Doris Dörrie - Wohnen
Essay
Verlag: tacheles!
ISBN-13: 978-3-864-84847-6
Dauer: 221 Minuten
Erschienen: 15.4.2025
Sprecherin: Doris Dörrie
Zum Inhalt
„Doris Dörrie ist eine Wohnende wider Willen. Nie wollte sie sich niederlassen, fest einrichten, Wurzeln schlagen, aber wie andere wohnen, hat sie immer schon fasziniert. In Kalifornien geht sie zu Hausbesichtigungen, nur um sich andere Leben in anderen Räumen auszumalen. Auf ihren unzähligen Reisen nach Japan, Mexiko, Marokko, Amerika und Südeuropa sieht sie, wie eng das Wohnen an die jeweilige Kultur geknüpft ist. Und bei ihrer Arbeit als Filmemacherin wird sie zur Expertin für das Erschaffen künstlicher Wohnwelten. Doch während sie ihr eigenes Elternhaus beschreibt, die Studentenbuden, Wohngemeinschaften und das versuchsweise Leben auf dem Land, drängt sich ihr eine Frage immer wieder auf: Wo ist eigentlich in all diesen Häusern und Wohnungen der Raum für die Frauen geblieben? Könnte es etwa sein, dass aus der Hausfrau nur eine Frau im Haus mit anderen geworden ist? Doris Dörrie ist fest entschlossen: Sie will ihre ganz eigene Art des Wohnens finden.“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Es ist eine persönliche Reise, auf die mich Doris Dörrie hier mitnimmt – eine Reise durch ihre eigenen Lebenssituationen und Wohnwelten.
Eigentlich wollte sie nie sesshaft werden oder tiefe Wurzeln schlagen, doch das Leben in Räumen hat sie schon immer fasziniert – auch bei anderen Menschen. Deshalb hat sie sich immer schon gerne andere Wohnungen angesehen - sei es bei Hausbesichtigungen in Kalifornien oder auf ihren Reisen nach Japan und Marokko. Während sie von ihren Elternhäusern, Studentenbuden und Wohngemeinschaften erzählt, wird klar, dass sie vor allem eine eigene Art des Wohnens und vor allem auch der Freiheit sucht.
Ich mochte dieses Hörbuch ausgesprochen gerne. Die Art und Weise, wie Doris Dörrie persönliche Ereignisse und ganz private Gedanken mit allgemeingültigen Reflexionen über das Wohnen verknüpft, ist ihr sehr gut gelungen. Obwohl es doch ihre eigene Realität ist, habe ich mich in vielem wiedergefunden und wurde vor allem zum Nachdenken angestoßen. Die Mischung aus biografischen Anekdoten und gesellschaftskritischen Fragen, wie etwa der Rolle der Frau im häuslichen Raum, ist zudem sehr ansprechend.
Es ist mehr ein Essay denn ein Roman, und Doris Dörrie zeichnet sich selbst als eine suchende, reflektierte Beobachterin. Ich habe sie als eine Frau wahrgenommen, die das Unperfekte und Unfertige schätzt und dabei auch einen Blick für die kulturellen Unterschiede im Wohnen behält. Ich mochte diese ehrliche und empathische Art, die mir die Autorin noch mal näher gebracht hat.
Sprachlich ist das Werk ein echter Genuss: Es ist witzig, ironisch und ungemein unterhaltsam, ohne dabei an Tiefgang oder einem gewissen gehobenen Anspruch zu verlieren. Der Aufbau ist lebendig und die Schilderungen sind so bildhaft, dass ich mir alles genau vorstellen konnte, und natürlich auch an eigene frühere Wohnorte gedacht habe.
Doris Dörrie spricht das Hörbuch selber – und sie macht das großartig. Sie verleiht dem Text durch ihre Stimme eine ganz eigene Authentizität und Wärme, die bei mir das Gefühl verstärkt haben, ihr direkt bei ihren Überlegungen zuzuhören.
Mein Fazit
Ein unterhaltsames, ehrliches Gedankenspiel zum Thema Wohnen, das mich durch die kluge Verbindung von persönlicher Erinnerung und gesellschaftlicher Reflexion sehr begeistert hat. Ein unterhaltsamer, hochwertiger und inspirierender Essay, den Doris Dörrie mit ihrer großartigen Lesung perfekt abrundet.

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