Gerd-Gustl Müller - Catnip
Gegenwartsliteratur
Verlag: kontrabande-Verlag
ISBN-13: 978-3-911-83128-4
Seiten: 229 Seiten
Ersterscheinung: 14.5.2025
Umschlagbild und Umschlaggestaltung: kontrabande Verlag, Köln unter Verwendung von Teilen von midjourney
Buchrückentext
„Ein Wharram-Katamaran, der kaum noch aschwimmt. Ein Van, der kaum noch fährt. Und drei Menschen, die nirgendwo mehr hinwollen – außer weg.
Momo hat keine Ahnung vom Segeln, aber ein altes Boot. Lia flieht mit Katze, Kamera und Chaos vor Zoli – und Zoli weiß nicht, ob er sie suchen oder vergessen soll. Zwischen den Lagunen von Huelva, im bröckelnden Niemandsland der Selbstverwirklichung, treffen ihr Wege aufeinander. Jeder trägt seine eigene Geschichte mit sich: von Flucht und Gewalt, vom Scheitern und Schweigen, vom Versuch, etwas zu finden, das sich wie einem Anfang anfühlt.“
Meine Meinung
Drei junge Menschen, ein baufälliger Katamaran und der Traum vom Ausbruch: Obwohl ohne jegliche Segelkenntnisse, dafür aber mit viel Mut, plant Momo, sein Leben auf das Wasser zu verlegen. In den Lagunen zwischen Spanien und Portugal trifft er auf Lia, die vor ihrer Vergangenheit flieht und das nötige nautische Know-how mitbringt, sowie auf den undurchsichtigen Zoli, bei dem nicht ganz klar ist, in welcher Beziehung er zu Lia steht. Gemeinsam wagen sie den Aufbruch Richtung Kanaren. Was als modernes Abenteuer im Stil eines „Boat-Life“-Vlogs beginnt, entwickelt sich schnell zu einer harten Prüfung.
Ich muss gestehen, dass ich mit dem Segeln persönlich keinerlei Berührungspunkte habe, dennoch habe ich die Lektüre dieses Buches sehr genossen. Die Mischung aus dem aktuellen Thema des „Vanlife“ – egal ob auf der Straße oder dem Wasser -, der Dynamik dieser drei ungleichen Freunde und dem reinen Abenteuer hat mich fasziniert. Besonders das letzte Viertel des Romans entwickelte eine derartige Spannung, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. Die Erzählweise ist überaus authentisch, was nicht zuletzt an der modernen Sprache und dem eingestreuten „Euro-Englisch“ liegt, das das Lebensgefühl dieser jungen Menschen auf Reisen perfekt einfängt. Es hat mir gut gefallen, dass ich im Laufe der Handlung die Hintergründe aller drei Protagonisten erfahren habe, warum sie aus ihrem „Standard-Leben“ ausgestiegen sind.
Momo ist mir dabei besonders ans Herz gewachsen. Er wirkte auf mich anfangs sehr unsicher und unbedarft, was einen interessanten Kontrast zu dem enormen Mut bildet, den sein Ausstieg ja erfordert. Es ist beeindruckend zu verfolgen, wie er aus eigener Kraft und mit wachsendem Selbstvertrauen den Katamaran wieder fahrtüchtig macht.
Lia hingegen hat mich durch ihre Stärke beeindruckt; sie hat bereits viel durchgemacht und war mit ihren Segelkenntnissen der Anker der Gruppe. Dass sie in kritischen Situationen die Ruhe bewahrt und damit buchstäblich Leben rettet, machte sie für mich zu einer beeindruckenden Figur.
Zoli war mir anfangs wenig sympathisch, was an seinen unverzeihlichen Taten liegt, doch ich empfand seine Entwicklung sehr glaubwürdig dargestellt. Eine solche Wandlung geschieht nicht über Nacht, und gerade diese langsame, realistische Annäherung an seine Einsicht hat mir gefallen.
Der Schreibstil ist angenehm direkt und transportiert gleichermaßen das Gefühl von Freiheit und Gefahr. Ich fühlte mich der Geschichte sehr nah, da der Aufbau konsequent auf das spannende Finale hinarbeitet, ohne dabei die Entwicklung der Charaktere zu vernachlässigen.
Für mich ist dieses Buch eine wunderbare Entdeckung, die zeigt, dass man kein Seebär sein muss, um sich in einer Segel-Geschichte über den Aufbruch und die Suche nach sich selbst zu verlieren. Es ist eine Reise, die sie nicht nur geografisch an ihre Grenzen führt, sondern auch die Frage aufwirft, wie viel Ballast man über Bord werfen muss, um wirklich frei zu sein; und ist somit ein moderner, fesselnder Roman, der die Sehnsucht nach dem Meer mit den harten Realitäten des Lebens verknüpft.
Mein Fazit
Ein packendes und aktuelles Porträt einer Generation, die den Ausstieg wagt. Die Geschichte überzeugt durch eine authentische Sprache und tiefgründige Charaktere, deren Schicksale mich bis zur letzten Seite nicht losgelassen haben. Ein spannendes Abenteuer, das auch ohne Segelkenntnisse absolut lesenswert ist.
WERBUNG: Vielen Dank an den kontrabande-Velag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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