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[Rezension] Daniela Ohms - "Wie Treibholz im Sturm"

Daniela Ohms - Wie Treibholz im Sturm
Roman

Verlag: Droemer-Knaur
Covergestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Coverabbildung: Trevillion Images /© Ildiko Neer
ISBN 13: 978-3-426-65431-6
Seiten: 544 Seiten
Erschienen: 3. April 2018

Buchrückentext
„Eine unbeheizte Dachkammer auf einem Gutshof in Schleswig-Holstein ist Hannahs Zuhause, seit sie aus Hamburg evakuiert wurde. In einer einzigen Bombennacht hat sie ihre gesamte Familie verloren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden neue Flüchtlinge in ihrer Kammer einquartiert. Darunter ein junger Soldat, der mit niemandem spricht. Nur zwischen Hannah und ihm entwickelt sich etwas. Nähe. Vertrauen. Liebe? Doch ihnen setzen nicht nur die eisige Kälte und der Hunger des nächsten Winters zu – auch die Vergangenheit droht sie einzuholen und voneinander fortzureißen.“ 

Meine Meinung
„Winterhonig“ von Daniela Ohms hatte mich völlig in seinen Bann gezogen, deshalb war ich sehr neugierig auf das neue Buch der Autorin – es war anders und hatte nicht so einen starken Sog auf mich, dafür aber war die Geschichte eindringlich, dicht erzählt und voller Atmosphäre.

Der Klappentext könnte einen denken lassen, es handelt sich um eine rührige Liebesgeschichte im Nachkriegsdeutschland, doch ich habe das ganz anders empfunden. Ja – es gibt auch eine Liebesgeschichte, aber vielmehr steht für mich die Frage der Schuld im Mittelpunkt. Wer hat Schuld am ganzen Kriegsgeschehen, am Leid, das gerade an der Front unbeschreiblich ist, in den Lazaretten, aber auch bei den Hinterbliebenen, die in Schutt und Asche um ihr Leben kämpfen, Hungersnöte und Kälte zu überstehen versuchen; ist mal als Mitläufer nicht auch schuldig oder kann man sich darauf zurückziehen, nur Befehlen gefolgt zu sein; jeder geht anders mit seinem Erlebten um, den einen zerfrisst die Schuld, andere überspielen sie mit bitteren Scherzen, wieder andere schweigen sich aus und versuchen zu vergessen. 

Neben Hannah, die nach Schleswig-Holstein auf einen Gutshof evakuiert wurde, nachdem sie ihre ganze Familie verloren hat, stehen im Mittelpunkt noch drei Soldaten, mit denen sie sich eine kleine Dachkammer teilt. Nach anfänglichem Misstrauen und Unsicherheit, entwickelt sich zwischen den ungleichen Menschen langsam so etwas wie Freundschaft, bis sie alle von ihren unterschiedlichen Vergangenheiten eingeholt werden.

Die Geschichte ist sehr ruhig und obwohl es doch viel Schreckliches zu berichten gibt, bleibt die Erzählung leise, dafür aber umso eindringlicher. Sie gibt erschreckende Einblicke in die Nachkriegszeit, was die überlebende Bevölkerung durchmachen musste, wie sie um ihr Überleben hart kämpften. Nur langsam hat sich eine subtile Spannung aufgebaut, und ich muss gestehen, dass mir gerade die erste Hälfte des Buches doch ein wenig zu ruhig war. Dabei sind die Charaktere wirklich großartig gezeichnet – sehr differenziert und fernab jeglicher Klischees, mit Ecken und Kanten, so dass sie sehr authentisch wirkten. 

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, hauptsächlich steht dabei Hannah im Mittelpunkt. Es gibt aber immer wieder auch Abschnitte, in denen in die Vergangenheit geblickt wird, was einzelne Soldaten im Krieg an der Front erlebt haben; außerdem gibt es Tagebucheinträge, die das Geschehen nochmal aus einer anderen Sicht erzählen. So erhält man als Leser nach und nach ein umfassendes Bild – doch trotz des umfassendes Blicks auf die Dinge steht es mir nicht zu, ein Verhalten zu bewerten oder gar ein „Urteil“ zu fällen. 

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, sehr dicht und voller Atmosphäre. An manchen Stellen war mir die Erzählweise ein wenig zu langatmig, trotzdem waren die Beschreibungen fantastisch und authentisch und vor meinen Augen sind viele Bilder entstanden – jetzt habe ich ein sehr konkretes Bild vom Nachkriegsdeutschland vor Augen.

Im Nachwort geht die Autorin auf die Idee zu diesem Roman ein – und interessant finde ich die Parallele zu den aktuellen Flüchtlingsproblemen. Insgesamt ist auch dieses Buch wieder sehr gelungen, auch wenn es mir trotz aller Eindringlichkeit und Atmosphäre an manchen Stellen zu ruhig und langatmig war. Ich gebe 4 von 5 Sternen und empfehle es allen, die sich für diesen Zeitabschnitt Deutschlands interessieren.

Mein Fazit
Eine eindringlich und dicht erzählte Geschichte, die ein sehr gutes Bild des Nachkriegsdeutschlands zeichnet; dabei steht die Liebesgeschichte gar nicht so sehr im Vordergrund, vielmehr die Schuldfrage der Soldaten, aber auch die der Hinterbliebenen. Nachdem mir die erste Hälfte ein wenig zu ruhig war, baut sich in der zweiten dann eine subtile Spannung auf – und ab da habe ich mich auch angekommen im Buch gefühlt. Ich gebe 4 von 5 Sternen und empfehle das Buch auf jeden Fall an Interessierte weiter.

WERBUNG: Vielen Dank an den Droemer-Knaur-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

1 Kommentar:

  1. Liebe Sabine,
    ich wollte mir das Buch heute bei Thalia kaufen, aber sie hatten es nicht mal da! :( Das finde ich sehr schade.... Ohne Buch bin ich trotzdem nicht aus dem Geschäft gegangen, denn ich wollte enldich meinen Gutschein für den Gewinn der Weltenbummler Challenge 2017 einlösen und habe es mit einem absoluten Wunschbuch getan: Ein Baum wächst in Brooklyn.
    Liebe Grüße
    Martina

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