Rhiannon Lucy Cosslett - Fünf Tage im Licht
Gegenwartsliteratur
Originaltitel: „Female, nude“ (2026)
Übersetzung: Sabine Längsfeld
Verlag: Argon Hörbuch
ISBN-13: 978-3-732-48643-4
Dauer: 479 Minuten
Erschienen: 15.5.2026
Sprecherin: Henriette Schreurs
Buchrückentext
„Die Malerin Sophie verbringt den Sommer mit drei Freundinnen auf der griechischen Insel Sifnos. Eine von ihnen wird bald heiraten, es ist das letzte Mal, dass sie als unverheiratete Frauen zusammen sind, in fünf Tagen kommen ihre jeweiligen Partner nach.
Sophie genießt die trägen Tage in der Sommerhitze – und die Auszeit von ihrem Freund Greg, der sie mit seinem Kinderwunsch unter Druck setzt. Jeden Morgen geht sie zum Schwimmen runter ans Meer und begegnet dort dem Griechen Ky. Beide fühlen sich auf Anhieb zueinander hingezogen. Eine intensive Affäre beginnt, in der Sophie sich immer mehr verliert.
Unterdessen arbeitet Sophie an einem Aktporträt ihrer Freundin Alessia, doch zwischen den beiden Frauen entstehen Unstimmigkeiten, die sich von Tag zu Tag intensivieren. Sowohl das Gemälde als auch die Affäre stellen alles infrage, was Sophie zu wissen glaubt …“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Die Malerin Sophie reist mit drei Freundinnen auf die griechische Insel Sifnos. Es sind ihre letzten fünf Tage als unverheiratete Frauen, bevor ihre Partner nachkommen und eine heiraten wird. Für Sophie ist die flirrende Hitze vor allem eine Atempause von ihrem Freund Greg, dessen Kinderwunsch sie massiv unter Druck setzt. Beim morgendlichen Schwimmen trifft sie auf den Griechen Ky und stürzt sich in eine leidenschaftliche Affäre. Nebenbei arbeitet sie an einem Aktporträt ihrer Freundin Alessia. Doch zwischen den Frauen brodelt es, und bald gerät Sophies gesamtes Weltbild ins Wanken.
Für mich war dieses Hörbuch wie ein Sprung ins kalte Wasser, da ich ehrlicherweise mit einer völlig anderen Geschichte gerechnet hatte. Dabei meine ich gar nicht das Urlaubssetting, sondern das Milieu dieser vier Frauen, die sich zwar extrem feministisch geben, diesen Feminismus letztendlich aber gar nicht leben. Unerwartet, aber absolut spannend fand ich hingegen den Fokus auf die Kunstszene, der mich neugierig gemacht hat. Enttäuscht hat mich dagegen der enorme Raum, den die Liebesgeschichte einnimmt. Das hat wohl dazu beigetragen, dass ich emotional sehr auf Distanz geblieben bin, selbst als die Männer später dazukamen und sich der Erzählton irgendwie veränderte. Insgesamt hatte ich fast das Gefühl, das Hörbuch wie betäubt zu hören – vielleicht liegt das an der gut beschriebenen griechischen Sommerhitze, die mich vielleicht auch träge gemacht hat.
In Sophies Gedankenwelt konnte ich mich hingegen erstaunlich gut einfühlen. Ihr innerer Konflikt und die Zerrissenheit zwischen dem Wunsch nach Freiheit für ihre Kunst und dem familiären Druck ihres Partners sind greifbar dargestellt. Auch die spürbaren Klassenunterschiede zu ihren Freundinnen kamen deutlich heraus. Weniger abgeholt hat mich die Dynamik zu Alessia, die von Sophie gemalt wird und in deren Beziehung sich beim Zeichnen etwas ändert. Und auch die restlichen Figuren bleiben im Vergleich eher blass und für mich nicht greifbar. Die Affäre mit Ky ist und bleibt letztlich nur eine Affäre: Die Leidenschaft konnte ich spüren, echte Gefühle aber nicht, und dafür hat mir dieser Strang dann zu viel Raum eingenommen.
Gefallen hat mir der Aufbau des Buches: Sophie beginnt jedes Kapitel mit gedanklichen Gesprächen mit historischen Künstlerinnen – dabei spricht sie mit ihnen über einzelne Werke, aber auch über ihre Gefühle und Gedanken. Diese Passagen fand ich gelungen, im Hörbuch allerdings ging manchmal unter, mit wem sie gerade „spricht“ und um welches Werk es geht.
Obwohl ich mich die ganze Zeit über auf Distanz fühlte, hat die Sprecherin Henriette Schreurs das Hörbuch sehr gut eingesprochen – sie liest abwechslungsreich und spannend und hat mich so mit durch die Geschichte getragen.
Mein Fazit
Die Autorin entführt in die flirrende Sommerhitze nach Griechenland zu vier Freundinnen, die einen Jungfrauenabschied feiern. Für eine von ihnen wird die Reise aber zu einer Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und der eigenen Zukunft. Die Nebenfiguren sind leider etwas blass geblieben, und eine Liebesaffäre hat mir zu viel Raum eingenommen, gelungen fand ich aber die fiktiven Gespräche mit Malerinnen und den Austausch zu ihren Werken. Insgesamt hatte das Hörbuch wirklich starke Abschnitte, in Teilen hat es mich aber auch verloren und etwas träge zurückgelassen.

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