Julian Barnes - Abschied(e)
Gegenwartsliteratur, Essay
Originaltitel: „Departure(s)“ (2026)
Übersetzerin: Gertraude Krueger
Verlag: Argon Hörbuch
ISBN-13: 978-3-732-42212-8
Dauer: 348 Minuten
Erschienen: 15.1.2026
Sprecher: Frank Arnold
Buchrückentext
„Als Julian Barnes erfährt, dass er eine Krankheit hat, die für ihn tödlich sein kann, aber nicht sein muss, heißt das für ihn, die Dinge zu ordnen. Was zählt im Leben, welche Lebensphase war wichtig, oder trügt die Erinnerung? Er nimmt Abschied, indem er den Anfang und das vermeintliche Ende dieses außergewöhnlichen Schriftstellerlebens erzählt – und eine fiktive Geschichte, in der auch ganz viel Julian Barnes steckt.
Eine literarische, ehrliche Bilanz, ein Blick zurück und nach vorn von Julian Barnes, dem großen englischen Romancier, der sich vielleicht mit diesem Buch vom Schreiben verabschiedet. Schließlich weiß man nie, wann genau das eigene Leben endet.“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Ich mag die Bücher von Julian Barnes – und dieses hier ist sein letztes. Als nun 80-jähriger Autor nimmt er Abschied von seinen Leserinnen und Lesern. Er erhält die Diagnose einer potenziell tödlichen Krankheit und nimmt dies zum Anlass, Bilanz zu ziehen und Dinge zu ordnen. In diesem literarischen Abschied blickt er auf den Anfang und das vermeintliche Ende seines außergewöhnlichen Schriftstellerlebens zurück. Dabei verwebt er autobiografische Reflexionen mit einer fiktiven Geschichte, in der dennoch spürbar viel von ihm selbst steckt. Er sinniert über prägende Lebensphasen, seine Beziehungen und auch über seine Erkrankung und fragt, was am Ende wirklich zählt und wie verlässlich unsere Erinnerungen eigentlich sind.
Für mich fühlte sich dieses Buch weniger wie ein klassischer Roman an, sondern eher wie ein langer, sehr persönlicher Essay. Ich empfand das Hörbuch als ein leises Innehalten, einen Blick zurückwerfen, wenn man am Ende angekommen ist. Dabei schreibt Julian Barnes aber nicht gegen die Zeit, sondern schaut ihr ruhig ins Gesicht. Ich hatte beim Zuhören das Gefühl, einem sehr privaten Denkprozess beizuwohnen, der sich aber nie aufgedrängt, sondern Raum für eigene Gedanken lässt. Dass er dieses Buch als sein letztes ankündigt, hat mich beim Hören traurig gemacht.
Der Autor legt sich selbst und seine Gedankenwelt schonungslos offen – so sind die Emotionen und Zweifel für mich absolut fassbar; er erlaubt sich Unsicherheiten und Widersprüche, was ihn nahbar und menschlich macht. Zwar berührte mich nicht jede Passage gleichermaßen und manches bleibt auch ein wenig fragmentarisch, doch insgesamt ergab sich für mich ein ehrlicher und würdevoller Blick auf das Älterwerden.
Der Schreibstil ist gewohnt einfühlsam und von einer ruhigen Melancholie getragen, ohne dabei pathetisch zu werden. Die Sprache ist sanft, manchmal zaghaft, eher tastend und klug.
Frank Arnold als Sprecher war für mich die perfekte Wahl; er gibt Julian Barnes ein Gesicht und transportiert die feinen emotionalen Nuancen hervorragend.
Für Fans von Julian Barnes sicher ein Muss, aber eins, das mich zumindest traurig zurückgelassen hat.
Mein Fazit
Ein stilles, nachhallendes Werk, das mehr Fragen stellt als Antworten zu geben. Ein literarischer Abschied und eine ehrliche Bilanz, die mich durch ihre Zurückhaltung und Melancholie bewegt hat. Auch wenn es mich traurig stimmt, dass dies sein letztes Buch sein soll, ist es ein würdevoller Schlusspunkt, der durch die großartige Lesung von Frank Arnold noch an Eindringlichkeit gewinnt.

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