[Rezension] Helene Sommerfeld - "Die Ärztin - Das Licht der Welt"

Helene Sommerfeld - Die Ärztin - Das Licht der Welt (Ricarda Thomasius #1)
Historischer Roman

Verlag: rororo-Verlag
Umschlaggestaltung und Motive: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich
ISBN 13: 978-3-499-27399-5
Seiten: 558 Seiten
Erschienen: 24. April 2018

Zum Inhalt
1876 verlässt die 13-jährige Gärtnertochter Ricarda schweren Herzens die ruhige Weite der Mark Brandenburg, um Henriette von Freystetten ins lebendige Berlin zu begleiten. Als Mündel der Komtess lernt das aufgeweckte Mädchen eine faszinierende neue Welt kennen: Die unverheiratete Frau führt in der glanzvollen Kaiserstadt ein emanzipiertes Leben, hält Salons und praktiziert als eine der ersten deutschen Ärztinnen. Tuberkulose, Bleichsucht oder Frauenleiden – Dr. Freystetten hat sich bei ihren gutbetuchten Patientinnen längst einen Namen gemacht. 
Kranken Menschen zu helfen, dem Tod die Stirn zu bieten, davon beginnt auch Ricarda heimlich zu träumen. Denn um die siechen Frauen, die jenseits des Boulevards Unter den Linden in Armut leben, kümmert sich niemand. Ein selbstbestimmtes Leben, wie die Komtess es führt, ist für eine junge Frau ihres Standes zwar unvorstellbar. Aber Ricarda ist entschlossen, für ihr Glück zu kämpfen. Sie ahnt nicht, dass die herrische Komtess eigene Pläne für ihren Schützling schmiedet. Und dass Ricardas Begegnung mit einem jungen Medizinstudenten all ihre Vorsätze ins Wanken bringen wird … (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Hinter dem Pseudonym Helene Sommerfeld verbirgt sich ein Autorenduo, das schon viele andere historische Romane geschrieben hat. Und das merkt man auch, denn die Geschichte ist nicht nur gut recherchiert, sondern auch sehr lebendig erzählt. Kurzum - ich hatte großen Spaß beim Lesen. 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ricarda, die der Leser im 19. Jh. begleitet, von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter. Dabei erhält man nicht zu nur viele Einblicke in die damalige Zeit, die Lebensumstände verschiedener sozialer Schichten und deren Alltag, sondern auch zur Stellung der Frau in der Gesellschaft und speziell auch in der Medizin. Ricarda ist eine sympathische Protagonistin, die ich von Beginn an ins Herz geschlossen habe. Sie ist eine sehr herzliche Person, die sich gerne für die Menschen einsetzt. Sie brennt für die Medizin, und das schon fast bis zur Selbstaufgabe. Zum Glück kriegt sie immer wieder doch noch die Kurve und geht nicht vor lauter Arbeit und Engagement unter. Aber nicht nur Ricarda ist eine sehr gut gestaltete Figur, auch die anderen Charaktere haben mir gut gefallen. Bei jedem hatte ich ein genaues Bild vor Augen, so gut sind die Figuren gestaltet. Sie sind wunderbar beschreiben, haben eine eigene Geschichte und sind einfach sehr lebendig. Sie sind auch nicht einfach nur gut oder schlecht, sondern jeder hat gute wie auch schlechte Seiten.

Langweilig wird es in der Geschichte nie, dafür passiert einfach zu viel, ohne dass es aber zu rasant wird. Es gibt immer wieder Wendungen und unerwartete Ereignisse, die nicht nur kurzweilig zu lesen sind, sondern auch die Spannung erhöhen. Dass die Medizin dabei im Mittelpunkt steht, kann man sich sicherlich denken – zu medizinisch wird es aber nicht und auch auf abstoßende Beschreibungen hat die Autorin verzichtet. Also auch mit einem empfindlicheren Seelchen kann man sehr gut in diese Geschichte abtauchen und muss keine Angst vor blutigen Beschreibungen haben. 

Es ist ein angenehmes Tempo, mit dem die Autorin den Leser durch die Geschichte führt. Lediglich am Ende gibt es eine Wendung, die mir gar nicht gefallen hat, die aber die Geschichte in eine bestimmte Richtung bringt, die anders nicht gelungen wäre. Mehr kann ich leider nicht dazu sagen, denn dann würde ich spoilern – wer das Buch aber gelesen hat, der weiß sicher, was ich meine. Auch wenn diese Wendung notwendig war, um die Geschichte den bestimmten Weg einschlagen zu lassen, hat sie mir nicht gefallen. 

Dass es nicht langweilig wurde, liegt aber auch an dem lebendigen Schreibstil. Er ist nicht nur angenehm zu lesen, sondern lässt die Personen zum Leben erwachen – ich zumindest fühlte mich als Teil der Geschichte. Dabei schafft die Autorin eine unglaubliche Atmosphäre die auch zur Zeit, in der die Geschichte spielt, passt.

Nicht so gelungen fand ich dagegen das Ende - streng genommen gibt es gar keines, denn die Geschichte hört einfach mittendrin auf. Zum Glück erscheint der Folgeband schon bald, so dass die Wartezeit nicht zu lange wird. Insgesamt hatte ich aber wirklich schöne Lesestunden und gebe daher gute 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine wirklich schöne Geschichte, die hier erzählt wird in einem angenehmen Tempo, so dass es nie langweilig wird, aber auch nicht zu rasant. Der Schreibstil ist sehr lebendig, so dass ich richtig in die Geschichte abgetaucht bin. Die sympathische Protagonistin hat es mir zudem noch mal leichter gemacht. Lediglich das Ende hat mir nicht gefallen – einfach weil es keines ist und die Geschichte einfach mittendrin aufhört; aber zum Glück erscheint der Folgeband ja schon bald.

Ricarda Thomasius
1. Die Ärztin – Das Licht der Welt
2. Die Ärztin – Stürme des Lebens (erscheint am 20.11.2018)

Werbung: Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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