[Rezension] Paul Auster - "Baumgartner"

Paul Auster - Baumgartner
Gegenwartsliteratur
 

 Originaltitel: „Baumgartner“ (2023)
 Übersetzer: Werner Schmitz
 ISBN-13: 978-3-949-84032-6
 Dauer: 373 Minuten
 Erschienen: 9.1.2024
 Sprecher: Urs Remond

   
Zum Inhalt
„Professor Seymour T. Baumgartner, unter Freunden Sy, ist ein über siebzigjähriger emeritierter Phänomenologe aus Princeton, der sich dem Schreiben philosophischer Bücher und, zunehmend, seinen Jugendreminiszenzen widmet: seiner kleinbürgerlichen Herkunft aus Newark; der schwierigen Ehe der Eltern, dem Collegebesuch und einem Studienaufenthalt in Paris; schließlich der wie ein Blitz einschlagenden Liebe zur Übersetzerin und Dichterin Anna, mit der er die glücklichsten Jahre verbrachte, bevor sie vor zehn Jahren einem Badeunfall zum Opfer fiel.
Annas Tod hat ein tiefes Loch in seinem Leben hinterlassen, das aller Pragmatismus, alle Selbstironie nicht füllen kann. Denn Anna war wirklich das, was man seine bessere Hälfte nennt. Eines Tages, um sich zu trösten, wagt Sy sich endlich in ihr Arbeitszimmer, das er seit ihrem Tod nicht betreten hat.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Paul Auster war bereits an Krebs erkrankt und wusste, dass er daran auch sterben wird – in dieser Zeit hat er seinen letzten Roman geschrieben. 

Im Mittelpunkt steht der 71-jährige Seymour T. Baumgartner, ein emeritierter Professor in Princeton. Zehn Jahre nach dem tragischen Badeunfall seiner Frau Anna ist Sy noch immer gefangen in seiner Trauer. Lange hat er das Arbeitszimmer seiner verstorbenen Frau gemieden, jetzt wagt er diesen Schritt und verliert sich in hinterlassenen Texten - zurück zu  Erinnerungen, die von seiner Herkunft in Newark bis hin zur schicksalhaften Liebe zu Anna reichen.

Ich finde den Gedanken reizvoll, einem alten Mann dabei zuzusehen, wie er aus der Rückschau Schlüsse für sein restliches Leben zieht. Leider finde ich aber die Umsetzung nicht sehr gelungen. Mich hat das Buch emotional nicht  gepackt, da es eher wie eine lose Sammlung von mal interessanten, mal langweiligen Episoden wirkt. Es ist ein zögerlicher Mix aus Anekdoten, Erinnerungen und den für mich eher uninteressanten Texten der verstorbenen Ehefrau. Auch die manchmal surrealen Einsprengsel und die autobiografischen Exkurse – wie die Reise in den hintersten Zipfel Galiziens – fühlten sich für mich eher wie ein Sammelsurium an statt wie ein zusammenhängender Plot.

Der Schreibstil ist ungewöhnlich einfach - von Paul Auster bin ich anderes gewohnt und hatte mir auch hier mehr erhofft, doch mit dieser Sprache konnte er für mich keine Atmosphäre einfangen. Dazu kommt, dass Erzählfäden zwar spannend beginnen, dann aber achtlos zur Seite gelegt wurden. Schließlich bricht die Geschichte abrupt ab, ohne ein für mich befriedigendes Ende. 

Die Leistung aber des Sprechers Urs Remond hat mich überzeugt. Er liest das Hörbuch voller Begeisterung und intoniert sehr gut. Dennoch konnte mich die Geschichte rund um Baumgartners Pendeln zwischen den Zeiten, seine zum Scheitern verurteilte neue Beziehung und die späte Zuneigung zu einer Studentin nicht erreichen.

Mein Fazit
„Baumgartner“ bietet zwar manche berührende Episode, bleibt aber in der Gesamtheit für mich eher langweilig. Mir fehlte die emotionale Tiefe und ein klarer roter Faden, der die vielen Puzzleteile verbindet. Bestimmt kann man noch mehr autobiografische Bezüge erkennen und darin auch eine Freude am Buch entwickeln, mich ließ das Schicksal des alten Mannes am Ende aber seltsam unberührt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Teile mir deine Gedanken und Kommentare zu meinem Beitrag mit - ich freue mich sehr auf unseren Austausch!

DATENSCHUTZ: Mit dem Absenden deines Kommentars und dem Einverständnis der Kommentar-Folgefunktion bestätigst du, dass du meine Datenschutzerklärung sowie die Datenschutzerklärung von Google gelesen hast und akzeptierst.