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[Rezension] Titus Müller – "Die fremde Spionin"

Titus Müller – Die fremde Spionin (Spionin-Reihe #1)
Gegenwartsliteratur 

Verlag: Heyne-Verlag
Umschlaggestaltung: © FAVORITBUERO, München
Umschlagabbildung: © Bridgeman Images, © Shutterstock, © akg-images /Sammlung Berliner Verlag /Archiv, © Vintage Germany
ISBN-13: 978-3-453-44125-5
Seiten: 399 Seiten
Erschienen: 14. Juni 2021

Buchrückentext
„Ostberlin, 1961. Ria war 10 Jahre alt, als ihre Eltern von der Staatssicherheit abgeholt wurden. Getrennt von ihrer kleinen Schwester, wuchs sie in einer Adoptivfamilie auf. Seither führt Ria ein scheinbar angepasstes Leben in Ostberlin. Als sie eine Stelle im Ministerium für Außenhandel antritt, versucht der BND, sie als Informantin zu rekrutieren. Ria sieht ihre Chance gekommen: Mithilfe des westlichen Geheimdienstes will sie sich an der DDR rächen und endlich ihre Schwester wiederfinden. Doch dann erfährt sie von einem ungeheuerlichen Plan, der das Schicksal ihrer Familie und die Zukunft beider deutscher Staaten für immer verändern könnte…“

Meine Meinung
Ich habe das Buch über die Buchflüsterer erhalte, und der Autor Titus Müller ist mir natürlich nicht unbekannt. Ich war unsicher, ob mich diese Geschichte fesseln kann, da ich nicht so gerne über die Teilung Deutschlands lese und auch Agenten-Themen nicht so meins sind, aber ich wurde eines Besseren belehrt und gut unterhalten!

Ria leidet sehr unter der Trennung von ihrer Familie – ihr Vater wurde von der Stasi verhaftet, sie und ihre Schwester getrennt in staatstreue Adoptivfamilien gebracht. Kontakt war ihnen verboten, aber Ria konnte ihre Schwester Jolanthe nie vergessen. Als sie das Angebot erhält, als Spionin für den BND zu arbeiten, sieht sie die Chance, ihre Schwester wiederzufinden. Doch sie gerät zwischen die Fronten…

Titus Müller hat einen interessanten und auch spannenden Roman geschrieben. Fernab der Geschichte rund um die Spionage gab es auch viele interessante Einblicke in Rias Leben in der ehemaligen DDR – und das war nicht nur interessant, sondern auch bedrückend. Wie sehr der Staat das Leben jedes einzelnen kontrolliert hat, ist kaum auszuhalten, und es ist auch kaum zu fassen, wie sehr er um jeden einzelnen Bürger kämpfen musste, dass er nicht davonrennt. Interessant war aber auch, wie der Geheimdienst – egal auf welcher Seite – arbeitet, auch wenn mich manches zum Schmunzeln gebracht hat, weil die Technik damals einfach noch nicht so weit war und die damals eingesetzten Mittel heute sehr altertümlich erscheinen. Klar wird aber, dass es ein Kampf um Leben und Tod ist, und die ganz Großen um wichtige Informationen ringen. 

Ria als Figur mochte ich sehr – sie ist keine angepasste DDR-Bürgerin und leidet sehr unter der Trennung von ihrer Familie. Sie ist aufmüpfig und lässt sich nicht alles gefallen, und im Laufe des Buches merkt man auch, wie schlau und gegenwärtig sie ist – da habe ich wirklich gestaunt. Zwar fängt die Geschichte spannend an, well es direkt schon zu einem Attentat kommt, im Mittelteil ist es dann aber weniger blutig, sondern man bekommt Einblicke in die Arbeit Rias – sowohl als Sekretärin im Ministerium für Außenhandel als auch in ihre Arbeit als Agentin. Dabei lernt sie viele interessante Figuren kennen, und ich musste schon aufpassen, jeden zuzuordnen, wer zu welcher Seite gehört und wer was beabsichtigt. Das letzte Drittel ist dann richtig spannend, denn Ria deckt einen ungeheuren Plan auf, gerät selber in Lebensgefahr, und trifft am Ende eine Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändert. Das war wirklich spannend und ich konnte das Buch da kaum aus der Hand legen.

Der Schreibstil ist angenehm, flüssig zu lesen, kann die Stimmung und Atmosphäre sehr gut einfangen und passt einfach zu den 1960er Jahren. Dies ist der erste Band einer Trilogie, wobei er in sich abgeschlossen ist – auf die Folgebände muss man leider noch ein wenig warten, sie erscheinen erst in den kommenden zwei Jahren und spielen in den Jahren 1973 und 1989. 

Obwohl ich zunächst skeptisch war, hat mir das Buch dann doch gut gefallen – ich wurde gut unterhalten, fand es gerade im letzten Drittel sehr spannend und gelernt habe ich zudem auch noch einiges. Ich gebe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Interessante Einblicke liefert dieser Auftaktband einer Trilogie in das Leben in der ehemaligen DDR im Jahr 1961, aber auch in die Unzufriedenheit der Bürger und die politischen Machenschaften. Die sympathische Protagonistin habe ich gerne begleitet und im letzten Drittel wird es richtig spannend – ich mochte diesen ersten Teil, der in sich abgeschlossen ist, und gebe 4 von 5 Sternen.

Spionin-Reihe
1. Die fremde Spionin
2. Das zweite Geheimnis
3. Der letzte Auftrag

WERBUNG: Vielen Dank an die Buchflüsterer und an den Heyne-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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