[Reihenvorstellung] Sven Stricker - "Sörensen ermittelt"

Sven Stricker - Sörensen ermittelt
Krimi
 

 Verlag: Audio-to-go
 Dauer: 694 - 817 -  820 - 851 - 985 - 882 Minuten
 Erschienen: zwischen 9.4.2021 und 20.2.2026
 Sprecher: Sven Stricker

 
Zum Inhalt (Band 1)
„Mit einer Angststörung im Gepäck lässt sich Kriminalhauptkommissar Sörensen von Hamburg nach Katenbüll in Nordfriesland versetzen. Er hofft, dass der kleine Ort ihm ein ruhiges, beschauliches (Arbeits-)Leben bescheren wird. Doch Katenbüll ist grau und trostlos, es regnet ununterbrochen, die Einheimischen haben nicht gerade auf Sörensen gewartet. Und es kommt noch schlimmer. Gleich nach Sörensens Ankunft sitzt Bürgermeister Hinrichs im eigenen Pferdestall, so tot wie die ganze Umgebung. Schon die ersten Blicke hinter die Kleinstadtkulisse zeigen dem Kommissar: Hier kann man es wirklich mit der Angst bekommen...“ (Quelle: Verlagsseite)
  
Meine Meinung (spoilerfrei)
Wenn ich die „Sörensen“-Reihe von Sven Stricker auf den Ohren habe, bin ich sofort an der Nordsee und habe durch Sven Strickers Stimme Kommissar Sörensen vor Augen!

Kommissar Sörensen ist aus dem hektischen Hamburg nach Katenbüll geflohen, um in der nordfriesischen Einöde seine Angststörung in den Griff zu bekommen. Aber die erhoffte Ruhe findet er dort nicht. In einer Welt, in der der Himmel immer grau erscheint und mit Menschen, die das Wort „einsilbig“ neu definieren, versucht Sörensen anzukommen – doch auch in Katenbüll wird gemordet! Und es sind Fälle, die mich oft schlucken lassen, weil sie so tiefe, menschliche Abgründe aufzeigen.

Was mir bei dieser Reihe so sehr gefällt, ist dieser ganz spezielle Ton. Ich liebe Sörensens trockenen Humor und seine Ironie, mit der er gegen die norddeutsche Sturheit seiner Nachbarn ankämpft. Es ist diese Mischung aus messerscharfem Sarkasmus und einer tiefen Verletzlichkeit, die mich beim Hören immer wieder schmunzeln lässt, selbst wenn das Thema gerade düster ist. Wenn die wortkarge Einöde auf Sörensens Art trifft, ist das unterhaltsam und nimmt der Schwere der Kriminalfälle den Druck, ohne sie aber runterzuspielen und ihnen den Ernst zu nehmen.

Sörensen ist für mich kein typischer Ermittler, und genau das mag ich so an ihm. Er ist ein Mensch mit Ecken und Kanten, dessen Angsterkrankung kein billiger Effekt ist, sondern ein Teil seines Alltags. Man ist dabei und ich zumindest fühle mit ihm. Aber auch die anderen Charaktere sind mir ans Herz gewachsen. Ob es die Kollegen auf der Wache sind oder die kauzigen Dorfbewohner – sie alle haben ihre eigene Geschichte. Wenn ein neuer Tiel erscheint, fühlt es sich für mich jedes Mal wie ein Besuch bei alten Bekannten an. Ich mag es, wie sie alle irgendwie zusammengewachsen sind und sich Katenbüll langsam wie ein echtes Zuhause anfühlt.

Mittlerweile gibt es sechs Bände – und somit auch sechs Fälle, in denen Sörensen ermittelt. In „Sörensen hat Angst“ lerne ich ihn bei seinem ersten Fall um einen toten Bürgermeister kennen, während er in „Sörensen fängt Feuer“ mit einer isolierten religiösen Gruppe und einer Leiche im Auto konfrontiert wird. In „Sörensen am Ende der Welt“ geht es um einen alten Mord und ein verschwundenes Mädchen, gefolgt von „Sörensen sieht Land“, wo ein tödlicher Unfall im Nebel die Abgründe der Lokalpolitik offenbart. Mit „Sörensen macht Urlaub“ (der natürlich keiner wird) und dem neuesten Band „Sörensen geht aufs Haus“ vertieft sich das Geflecht aus persönlichen Schicksalen und harten Kriminalfällen immer weiter. Jeder Teil fühlt sich für mich wie ein wichtiges Puzzleteil seiner Entwicklung an.

Der Aufbau der Reihe gefällt mir besonders gut, weil die Entwicklung der Charaktere und Sörensens Weg in sein neues Zuhause genauso viel Raum einnehmen wie die Verbrechen selbst. Die Fälle empfinde ich oft als harten Tobak, doch Sven Stricker verzichtet zum Glück auf Effekthascherei. Die Spannung entsteht eher durch die dichte Atmosphäre. Wenn ich die Hörbücher höre, habe ich das Gefühl, das Watt förmlich riechen zu können. Und dass der Autor selbst liest, ist für mich das i-Tüpfelchen; seine Stimme ist in meinem Kopf untrennbar mit Sörensen verbunden.

Mein Fazit
Eine wirklich starke Krimi-Reihe! Die Kombination aus norddeutscher Sturheit, tiefer Menschlichkeit und Sven Strickers markanter Stimme macht die Hörbücher zu einem Erlebnis. Wer kluge Geschichten sucht, die ohne künstliches Drama auskommen, sollte unbedingt mal nach Katenbüll reisen.

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