[Höreindruck] Ulrich Alexander Boschwitz – "Der Reisende"

Ulrich Alexander Boschwitz – Der Reisende 
Roman 

Verlag: DAV
ISBN 13: 978-3-742-40403-9
Dauer: ungekürzt, 446 Minuten
Erschienen: 9. März 2018
Sprecher: Torben Kessler

Zum Inhalt
„Berlin, November 1938: Otto Silbermann ist ein angesehener und erfolgreicher Kaufmann. Und er ist Jude. Als die Nationalsozialisten sein Haus aufsuchen, um ihn zu verhaften, muss er fliehen. So steht Silbermann hilflos auf den Straßen einer Heimat, in der er plötzlich nicht mehr willkommen ist – alte Bekannte wenden sich von ihm ab, Angestellte grüßen ihn nicht mehr und sein Freund und Geschäftspartner Gustav Beck zieht sich aus dem gemeinsamen Unternehmen zurück. Die belebte Stadt wird für Otto Silbermann zum Minenfeld voller Gefahr und Misstrauen, seine Identität macht ihn zum Verfolgten. Mit einer Aktentasche voller Geld flieht der Kaufmann aus Berlin und findet sich auf einer verzweifelten Irrfahrt wieder, die ihn kreuz und quer durchs Land führt.“

Meine Meinung
Ich habe das Buch hier schon eine Weile stehen, aber irgendwie bin ich nicht richtig reingekommen in die Geschichte – das Hörbuch hat es mir da viel einfacher gemacht. Das Buch ist erst jetzt erstmalig in Deutschland erschienen, dabei hat der Autor es schon im Jahr 1938 fertiggestellt, und in verschiedensten Ländern ist es auch damals schon verlegt worden – ich bin froh, dass dies noch geschehen ist, da die Geschichte so authentisch ist und das Schicksal vieler Juden auf eine berührende und bedrückende Weise geschildert wird.

Die Art und Weise, mit der Boschwitz die Flucht von Otto Silbermann beschreibt, hat mir sehr gut gefallen – anfangs wirkt der Protagonist noch wenig beeindruckt von den Verhaftungen, ist sich seiner Freunde sicher und verlässt hoffnungsvoll seine Wohnung, gar nicht zweifelnd, dass er dem Pogrom entgehen kann. Doch nach und nach merkt auch Silbermann, dass sich die Schlinge zuzieht und aus Hoffnung und Optimismus werden beängstigende Realität und – so merkwürdig es klingt – auch Absurdität. Denn die Flucht quer durch Deutschland ist tatsächlich sehr absurd und das Ende anders als erwartet – aber dennoch sehr schmerzhaft.

Bei mir hat die Geschichte noch einige Zeit nachgehallt, und beim Hören selber war mir natürlich die Not und Ernsthaftigkeit bewusst, obwohl die Stimmung im Buch nicht durchweg hoffnungslos war, sondern eher zuversichtlich und manchmal sogar beschwingt. Nach Beenden hat mich Otto Silbermann aber nicht losgelassen und ich habe noch viel über ihn nachgedacht, insbesondere auch darüber, ob es wirklich nicht offensichtlich war, worauf die Situation in Deutschland zulief, ob die Menschen die Augen wirklich verschlossen haben und es nicht wahrhaben wollten oder aber ob sie es tatsächlich nicht wussten – ich bin da sehr unentschlossen und wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Ich bin auf jeden Fall froh, dieses Buch gefunden zu haben und fand die Lesung mit Torben Kessler sehr anregend und gut. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen. 


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