[Rezension] Irene Dische - "Prinzessin Alice"

Irene Dische - Prinzessin Alice
Gegenwartsliteratur, Romanbiographie 
 

 Originaltitel: „Princess Alice“ (2025)
 Übersetzerin: Tanja Handels
 ISBN-13: 406-9-829-14876-4
 Dauer: 278 Minuten
 Erschienen: 19.12.2025
 Sprecherin: Wibke Puls
 
   
Zum Inhalt
„Prinzessin Alice erzählt vom bewegten und überraschenden Leben der hochadligen Alice von Battenberg, der Großmutter des britischen Königs Charles III. Ihre faszinierende Intelligenz – sie, die gehörlos geboren wurde, las in fünf verschiedenen Sprachen von den Lippen ab –, aber auch ihre überbordende erotische Lust in Verbindung mit ihrer nahezu fanatischen Beziehung zu Gott ließen Alice von Battenberg zur Bedrohung für all jene werden, die ein traditionelles Frauenbild in Königskreisen konservieren wollten. Ihre Familie wandte sich ab und brachte sie in einer der frühen Psychiatrien unter, der sie unter größter Gefahr entkam. Fortan lebte sie unter größter Einsamkeit in Griechenland, wo sie eine Suppenküche für die Ärmsten unterhielt. Doch auch dieses dem Höheren gewidmete Streben wurde hinweggespült, als Griechenland Ende der 1960er Jahre einen Militärputsch erlebte.  “ (Quelle: Claassen-Verlag)   

Meine Meinung
Bisher hatte ich noch kein Werk von Irene Dische gelesen oder gehört, war daher neugierig, wie sie es schaffen wird, eine tragische und gleichzeitig schillernde historische Persönlichkeit auf wenigen Seiten zu skizzieren. 

Im Mittelpunkt steht Alice von Battenberg, die Mutter von Prinz Philip, und ich begleite sie durch ein bewegtes Leben: von der Diagnose Schizophrenie und dem Aufenthalt in der Klinik über die Zeit als mittellose Mutter in Paris bis hin zu ihrer Flucht und ihrem ganz eigenen, spirituellen Weg. Es wird das Bild einer Frau gezeichnet, die trotz ihrer Gehörlosigkeit fünf Sprachen von den Lippen ablesen konnte und ihren Zeitgenossen geistig oft weit überlegen war, während sie gleichzeitig von ihrer Familie und ihren Töchtern teils verstoßen oder als peinlich empfunden wurde.

Mein Eindruck von diesem Hörbuch ist leider zwiegespalten. Ich hatte eine klassische Romanbiografie erwartet, wurde aber mit einem sehr speziellen, fast schon abenteuerroman-artigen Stil konfrontiert. Irene Dische schreibt zweifellos modern, witzig und ironisch, doch genau hier lag für mich die Schwierigkeit: Ich empfand diesen Stil als unpassend für den eigentlichen Plot und das schwere Schicksal der Protagonistin. 

Ich gehe davon aus, dass die Autorin gut recherchiert hat, doch durch die sprunghafte Erzählweise blieb für mich völlig im Vagen, was nun historische Wahrheit und was reine Fiktion ist. Dazu kommt, dass das Hörbuch bzw. Buch für eine Biographie sehr kurz ist, was bei mir einige Fragen verstärkt hat – was nämlich ist nur wahr, was erfunden. 

Besonders bedauert habe ich, dass mir Alice als Charakter nicht nahegekommen ist; ich habe sie schlicht nicht „gefühlt“ – und das, obwohl sie doch viel Ecken und Kanten zu bieten und ein bewegtes Leben geführt hat. Anfangs hatte ich noch Mitleid für die junge Frau, die nicht hören konnte. Im Verlauf wurde sie mir immer egaler, und das, obwohl es doch rechtabenteuerlich und spannend zuging – ich denke da an den Aufenthalt in der Psychiatrie, die Begegnungen dort und schließlich die Flucht. Was ich aber sagen kann, dass sie eine starke Frau war, die sich nicht unterkriegen lässt, auch wenn jeder und alles gegen sie erscheint. 

Die Sprecherin Wiebke Puls hat eine hervorragende Arbeit geleistet und passt wunderbar zur Tonalität des Textes, aber auch sie konnte nicht verhindern, dass ich das Hörbuch letztlich nur noch halbherzig verfolgt habe. Es ist schade, denn ich wusste beim Hören genau, dass mich diese außergewöhnliche Frau eigentlich hätte fesseln müssen – doch die gewählte Form hat mich eher auf Distanz gehalten, als mich nah an die Geschichte heranzuführen. Vielleicht6 greife ich aber wegen der spannenden Persönlichkeit mal zu einer anderen Biographie.

Mein Fazit
Eine faszinierende historische Persönlichkeit trifft auf einen sehr eigenwilligen, witzig-ironischen Schreibstil - für mich harmonierte diese Kombination leider nicht, da die emotionale Tiefe zugunsten einer sprunghaften Erzählung zwischen Abenteuer und Tragik verloren ging. Trotz der tollen Sprecherin blieb ich am Ende seltsam unberührt.

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