[Rezension] Klaus Cäsar Zehrer - "Das Genie"

Klaus Cäsar Zehrer - Das Genie
Romanbiographie

Covermotiv: Gemälde von Pierre-Auguste Renoir „Le garçon au chat“, 1868, © Bridgeman Images, Berlin
ISBN-13: 978-3-257-06998-3
Seiten: 651 Seiten
Erschienen: 23. August 2017

Buchrückentext
„Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wird von der amerikanischen Presse als „Wunderjunge von Harvard“ gefeiert. Sein Vater Boris, ein bekannter Psychologe mit dem brennenden Ehrgeiz, die Welt durch Bildung zu verbessern, triumphiert. Er hat seinen Sohn von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Dank der „Sidis-Methode“ könne jedes Kind zum Genie erzogen werden, behauptet er. Doch als William erwachsen wird, weigert er sich, die Erwartungen zu erfüllen, die seine Eltern und die Gesellschaft in ihn gesetzten haben. Stattdessen versucht er, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten – mit aller Konsequenz.“ 

Meine Meinung
Romanbiographien finde ich immer interessant, da man auf unterhaltsame Weise Einblicke in das Leben historischer Persönlichkeiten erhält – von Boris und William Sidis hatte ich noch gar nichts gehört – dabei ist das Thema, durch eine besondere Erziehungsmethode aus jedem Menschen ein Genie zu machen, sehr interessant.

Das Buch beginnt Ende des 19. Jahrhunderts, als Boris Sidis nach Amerika auswandert – er ist eine sehr eigene Persönlichkeit, sicher hochintelligent, aber auch mit autistischen Zügen. Seine radikale und sehr stringente Art stößt nicht immer auf Begeisterung, aber er hat ein Ziel vor Augen, von dem er nicht abweicht. Als sein Sohn William auf die Welt kommt, will er beweisen, dass mit seiner „Sidis-Erziehungsmethode“ aus jedem Kind ein Genie machen kann. Und tatsächlich kann William schon als Kleinkind lesen, schreiben und diverse Fremdsprachen. William ist zwar hochintelligent, dennoch aber kommt er mit seinen Mitmenschen nicht gut zurecht – sein Leben läuft in krummen Bahnen, er versucht sich in vielen Sachen, lebt aber letztlich in einer eigenen Welt, für die er sogar eigens ein Regelwerk geschaffen hat, an das er sich sklavisch hält – die Realität wird ihm immer fremder und unverständlicher, er selber immer eigener und verschrobener. So intelligent William auch ist, kann er seine autistischen Züge und seine fehlende emotionale Intelligenz nicht verbergen.

Ich habe das Buch wirklich sehr gerne gelesen – und das, obwohl die Charaktere nicht sonderlich sympathisch sind und ich deren Handlungen so gar nicht nachvollziehen konnte. Dafür waren aber die Einblicke in Boris‘ als auch Williams Gedanken- und Gefühlswelt sehr interessant – und bieten sehr viel Möglichkeit zur Diskussion. Ich habe mich immer gefragt, was mit William geworden wäre, hätte er nicht die spezielle „Sidis-Erziehungsmethode“ erfahren. Seine Schwester Helena ist ganz normal aufgewachsen (das Argument, die Methode wäre zu zeitintensiv, sie auch an der Tochter anzuwenden, ist natürlich schrecklich…) und aus ihr ist nahezu ein normaler Mensch geworden, einer, der zu andern Beziehungen aufbauen kann und in einem sozialen Gefüge lebt – wie viel Einfluss hatte die frühe Beschallung von Wissen auf die weitere Entwicklung Williams, insbesondere auch auf seine emotionale und hätte sein Leben ein ganz anderes sein können, wäre er nicht so besonders gefördert worden.

Es gibt einiges an Informationen über die Familie Sidis, letztlich aber weiß man natürlich nicht, wie sie tatsächlich war. Klaus Cäsar Zehrer hat in diesem Roman aber eine Variante geschaffen, die ich sehr glaubhaft fand. 

Der Schreibstil ist eher schnörkellos, direkt und entspricht damit auch dem Naturell von Boris und William. Es mag nicht jedem gefallen, dass es auch einige wissenschaftliche Beschreibungen gibt, ich fand sie aber nie überhand, sondern es hat nochmal mehr aufgezeigt, in welcher Welt die beiden gedanklich leben.

Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen – ich fühlte mich gut unterhalten, habe aber auch viele Denkanstöße bekommen. Daher gibt es von mir 5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine spannende und interessante Romanbiographie über Boris und William Sidis, die tiefe Einblicke in deren Gedankenwelt liefert. Ich fand das Buch großartig und gebe natürlich 5 von 5 Sternen.


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