[Rezension] Jochen Mariss - "Tage am Fluss"

Jochen Mariss - Tage am Fluss
Gegenwartsliteratur
 

 Verlag: Argon Verlag
 ISBN-13: 978-3-732-49038-7
 Dauer: 465 Minuten
 Erschienen: 9.7.2026
 Sprecher: Heike Warmuth, Nils Kretschmer
 
   
Zum Inhalt
„Sara Harmsen betreibt eine kleine Fähre, die das Dorf Erlengrund mit dem Rest der Welt verbindet. Mit sieben Hühnern, drei Schafen und der Hündin Luna lebt sie in einem abgelegenen Haus am Fluss. Eines Tages taucht auf Saras Fähre ein junger Mann mit einer Kopfverletzung auf, Leon. Sara verarztet den jungen Mann und versteckt ihn bei sich. Dafür verlangt sie, dass er ihr bei den Arbeiten rund um ihr Haus hilft. Beim Scheren der Schafe, bei der Reparatur des Hühnerstalls und beim Sensen der Obstwiese kommen sich Sara und Leon zögerlich näher und bringen den Mut auf, sich ihren alten Wunden zu stellen. Und sie teilen ihre Liebe zur Natur und die Sorge um unseren Planeten. Als die beiden sich gegen eine geplante Brücke wenden, die Saras Fähre bedroht, sehen sie sich Anfeindungen und Übergriffen aus dem Dorf ausgesetzt. Und dann tritt auch noch der Fluss über die Ufer …“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Sara Harmsen betreibt eine kleine Fähre nahe dem Dorf Erlengrund und lebt zurückgezogen mit ihren Tieren in einem abgelegenen Haus am Fluss. Ihre ruhige Routine gerät ins Wanken, als der verletzte Leon auf ihrer Fähre auftaucht. Sara versorgt seine Kopfverletzung und gewährt ihm Unterschlupf. Im Gegenzug unterstützt er sie bei den anfallenden Arbeiten rund um Haus. Langsam kommen die beiden sich näher und beginnen, sich ihren vergangenen Wunden zu stellen. 

Obwohl in dieser Geschichte viel geschieht und mit dem Klimaschutz auch hochaktuelle Themen behandelt werden, hat mich die Handlung nicht wirklich gefangen. Für mich fühlte sich der Verlauf leider wie schon tausendfach gelesen an: Zwei Menschen begegnen sich mit unterschiedlichen Hintergründen, lernen sich kennen, kommen sich näher, geraten in einen Konflikt samt Gefahrensituation, alles wird gerettet und das Problem ist gelöst. Mir war dieses Schema schlichtweg zu einfach gestrickt – gerade weil es sich eigentlich um komplexe Themen handelt. Dadurch blieb die Geschichte für mich sehr vorhersehbar, und es baute sich kaum Spannung auf.

Erzählt wird die Geschichte im stetigen Wechsel aus den Perspektiven von Sara und Leon. Beide tragen ihre eigenen Probleme und Altlasten mit sich herum, die man nach und nach erfährt. Richtig warm geworden bin ich mit keinem von ihnen, vielleicht auch ein Grund, warum ich nicht richtig gefesselt war. Außerdem wirkte die Ausarbeitung ihrer Konflikte auf mich erstaunlich seicht. So blieb bei mir trotz der eigentlich ernsten Ausgangslage vieles an der Oberfläche.

Der Schreibstil ist ruhig, durchaus atmosphärisch, aber eben auch sehr simpel gehalten. Ein großes Lob geht jedoch an die Sprecher der Hörbuchfassung: Heike Warmuth als Sara und Nils Kretschmer als Leon machen ihre Sache wirklich sehr gut und haben einen großen Teil  daran, dass ich das Hörbuch auch zu Ende gehört habe. Denn erst ihre Stimmen verleihen den Figuren Leben und tragen mich durch ihre Interpretation durch die Geschichte. 

Mein Fazit
Eine ruhige, stellenweise auch atmosphärische Geschichte mit aktuellen Themen, die mich jedoch emotional nicht abholen konnte. Ich fand die Handlung eher vorhersehbar, die Themen zu einfach aufgearbeitet – so hat es mir an Tiefe bei dem Buch gefehlt. Dank der starken Sprecherleistung von Heike Warmuth und Nils Kretschmer ist es zwar ein solides Hörbuch für zwischendurch, für mich aber kein Must-have.

WERBUNG: Vielen Dank an den Argon-Verlag und an Netgalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 


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