überzeugt weniger durch reißerische Effekte als durch psychologische Tiefe und lebensechte Charaktere. Die atmosphärische Kulisse des Wendlands rundet diese melancholische, aber dennoch fesselnde Geschichte stimmig ab.

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