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[Rezension] Ciara Geraghty - "Das Leben ist zu kurz für irgendwann"

Ciara Geraghty - Das Leben ist zu kurz für irgendwann
Gegenwartsliteratur

Umschlaggestaltung und -abbildung: www.buerosued.de
ISBN-13: 978-3-442-31555-0
Seiten: 380 Seiten
Erschienen: 22.3.2021
Originaltitel: „The Rules oft the Road“
Übersetzer: Sibylle Schmidt

Zum Inhalt
„Terry und Iris sind beste Freundinnen und würden durchs Feuer füreinander gehen. Aber Iris ist krank. So krank, dass sie sich heimlich entschließt, ihr Leben in der Schweiz zu beenden, solange sie es noch kann. Als Terry feststellt, dass Iris auf dem Weg dorthin ist, zögert sie keine Sekunde. Mit ihrem betagten Dad im Auto holt sie Iris gerade noch am Hafen von Dublin ein. Die drei begeben sich auf eine abenteuerliche Reise durch England und Frankreich, und was die schlimmsten Tage in Terrys Leben hätten werden können, werden ihre besten. Denn durch Iris entdeckt sie ungeahnte Seiten an sich – und dass es ein Geschenk ist, unser Leben zu leben, jeden Tag und bis zum letzten Tag.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Da ich selber in einem Bereich arbeite, in dem Menschen unheilbar erkranken, hat mich das Thema natürlich sehr interessiert. Die Umsetzung hat meine Erwartungen nicht ganz erfüllt, dennoch war die Geschichte unterhaltsam und angenehm zu lesen.

Iris und Terry sind beste Freundinnen. Da ist natürlich klar, dass Terry ihre Freundin begleitet, die sich in die Schweiz aufmacht, um sich dort zu suizidieren – denn sie hat MS in einer rasch fortschreitenden Form. Doch Terry wird von der Reise überrascht und tritt sie nicht nur ungeplant an, sondern hat auch noch ihren dementen Vater mit im Gepäck.

Das Thema ist ein ernstes, um das es hier geht, trotzdem ist die Geschichte sehr leicht geschrieben, und es gibt einige Momente, die mich haben schmunzeln lassen. Es ist aber auch gar nicht so sehr Iris, die im Mittelpunkt steht, sondern eher Terry, die auf dieser Reise über sich hinauswächst und ganz gegen ihre sonst herrschenden Prinzipien verstößt. Das Thema assistierter Suizid ist wirklich nur ein Randthema, auch wenn es den Grund für die Reise liefert und auch das Ende vorgibt. Aber man braucht wirklich keine Angst zu haben, dass das Buch zu emotional ist – selbst das Ende hat mich zwar berührt, aber auch sehr versöhnlich gestimmt.

Iris ist eine tolle Frau – sie hat sich von ihrer Krankheit lange nicht unterkriegen lassen und mit ihr gelebt, ohne viel Tamtam um sie zu machen. Ihre Entscheidung zum Suizid gerade jetzt, wo sie noch ganz gut zurechtkommt, kann ich gut verstehen, auch, dass sie nicht noch warten möchte und sie Angst hat, irgendwann eben nicht mehr selber handeln zu können. Sie hat ihr Ziel fest im Blick – und auch wenn Terry immer wieder versucht, sie davon abzubringen, bleibt sie sich treu. Das hat mir sehr gut gefallen. Mit Terry dagegen bin ich nicht immer so gut klar gekommen. Toll ist ihre Entwicklung, die sie durchmacht – vom stringenten Muttertyp, die ihre Familie mit Listen und Plänen organisiert, mausert sie sich zum spontanen Weltenbummler. Und es gibt einige Hürden, die sie da meistern muss und es auch tut, sie wächst geradezu über sich hinaus. An manchen Stellen habe ich ihr das aber nicht abgenommen und gerade das Ende, wo es eine Aussicht gibt auf ihr „neues“ Leben, ist mir dann doch ein wenig zu viel und zu konstruiert. Zu ihrem Vater kann ich gar nicht viel sagen – er tut mir eigentlich nur leid. Denn so sehr manche seiner Aussagen im Rahmen seiner Demenz zum Schmunzeln einladen, so schlimm fand ich auch, dass er an dieser Reise teilnehmen muss, denn gut ist sie für seine Orientierung beileibe nicht. Und auch wenn Terry das weiß, dass Demenzkranke eine bekannte Umgebung brauchen, sucht sie da nach keiner besseren Lösung. Aber – sie kümmert sich rührend um ihren Vater, das will ich ihr nicht absprechen.

Das illustre Trüppchen erlebt eine ganze Menge – das macht die Reise, nicht nur des Zieles wegen, zu etwas ganz besonderem. Es gibt im Leben immer wieder Neues zu entdecken – man muss sich nur drauf einlassen und auch mal etwas wagen – eine Erkenntnis, die Terry zwar spät, aber dann zum Glück doch noch hat.

Der Schreibstil ist leicht und locker, so dass die Seiten rasch dahinfliegen. Es ist eine unterhaltsame Geschichte, bei der es weniger um Gedanken rund um das Thema Suizid geht, sondern vielmehr um die Entwicklung einer Frau, die in ihren alltäglichen Mühlen eingesperrt war und die sich daraus befreit. 

Eine unterhaltsame Geschichte, nur viel Tiefgang sollte man nicht erwarten – ich gebe 4 von 5 Sternen. 

Mein Fazit
Eine unterhaltsame Geschichte über zwei unterschiedliche Freundinnen – die eine möchte ihr Leben wegen einer schweren MS vorzeitig beenden, die andere begleitet sie dabei in die Schweiz. Man muss keine Angst haben, denn das Thema Suizid ist wirklich nur der Rahmen, vielmehr steht die Reise mit sehr vielen zum Teil auch lustigen Erlebnissen im Vordergrund. Auch der Schreibstil ist eher leicht und locker, so dass sich die Geschichte flott lesen lässt. Mir hat der Tiefgang gefehlt, aber trotzdem ist die Geschichte sehr unterhaltsam – ich gebe 4 von 5 Sternen.  


WERBUNG: Vielen Dank an den Goldmann-Verlag und an "Literaturtest" für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

2 Kommentare:

  1. Vermerkt habe ich mir das Buch schon längst, liebe Sabine, und deine Rezi sorgt dafür, dass es recht bald einziehen darf. Danke dafür und sonnige Grüße, Hibi

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