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[Rezension] Markus Orths – "Das Zimmermädchen"

Markus Orths – Das Zimmermädchen
Gegenwartsliteratur

Umschlaggestaltung: Semper Smile München
Umschlagabbildung: © Ryan McVay /Stone /Getty Images
ISBN-13: 978-3-442-74018-5
Seiten: 145 Seiten
Erschienen: 1. März 2010

Zum Inhalt
„Lynn putzt im Hotel Eden, und sie putzt gründlich. Immer länger bleibt sie in den Zimmern, gebannt von allem, was sie dort findet: Zettel, Bücher, Kulturbeutel. Zunächst ist Lynn vorsichtig, dann wird sie immer dreister. An einem Dienstag hört sie Schritte auf dem Flur und weiß sofort, sie werden haltmachen vor dem Zimmer, in dem sie längst nicht mehr stehen darf. Ihr bleibt nur ein Zufluchtsort: Lynn kriecht unters Bett und verbringt dort die Nacht. Mit dem Gast über ihr. Von nun an liegt sie jeden Dienstag unter den Betten der Gäste. Den Menschen nah und zugleich fern, wie unsichtbar.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Markus Orths ist ein Autor, von dem ich schon länger mal ein Buch lesen wollte, um ihn kennenzulernen. Da passte dieser Vorschlag meines Buchclubs natürlich. Jetzt nach Ende der Lektüre muss ich aber sagen, dass ich nicht sicher bin, noch ein weiteres Buch des Autors zu probieren.

Lynn Zapatek steht im Mittelpunkt der Geschichte. Sie hat einen stationären Aufenthalt in einer Psychiatrie hinter sich und ist nun noch in ambulanter Betreuung. Natürlich muss sie Geld verdienen, da kommt ihr ein Job als Zimmermädchen gerade recht. Daraus jedoch entwickelt sich eine Obsession – nicht nur, was das Putzen angeht, sondern auch, sich unter die Betten zu legen und anderen Menschen zu lauschen, was sie in dem Hotelzimmer machen. 

Ich habe mich schwer getan mit dieser Novelle. Am Anfang war es der Stil, den Markus Orths anwendet: es sind kurze Sätze, manchmal nicht mal komplette, die zwar prägnant und auf den Punkt bringen, was gesagt werden soll, die aber auch eine gewisse Atemlosigkeit ausstrahlen und mir die ganze Zeit das Gefühl gegeben haben, gehetzt zu werden. Sicher ist das Stilmittel bewusst so eingesetzt und in der zweiten Hälfte wird der Stil auch etwas flüssiger und eingängiger, trotzdem aber hat es mir den Einstieg sehr schwer gemacht.

Es wird zwar gesagt, welches psychische Problem Lynn hatte und hat, so richtig erklärt das aber nicht ihr eigenwilliges Verhalten. Sie wirkt im Verlauf nicht nur wie eine Suchende, sondern vor allem wie eine Getriebene. Sie sucht sich selbst und treibt sich selber auch an, meint, eine Lösung zu finden, indem sie anderen Menschen in ihrem Leben lauscht – versteckt unter einem Bett. Für mich ist es kein purer Voyeurismus, der sie antreibt, auch wenn ich das zunächst so gedacht habe, sondern tatsächlich der verzweifelte Versuch, sich im eigenen Leben wieder zurechtzufinden, aber nicht so recht zu wissen, wie es funktionieren soll.

Ich konnte mich in Lynn nicht gut hineinversetzen, weder habe ich diese Putz-Obsession, die sie hier auslebt (und jetzt nach Lektüre des Buches weiß ich ganz genau, was man alles putzen kann), noch dieses Bedürfnis, in das Leben anderer zu schauen, um mein eigenes irgendwie mit Leben zu füllen. Ab der Mitte der Geschichte hatte das Ganze dann aber doch einen gewissen Sog, weil mich schon interessiert hat, wie es mit Lynn weitergeht. Das Ende lässt dann viel Spielraum für eigene Interpretationen und bietet keinen guten Abschluss – offene Enden sollte man also mögen, wenn man dieses Buch in die Hand nimmt.

Mein Fazit
Eine interessante Idee, die Umsetzung für mich schwierig, auch wenn das Buch im Laufe des Erzählens doch einen gewissen Sog ausgelöst hat. Es gibt viele Innenansichten einer Obsession, so richtig einfühlen konnte ich mich aber nicht in die Protagonistin. Ich gebe 3 von 5 Sternen.

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