Alexander Schwarz - Die Königin der Blumenmaler
Historischer Roman
Verlag: Droemer-Knaur-Verlag
ISBN-13: 978-3-426-56309-0
Seiten: 395 Seiten
Ersterscheinung: 1.6.2026
Umschlaggestaltung: buxdesign | Lisa Höfner
Umschlagabbildung: Composing unter Verwendung von Motiven von Bridgeman Images, Trevillion Images, Adobe Stock und einem Gemälde von Gerrit Berckheyde (Rijksmuseum Amsterdam)
Buchrückentext
„Amsterdam, 1679. Jedes Mal, wenn Rachel das bunte Treiben am Dam einsaugt – den Geruch nach Salz, die Rufe der Seeleute, die fremden Sprachen –, ist es, als würde sich ihr das Tor zu einer anderen Welt öffnen. Nur eins macht ihr noch mehr Freude: der Unterricht beim renommierten Blumenmaler Willem van Aelst, der der außergewöhnlich begabten jungen Frau jedoch schon bald nichts mehr beibringen kann. Als Rachel sich in den Porträtmaler Juriaen Pool verliebt, nimmt ihr Leben eine neue Wendung. Doch nicht nur legt sie auch in ihrer Rolle als zehnfache Mutter nie den Pinsel aus der Hand, sie wird sogar vom Kurfürsten Johann Wilhelm in Düsseldorf zur Hofmalerin ernannt. Und sie begegnet der Magd Emma, deren Suche nach ihrer Herkunft bald auch Rachel in einen Sog dunkler Machtkämpfe zieht.“
Meine Meinung
Voller Vorfreude und Neugier habe ich zu diesem biografischen Roman gegriffen, um mehr über das faszinierende Leben der historischen Persönlichkeit Rachel Ruysch zu erfahren. Der Einstieg in die Geschichte gelingt auch mühelos: Ich begleite Rachel von Kindesbeinen an, erlebe ihre Ausbildung zur Blumenmalerin, teile ihr Liebesglück, die Hochzeit und schließlich die Herausforderungen als Mutter, trotz derer sie ihre Kunst aber niemals aufgibt. Während in der ersten Hälfte des Buches ganz klar Rachels Werdegang im Fokus steht, verschiebt sich der Schwerpunkt im zweiten Teil hin zu ihrer Magd Emma. Emma stammt aus einem Waisenhaus und will unbedingt wissen, wer ihre Eltern sind – doch Hinweise gibt es wenige und die Suche ist schwierig.
Obwohl mich das Thema brennend interessiert hat, wurden meine Erwartungen leider nicht erfüllt. Für mich war das Buch insgesamt wenig spannend. Einzig die Beschreibungen der Gemälde, die Rachel im Laufe ihres Lebens erschafft, haben mich berührt. Sie waren so bildhaft, dass ich im Internet nach den realen Kunstwerken recherchiert habe, um mir die Meisterwerke selbst anzusehen. Abseits dieser Kunstmomente plätschert die Erzählung jedoch sehr ruhig und langsam vor sich hin. Selbst im zweiten Teil, als Emmas Familiengeschichte gelüftet wird und Geheimnisse ans Licht kommen, nimmt die Geschichte kaum Fahrt auf, und auch Rachels Zeit als Hofmalerin in Düsseldorf hat mich nicht richtig packen können.
Rachel ist zweifellos eine historische Ausnahmeerscheinung – allein die Tatsache, dass sie sich als Frau den Zugang zur Malergilde erkämpft, finde ich beeindruckend, die Bilder, die sie gemalt hat und die ich mir angeschaut habe, bestechen durch ihren Aufbau und die Liebe zum Detail. Als Romanfigur bleibt sie mir jedoch viel zu blass, unvollständig und schlicht zu perfekt. Ihr fehlen die Ecken und Kanten, weshalb ich sie als Persönlichkeit nicht richtig greifen konnte und sie auf mich unglaubwürdig wirkte. Ganz anders erging es mir mit Emma: Sie ist für mich die deutlich facettenreichere und spannendere Figur. Durch ihren liebevollen Umgang mit den Kindern und ihren unbändigen Willen, trotz aller Hürden ihre leiblichen Eltern zu finden, hat sie sich viel mehr in mein Herz geschlichen.
Der Schreibstil war leider ein weiteres Manko für mich: er ist leicht und locker, dadurch flott zu lesen, allerdings wirkt er viel zu modern und ist der historischen Epoche überhaupt nicht angepasst. Bei mir kam zu keiner Zeit ein echtes Gefühl für das Amsterdam des 17. und 18. Jahrhunderts auf. Zwar entstanden vor meinem inneren Auge Bilder der Gemälde, aber eine dichte, historische Atmosphäre blieb leider aus. Das hat mein Leseerlebnis zusätzlich getrübt und mich zugegebenermaßen auch enttäuscht. Ein Gefühl, nah dran zu sein, hat sich so einfach nicht ergeben.
Mein Fazit
Ein historischer Roman, der mich trotz der im Mittelpunkt stehenden Pionierin der Kunstwelt, Rachel Ruysch, leider nicht überzeugen konnte. Durch einen zu modernen Schreibstil fehlt es mir an historischer Atmosphäre, und die Handlung bleibt arm an Höhepunkten. Wer eine leise, langsame Erzählung schätzt und sich für barocke Gemälde begeistert, findet hier nette Lesestunden – ein mitreißendes Epochenporträt ist es in meinen Augen aber leider nicht.
WERBUNG: Vielen Dank an den Knaur-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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