[Rezension] Miriam Carbe - "Unerwünschte Töchter"

Miriam Carbe - Unerwünschte Töchter
Familiensaga
 

 ISBN-13: 978-3-742-44135-5
 Dauer: 958 Minuten
 Erschienen: 28.5.2026
 Sprecherin: Simone Kabst

   
Zum Inhalt
„Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es nach der Übersiedlung in den Westen, als die hochintelligente, labile Enkelin Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Menschlich, eindringlich und mitreißend macht Miriam Carbe ein ganzes Jahrhundert erlebbar. Ein großer Roman über das, was wir alle von Generation zu Generation weitergeben. Episch und epochal – ein Meisterwerk.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
In diesem generationenübergreifenden Roman beleuchtet Miriam Carbe ein Jahrhundert deutscher Geschichte anhand von vier Frauenleben ihrer eigenen Familie: Urgroßmutter Margarete, Großmutter Marianne, Mutter Monika und sich selbst. Die Geschichte spannt sich vom Dresdner Bildungsbürgertum über die Weltkriege bis zur Übersiedlung in den Westen.

Mich hat dieses Hörbuch vor allem durch seine wirklich schöne Grundidee angesprochen, bei der die eigene Familie der Autorin im Mittelpunkt steht und die man über mehrere Jahrzehnte begleitet. Es ist ein sensibles und respektvoll geschriebenes Werk über wichtige Themen. Auch wenn mich die Ereignisse emotional nicht immer komplett fesseln konnten, habe ich diese Familien-Reise dennoch mit Interesse verfolgt.

Die einzelnen Frauenfiguren sind von der Autorin gut gezeichnet und führen mich als Hörerin gut durch die verschiedenen Epochen. Zwar blieben mir die Charaktere insgesamt ein wenig fremd und nicht in jedem Moment habe ich mit ihnen mitgefiebert, doch die Lebenswege an sich bieten berührende Einblicke in die jeweiligen Leben.

Der Schreibstil der Autorin hat mich wiederum völlig begeistert. Schon der Einstieg rund um den Schrank, von dem man im Verlauf immer wieder hört und der von Frau zu Frau weitergegeben wird, hat mich bezaubert. Miriam Carbe nutzt eine wunderbare, oft poetische Sprache. Diese angenehme Erzählweise kommt ohne jede Überdramatisierung aus und entfaltet dadurch eine ganz eigene, feine Wirkung.

Der Aufbau des Romans ist wie ein großes historisches Panorama. Mich haben besonders jene Abschnitte gepackt, in denen die Wirren der Zeitgeschichte das Leben der Frauen direkt berühren und verändern. Dass bei einem so weiten Bogen über ein ganzes Jahrhundert nicht jeder Lebensabschnitt gleichermaßen intensiv ausfällt und manche Episoden etwas langatmiger wirken, ist eigentlich klar, hat mich aber dennoch auch ein bisschen enttäuscht. Denn immer wieder habe ich mich auch dabei ertappt, dass ich mit meinen Gedanken abgedriftet bin. 

Die Sprecherin Simone Kabst hat  eine klare Stimme, die ich sehr mag, die vielleicht an mancher Stelle etwas zu modern empfunden werden kann. Gleichzeitig fängt sie die Stimmung der einzelnen Passagen passend ein. Manchmal fiel es mir schwer, die einzelnen Personen rein stimmlich sofort voneinander zu unterscheiden, dennoch habe ich Simone Kabst gerne zugehört. 

Mein Fazit
Ein sensibles und respektvoll geschriebenes Zeitzeugnis, das durch einen angenehmen, oft auch poetischen Schreibstil und eine klare Sprecherin besticht. Auch wenn mich das Familienschicksal emotional nicht in jeder Facette ganz tief erreichen konnte, bleibt es ein sprachlich schönes, wichtiges Buch über vier Generationen hinweg.

WERBUNG: Vielen Dank an Vorablesen und den DAV für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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