[Rezension] Christina Dalcher - "VOX"

Christina Dalcher - VOX
Dystopie

Verlag: Argon Hörbuch
ISBN 13: 978-3-839-81680-6
Dauer: 587 Minuten
Erschienen: 15. August 2018
Originaltitel: „VOX“
Übersetzer: Marion Balkenhol und Susanne Aeckerle
Sprecher: Andrea Sawatzki

Zum Inhalt 
„Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als einhundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr. Schon bald jedoch kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmutes, ihrer Träume beraubt. Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen und erhält eine Gelegenheit…“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Ich bin unentschlossen, wie ich diese Geschichte bewerten soll, da mich die erste Hälfte wirklich begeistert hat, die zweite dann aber viel zu schnell erzählt und mir zu billig bzw. plakativ war - vielleicht liegt es aber auch am Genre, denn Dystopien gehören eigentlich nicht in meine Lese-Komfortzone.

Das Thema hat mich sehr angesprochen – in einem totalitären Staat in der nahen Zukunft dürfen Frauen nur noch 100 Worte am Tag sprechen. Wer dagegen verstößt, wird mittels Stromstoß durch einen Handgelenkssensor bestraft, bei regelmäßigen Verstößen droht auch Einzelhaft mit 0 Wörtern pro Tag. Wie es dazu gekommen ist, wird in zeitlichen Rückblenden erzählt – und hier war ich doch an einigen Stellen erschüttert. Gerne hätte ich noch mehr über das System erfahren, letztlich aber wurde das doch eher oberflächlich abgearbeitet. Die Protagonistin Jean leidet sehr unter diesen Einschränkungen. Als sie dann die Möglichkeit bekommt, in ihren alten Beruf als Wissenschaftlerin wieder einzusteigen, wittert sie eine Chance, das System zu sprengen. Der Wiederstand ist dann vor allem in der zweiten Hälfte Thema – und hier wurde mir das Ganze dann zu plakativ. Immer mehr entwickelt sich die Geschichte weg von einem gesellschaftskritischen Roman hin zu einem Action-Thriller – auch wenn die Autorin durch einige Wendungen wirklich überraschen konnte, hat mir das so nicht gefallen. Das Ende kommt dann ganz plötzlich und mir zu abrupt, so als hätte die Autorin unter Zeitdruck gestanden.

Die Sprache ist – für ein Buch, das Sprache thematisiert – eher einfach und schlicht, dafür aber gut zu lesen bzw. hören. Beim Hörbuch war ich an mancher Stelle nur verwirrt, wenn in den Zeiten gesprungen wurde – leider gab es hier keine Jahresangaben, so dass man nur aus dem Zusammenhang hören könnte, wo man sich gerade befindet. Andrea Sawatzki als Sprecherin hat mich dagegen überzeugt – sicher ist ihre Stimme nicht nach jedermanns Geschmack, ich aber mag sie und fand sie auch für diese Dystopie passend.

Insgesamt hatte ich zwar unterhaltsame Hörstunden, trotzdem hat mich die zweite Hälfte ein wenig enttäuscht. Ich gebe daher gute 3 von 5 Sternen. 

Fazit
Ein tolles Thema, das in der ersten Hälfte zwar gut umschrieben wurde, die Hintergründe mir jedoch zu oberflächlich abgehandelt wurde. In der zweiten Hälfte entwickelt sich die Geschichte dann eher zu einer rasanten Verfolgungsgeschichte, die mich nicht so angesprochen hat. Ich gebe daher gute 3 von 5 Sternen.


Kommentare:

  1. Hallo Sabine,

    ich sehe es leider ganz genauso wie Du. Die erste Hälfte hat einen neugierig gemacht und wegen der Ausgangssituation auch bedrückt - und dann gab es keine wirkliche Lösung, wie man als Durchschnittsmensch mit so einer Situation umgeht. Der gesellschaftspolitische Aspekt verlief total im Sande. Und Jean ist in so einer privilegierten Lage, dass ihr die actionreiche Lösung quasi so halb in den Schoß fällt. Das fand ich enttäuschend.
    Das Thema an sich war (und ist) so vielversprechend, aber die Umsetzung ist ziemlich verpufft. Ich hab's persönlich so eingeordnet, dass man aus der ersten Hälfte wenigstens das Thema präsentiert bekommt und sich dann selbst Gedanken machen kann, wie man sowas verhindert bzw. auf diese Problematik aufmerksam wird.
    Ich hatte auch die Hör-Version und war mit Andrea Sawatzki als Sprecherin sehr glücklich.

    LG Gabi

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  2. Huhu Sabine :D

    Ich hab das Buch schon vor einer Weile gelesen, es wurde ja eine zeitlang echt gehypt!
    ich war aber ähnlich enttäuscht wie du. Die Thematik und auch der Anfang war gut, aber irgendwann hat sich die Autorin echt verloren ;/

    Liebe Grüße
    Jessi

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