Marie Menke - Spielverderberin
Gegenwartsliteratur
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN-13: 978-3-462-8022-3
Seiten: 215 Seiten
Ersterscheinung: 12.2.2026
Umschlaggestaltung: Lowlypaper
Umschlagabbildung: ©Alli Conrad
Buchrückentext
„Sophie, Lotte und Romy wachsen gemeinsam – vermeintlich behütet – auf dem Land auf. Beim Versuch, in ihren frühen Zwanzigern ihre Freundschaft nach Köln zu transportieren, hadern sie jedoch. Als Romy plötzlich verschwindet, reißen alte Wunden auf: Zwischen all den intensiven Momenten der Vergangenheit liegt auch eine verhängnisvolle Nacht vergraben, an die eine der drei niemals erinnert werden darf.“
Meine Meinung
Drei Freundinnen stehen im Mittelpunkt der Geschichte – Sophie und Lotte, geprägt durch die ländliche Bauernschaft im Süthland, in der sie aufwachsen und Romy, die erst später zu dem Gespann tritt und ihre Kindheit in München verbracht hat. Durch Romys Auftauchen werden Lottes und Sophies Leben richtiggehend aufgewirbelt: Romy bringt den Glanz der Großstadt und eine neue Freiheit mit, die die beiden fasziniert, gleichzeitig erleben sie aber auch eine gewisse Unzuverlässigkeit. Ein paar Jahre später versuchen die drei, ihre Freundschaft in das anonyme Köln zu retten, doch dieser Versuch scheitert kläglich. Als Romy plötzlich verschwindet, bricht alles zusammen, und langsam drängt sich eine dunkle Nacht aus der Vergangenheit, die alle am liebsten vergessen würden, wieder ans Licht.
Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Zeitebenen: dem „Hier und Jetzt“ und den Ereignissen vier Jahre zuvor, und schnell ist klar, dass die Dynamik dieser Dreierkonstellation hochexplosiv ist: Auf der einen Seite die dörfliche Vertrautheit, auf der anderen Romys städtische Unbekümmertheit und Neugierde. Geschickt springt die Erzählung hin und her zwischen den Jahren der späten Jugend auf dem Land und dem späteren Versuch, diese Freundschaft in die Anonymität von Köln zu retten. Nach und nach ergibt sich so ein Gesamtbild, das sich aus verschiedenen Puzzleteilen zusammensetzt.
Über dem gesamten Werk schwebt eine tiefe, fast greifbare Melancholie, und ich habe beim Lesen eine Traurigkeit gespürt, die wie ein Nebel über der Handlung liegt. Das liegt vor allem daran, dass schon früh klar wird, dass etwas Schwerwiegendes geschehen sein muss – eine Gewissheit, der Auflösung Marie Menke jedoch geschickt hinauszögert und erst im letzten Viertel des Buches vollständig preisgibt. Auch der Titel „Spielverderberin“ hat sich mir erst nach und nach erschlossen. Während man anfangs vielleicht nur an kleine Reibereien denkt, wird im Verlauf klar, wie sehr dieses Motiv des „Nicht-Mitspielens“ oder des Zerstörens von gemeinsamen Illusionen die Figuren und ihr Handeln definiert.
Die drei Frauenfiguren sind sehr unterschiedlich. Romy scheint wie eine Weltgewandte, die jedoch eine Fassade aufrechterhält. Dem gegenüber stehen Sophie und Lotte, die Kinder des Landes, die durch Romy zwar neugierig auf die Welt werden, aber innerlich mit dem Ausbruch hadern. Sophie, aus deren Sicht das Meiste erzählt ist, empfand ich in ihrer Zerrissenheit als tragisch, vor allem, da sie eine Last der Schuld trägt, die erst spät greifbar wird. Lotte blieb für mein Empfinden blasser, was jedoch konsequent erscheint, da sie zeitweise nicht Teil der Gruppe war – warum, verrate ich natürlich nicht. Ich muss gestehen, dass ich zu keiner der Figuren eine wirkliche emotionale Nähe aufbauen konnte - das mag an der Altersdifferenz liegen oder auch daran, dass die im Vordergrund stehenden Themen der drei Freundinnen nie die meinen waren. Und gleichzeitig habe ich ihre Entwicklung mit Spannung verfolgt.
Die Freundschaft der drei wirkte auf mich von Anfang an wie ein zerbrechliches Gebilde – mal eine echte Verbundenheit, mal eine bloße Zweckgemeinschaft aus dem Mangel an Alternativen heraus.
Sprachlich hat mich das Buch beeindruckt. Marie Menke nutzt eine pointierte Sprache mit oft kurzen Sätzen, die eine enorme atmosphärische Dichte erzeugt. Besonders die Düsternis der Geschichte wird dadurch sehr gut eingefangen. Am Ende fügten sich für mich die Themen Schuld, Herkunft und die langfristigen Auswirkungen verdrängter Ereignisse zu einem stimmigen, wenn auch bedrückenden Gesamtbild zusammen.
Mein Fazit
Ein atmosphärisch dichtes Debüt, das die Abgründe junger Freundschaften und die Last der Schuld eindringlich beleuchtet. Besonders die melancholische Grundstimmung und die späte Auflösung der verborgenen Schuld haben mich trotz der Distanz zu den Charakteren gefesselt. Ein lesenswerter Roman über das schwierige Erbe gemeinsamer Jahre.
WERBUNG: Vielen Dank an den KiWi-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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