[Rezension] Caroline Wahl - "1999 Meter über dem Meer"

Caroline Wahl - 1999 Meter über dem Meer
Gegenwartsliteratur
 

 Verlag: Argon Hörbuch
 ISBN-13: 978-3-732-42248-7
 Dauer: 571 Minuten
 Erschienen: 28.8.2026
 Sprecherin: Lisa Hrdina

   
Zum Inhalt
„Samara weiß, was sie alles nicht mehr will. Aber was sie will, das weiß Samara nicht, und sie weiß noch nicht einmal, ob das schlecht ist. Jetzt hat sie knallorange gefärbte Haare, einen schönen alten Wagen und an jedem Ort, an dem sie ankommt, einen neuen Namen. Und aufwärts soll es gehen, also richtig nach oben, nach St. Moritz in den Schweizer Hochalpen. Da kommt ein schöner Mann her, den Samara mal kennengelernt hat. Überhaupt gibt es viele schöne und reiche Menschen in St. Moritz, sehr reiche Menschen – mittendrin Samara, die jetzt nicht mehr Samara heißt. Und keine Hochstaplerin ist, sondern erfolgreiche Künstlerin.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Nachdem ich die ersten beiden Bücher von Caroline Wahl sehr gemocht hatte, das darauffolgende für mich aber leider ein Fehlgriff war, war ich sehr gespannt auf ihr neues Werk. Das Buch knüpft locker an die ersten beiden an, da die Hauptfigur Samara dort bereits als Nebenfigur auftauchte. Man kann das neue Buch aber auch unabhängig von den anderen lesen.

In der Geschichte begleiten wir Samara, die ihr altes Leben hinter sich lassen will und sich im wahrsten Sinne des Wortes auf die Suche nach sich selber macht. Sie färbt sich die Haare knallorange, setzt sich in ihren alten Wagen und reist von Ort zu Ort, wobei sie überall unter einem neuen Namen auftritt. Ihr Weg führt sie schließlich über einen Zwischenstopp auf Bali bis nach St. Moritz. In dem Schweizer Nobelkurort versucht sie, in der Welt der Reichen Fuß zu fassen und sich nicht mehr als Hochstaplerin, sondern als Künstlerin durchzuschlagen – während sie gleichzeitig einem Mann wiederbegegnet, den sie von früher kennt.

Diese Geschichte hat mir wieder mehr gefallen, auch wenn sie bei weitem nicht an die ersten beiden Bücher der Autorin herankommt. Als Hörbuch habe ich die Geschichte – als der etwas zähe Einstieg geschafft war – dann ganz gerne gehört; bestimmt auch, weil Lisa Hrdina einfach eine tolle Sprecherin ist. Im ersten Drittel ist leider nicht wirklich viel passiert: Die Kulisse Balis war zwar schön beschrieben, aber Samara konnte dem Land einfach nichts abgewinnen – und diese Distanz hat man beim Hören leider auch gespürt.

In der zweiten Hälfte des Buches wird es dann mit dem Ortswechsel nach St. Moritz doch interessanter und abwechslungsreicher. Die Entwicklung, die Samara dort durchmacht, hat mir richtig gut gefallen. Auch die Liebesgeschichte, die von vielen Kritikern als überflüssig empfunden wurde, war für mich eher ein Gewinn für die Story.

Die klischeehaften Darstellungen der Kunstszene und der gehobenen Gesellschaft in St. Moritz haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Viele Nebenfiguren – wie etwa die Leute von der Agentur oder Samaras Berliner Mitbewohnerin Luca – wirken stark überzeichnet. Ich bin mir aber sicher, dass das absolut gewollt war; das Buch liest sich an diesen Stellen fast wie eine gelungene Satire.

Samara selbst ist eine vielschichtige Figur: bitterböse, witzig, oft irritierend gut im Lügen und stellenweise sehr überheblich. Sie meckert viel, zeigt sich im Nachhinein aber auch reflektiert und zugänglich. Sie ist definitiv kein klassischer Sympathieträger, aber gerade deshalb so interessant. Ein richtiger Störfaktor war für mich allerdings das ständige Erwähnen der Marke „Müllermilch“. Die Verbindungen des Unternehmensgründers zur AfD sind auch Samara bekannt – das kann sie als Figur einerseits charakterisieren, dann aber hätte ein einmaliges Erwähnen gereicht. Dass dieses Produkt sich aber wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, hat bei mir einen sehr fahlen Beigeschmack hinterlassen – gerade vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen. Diese Form von Platzierung empfand ich als völlig unmöglich und schlicht überflüssig.

Mein Fazit 
Ein Roman, der nach einer eher schleppenden ersten Hälfte auf Bali in den Schweizer Alpen dann doch noch an Fahrt gewinnt. Caroline Wahl liefert hier eine bissige, fast satirische Geschichte mit einer streitbaren und interessanten Hauptfigur. Die Liebesgeschichte und der spritzige Ton in der zweiten Hälfte haben das Buch für mich aufgewertet, auch wenn manche provokante Details nicht nötig gewesen wären. Für Fans der Autorin nach dem schwächeren Vorgänger auf jeden Fall wieder ein Schritt in die richtige Richtung!




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