[Rezension] Charlotte Link - "Cromwells Traum oder die schöne Helena"

Charlotte Link - Cromwells Traum oder die schöne Helena
Historischer Roman
 

ISBN-13: 978-3-499-23015-1
Seiten: 458 Seiten
Ersterscheinung: 1.3.1999
Umschlaggestaltung: any.way, Cathrin Günther
Umschlagabbildung: Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin /Erich Lessing

   
Buchrückentext
„Im 17. Jahrhundert wird England von Krieg und Revolution erchüttert. Als Oliver Cromwell, der Führer der aufständischen Parlamentarier, die Monarchie abschafft, gerät die schöne Helena in große Gefahr. Ihre Familie kämpftfür den König, und so muss sie schließlich fliehen. Doch Cromwells Traum dauert nicht lange. Als Helena im Gefolge des Königs heimkehrt, ist nichts mehr, wie es einmal war. “ 

Meine Meinung
Ich bin großer Charlotte Link-Fan, dieser sehr frühe Roman von ihr konnte mich aber leider nicht richtig fesseln.

England im 17. Jahrhundert wird von Bürgerkrieg und Revolution erschüttert. Als Oliver Cromwell die Monarchie abschafft, gerät die junge Helena in tödliche Gefahr, da ihre Familie treu zum König steht. Sie muss fliehen, kehrt aber Jahre später im Gefolge des neuen Monarchen in ein Land zurück, in dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Inmitten dieser historischen Umbrüche versucht Helena, ihren Platz in einer völlig veränderten Welt zu finden.

Ich muss gestehen, dass ich nach dem Zuschlagen des Buches fast das Gefühl hatte, ein ganz anderes Werk gelesen zu haben, als der Klappentext mir versprochen hatte. Statt eines packenden historischen Panoramas rund um Cromwell fand ich mich in einem waschechten Liebesroman wieder, in dem Helenas vier Ehen und ihr ständiges emotionales Hin und Her die eigentliche Hauptrolle spielten. Da ich ein großer Fan von Charlotte Link bin, schmerzt es mich fast ein wenig zu sagen, dass dieses frühe Werk für mich zu ihren schwächeren gehört – man merkt einfach, dass sie hier noch ganz am Anfang stand und vieles erst später dazugelernt hat.

Besonders die Hauptfigur Helena hat mich beim Lesen oft den Kopf schütteln lassen. Immer wieder habe ich mich gefragt, was eigentlich in sie gefahren ist, denn ihr Liebesleben war ein einziges Chaos und sie wirkte auf mich leider wie eine ziemlich selbstsüchtige „Ziege“. Dass sie in diesen schweren, schrecklichen Zeiten sogar ihre Kinder bei anderen zurücklässt, um sich ihren persönlichen Angelegenheiten zu widmen, hat sie mir absolut unsympathisch gemacht. Und das ist über das gesamte Buch hinweg leider auch so geblieben – Helena hatte einfach nichts Liebenswertes und war mir als Person vollkommen egal.

Dennoch ist das Buch handwerklich gut gemacht und lässt sich gewohnt flüssig lesen, was meinen Lesefluss trotz meiner Vorbehalte hochhielt. Es gab durchaus Momente, in denen ich wirklich involviert war – etwa in dem leider viel zu kurzen Abschnitt, in dem Helena verwundete Soldaten pflegt. Hier blitzte für mich kurz die Tiefe auf, die ich mir für die gesamte Geschichte gewünscht hätte. Insgesamt blieb mir die Erzählung jedoch zu sehr haftend an der Oberfläche von Helenas amourösen Verwicklungen, anstatt die Wucht der historischen Ereignisse wirklich auszuschöpfen.

Mein Fazit
Ein flüssig geschriebener Roman, der leider mehr Liebesgeplänkel als echte Historie bietet und dessen Protagonistin mich eher anstrengte als mitriss. Für mich daher kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss.


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