[Rezension] Yoko Ogawa - "Hotel Iris"

Yoko Ogawa - Hotel Iris
Gegenwartsliteratur

Verlag: atb
Umschlaggestaltung: © Mediabureau Di Stefano, Berlinunter Verwendung von Motiven von ©Arcangel /David & Myrtille und ©Trevillion Images /Jean Fan
ISBN 13: 978-3-746-63221-6
Seiten: 223 Seiten
Erschienen: 18. Juli 2016
Originaltitel: „Hoteru Airisisu“
Übersetzer: Ursula Gräfe und Kimiko Nakayama-Ziegler

Buchrückentext
„Die junge Mari macht eines Tages die Bekanntschaft eines deutlich älteren, faszinierenden Mannes. Sie folgt ihm auf eine einsame Insel, wo er an der Übersetzung eines Romans arbeitet, dessen Heldin ein grausames Ende findet – genau wie seine eigene Frau Jahre zuvor. Mari verstrickt sich immer tiefer in eine dunkle Beziehung mit ihm, voller Schmerz, aber auch voller Lust. Doch dann droht die Situation zu eskalieren.“

Meine Meinung
Ich bin sehr unschlüssig, wie ich dieses Buch bewerten soll- Nachdem mir „Liebe am Papierrand“ ja sehr gut gefallen hatte, war ich neugierig auf weitere Bücher der Autorin. Und auch dieses Buch ist sprachlich wieder wunderbar – der Inhalt aber hat mich eher verstört. 

Vielleicht waren es bei mir die falschen Erwartungen, denn der Klappentext hat mich nicht daran denken lassen, dass die Geschichte in einen erotischen Roman münden wird. Mit dem ungleichen Liebespaar hatte ich dabei kein Problem, die detailliert beschriebenen SM-Szenen mochte ich dagegen nicht. Wer das mag, ist hier bestimmt gut bedient, ich habe die Lektüre dieser Abschnitte dagegen gar nicht gemocht.

Mari lebt ein sehr einsames Leben – unter der Fuchtel ihrer Mutter darf sie zwar im eigenen Hotel aushelfen, Freizeit oder Freunde werden ihr dagegen nicht vergönnt. Als sie dann zufällig einen deutlich älteren Übersetzer kennenlernt, ist sie ihm bald völlig verfallen. 

Ich mochte Mari sehr gerne, sicher auch, weil sie mir sehr leid getan hat, so wie sie von der Mutter hin und her geschupst wird, aber auch, weil sie mit ihrer kindlichen Naivität sehr liebenswert war. Der Übersetzer ist dagegen ein komischer Kauz – und irgendwie wirkte er mit seinen ganz unterschiedlichen Gesichtern auch gruselig. Mit Mari hat er ein williges Opfer gefunden, und auch wenn seine Geschichte tragisch ist, kann ich seine sexuellen Vorlieben nicht verstehen. Aber jedem das seine. Auch dass Mari sich ihm so hingibt und Gefallen an den Praktiken findet, ist mir unverständlich; aber auch hier kann ich nur sagen – jedem, wie es ihm gefällt. 

Dafür habe ich die Sprache wieder geliebt – sie ist so dicht und voller Atmosphäre, dass ich davon gar nicht genug kriegen konnte. Dabei gibt es keine ausufernden Beschreibungen, vielmehr kommt die Autorin mit wenigen Sätzen aus, eine Situation zu erfassen, ihr Raum zu geben und eine Stimmung einzufangen.

Wie bewerte ich nun dieses Buch? Da ich den Schreibstil wirklich sehr liebe, ich aber offensichtlich einfach im falschen Genre gelandet bin, werde ich diesmal keine Sterne vergeben. Beim nächsten Buch der Autorin werde ich aber genauer recherchieren, um was es in der Geschichte gehen wird, damit ich nicht noch einmal mit falschen Erwartungen an ein Buch von ihr herangehe. 
  
Mein Fazit
Ich hatte die völlig falschen Erwartungen und habe nicht geahnt, dass dieser in einer wunderbaren Sprache geschriebene Roman letztlich in einer erotische SM-Geschichte mündet. Wer das mag und vor allem detaillierte Beschreibungen der Praktiken, der ist hier richtig, mir hat das nicht gefallen. Trotzdem liebe ich den Schreibstil der Autorin und werde mich nach weiteren Büchern von ihr umschauen.

2 Kommentare:

  1. Liebe Sabine,
    da wäre ich wohl genauso wie du von falschen Voraussetzungen zur Geschichte ausgegangen =)
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. Hallo,

    von Yoko Ogawa habe ich bisher nur "Der Herr der kleinen Vögel" gelesen und geliebt! Das kann ich nur empfehlen, ein wunderschönes, stilles kleines Buch.

    Aber zu "Hotel Iris" habe ich schon mehrere Rezensionen gelesen, die das Buch ähnlich verstörend fanden wie du, und ich vermute, dass es auch nichts für mich wäre... Ich glaube, es gibt andere Bücher der Autorin, die mir eher liegen würden! ;-)

    LG,
    Mikka
    [ Mikka liest von A bis Z ]

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