Michael Köhlmeier - Das Philosophenschiff
Roman
Verlag: dtv
ISBN-13: 978-3-423-14944-0
Seiten: 224 Seiten
Erschienen: 11.9.2025
Umschlaggestaltung: Peter-Andreas Hassiepen, München
Umschlagmotiv: Eugen Bracht © akg images
Zum Inhalt
„Zu ihrem 100. Geburtstag bittet die Architektin Anouk Perleman-Jacob einen Schriftsteller, ihr Leben in einen Roman zu verwandeln. Geboren in Sankt Petersburg, überlebt sie Terror und Exil – und teilt auf einem »Philosophenschiff« nicht nur das Schicksal vieler Intellektueller, sondern begegnet auch einem letzten Passagier: Lenin selbst.“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
In seinem Roman greift Michael Köhlmeier die historische Ausweisung russischer Intellektueller aus dem Jahr 1922 auf, die von den Bolschewiki zwangsweise auf Schiffe verbannt wurden, um sie aus dem Land zu schaffen. Die hochbetagte Anouk war auch dabei und blickt auf diese erzwungene Überfahrt zurück.
Ich habe das Buch nicht gerne gelesen. Die Atmosphäre an Bord konnte mich zu keiner Zeit erreichen, was maßgeblich an der Erzählstimme von Anouk lag. Sie empfand ich als unsäglich schwafelnd, ausschweifend und viel zu wenig auf den Punkt gebracht. Statt mich in das Geschehen hineinzuziehen, fühlte ich mich beim Lesen stets auf Distanz gehalten. Anouk blieb für mich eine emotionslose, kühle Protagonistin. Gerade in den Gesprächen mit dem Schriftsteller wirkte sie sehr herablassend und überheblich und leider überhaupt nicht sympathisch. Daran konnte auch das Wissen um ihre traumatischen Erlebnisse nichts ändern, die sie als Person sicherlich geprägt haben.
In den Kapiteln, in denen der Autor selbst zu Wort kommt, empfand ich den Schreibstil hingegen als gut lesbar. Schade ist aber, dass einige Handlungsstränge im Nichts enden und nicht aufgelöst werden, dazu gehören für mich zum Beispiel die Einblicke in die Leben einiger Familienangehöriger. Und so war die Geschichte für mich leider weder spannend noch fesselnd.
Gefallen aber hat mir dieses Zitat, das sich auf den Autor im Buch bezieht: „Aber vergessen Sie nicht, wer Sie sind: Sie sind der, dem man glaubt, wenn er lügt, und nicht glaubt, wenn er die Wahrheit sagt“. Inwieweit sich dies auf Michael Köhlmeier übertragen lässt, bleibt eine spannende Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss.
Mein Fazit
Der Autor entführt auf das sogenannte Philosophenschiff, doch so interessant dies hätte werden können, so sehr hat mich die weitschweifige Erzählweise der Protagonistin genervt. Trotz des bewegenden Themas der staatlichen Verbannung konnte mich diese Geschichte leider weder fesseln noch packen. Schade.

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