[Rezension] Allen Levi - "Theo in Golden"

Allen Levi - Theo in Golden
Gegenwartsliteratur
 

Originaltitel: „Theo of Golden“ (2025)
Übersetzung: Bernhard Robben
ISBN-13: 978-3-8449-4794-6
Dauer: 1001 Minuten
Erschienen: 4.9.2026
Sprecher: Walter Kreye

   
Zum Inhalt
„An einem klaren Frühlingmorgen erscheint ein Fremder in Golden, einer amerikanischen Kleinstadt im Süden. Wer aber ist er, und warum ist er gekommen? Sein Name ist Theo. Und er stellt weit mehr Fragen, als er beantwortet. Theo besucht das örtliche Café, in dem zweiundneunzig Bleistiftporträts an den Wänden hängen – Porträts der Menschen von Golden, gezeichnet von einem lokalen Künstler. Er beginnt, sie nach und nach zu kaufen und sie den »rechtmäßigen Besitzerinnen und Besitzern« zurückzugeben. Mit jedem Austausch wird eine Geschichte erzählt, eine Freundschaft gestiftet und ein Leben verändert. Und ein neues Geheimnis offenbart.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Theo taucht an einem Frühlingstag in der kleinen südstaatlichen Stadt Golden auf. Niemand weiß genau, woher er kommt oder was er eigentlich vorhat. Im örtlichen Café fallen ihm zweiundneunzig Bleistiftzeichnungen auf, die die Gesichter der Bewohner des Ortes zeigen. Theo beschließt spontan, diese Porträts nach und nach aufzukaufen und den abgebildeten Menschen zurückzugeben. Aus diesen Übergaben entstehen vertraute Gespräche, neue Freundschaften und tiefe Einblicke in ganz unterschiedliche Leben – während nach und nach auch Theos eigenes Geheimnis ans Licht kommt.

Das Buch erzählt eine ruhige Geschichte, die sich insgesamt gut hören lässt, mich persönlich aber einfach nicht so richtig berühren konnte. In durchaus angenehmer Weise werden die verschiedenen Schicksale, von denen Theo beim Überbringen der Porträts erfährt, vorgestellt – nur wenige konnten mich leider wirklich berühren. Es entsteht eine angenehme, unaufgeregte Grundstimmung, die sich für mich über weite Strecken aber auch etwas langatmig und stark episodenhaft anfühlte. Manches an den Dialogen und Entwicklungen wirkte auf mich nicht ganz authentisch, durch die leichte, manchmal auch blumige Erzählweise fast schon märchenhaft. Eine emotionale Ausnahme bildeten für mich die Rückblicke des Buchhändlers aus seiner Zeit im Vietnamkrieg – diese Passagen gingen mir wirklich ans Herz.

An dieser leichten und wohligen Grundstimmung ist natürlich auch Theo beteiligt. Er ist ein absoluter Sympathieträger und Gutmensch: immer verständnisvoll, durchweg freundlich und völlig in sich ruhend. Das ist zwar liebenswert zu lesen, mir persönlich fehlten bei ihm aber ein paar Ecken und Kanten, um ihn als vielschichtige Figur zu erleben.

Schön fand ich den Verlauf gegen Ende: Gerade als man sich in der gemütlichen Feel-Good-Atmosphäre eingerichtet hat und mit einem ganz harmonischen Ausklang rechnet, kommt noch einmal etwas Bewegung in die Handlung und es wird tatsächlich auch ein wenig spannend.

Das Hörbuch wird von Walter Kreye gelesen – ich mag seine Stimme unheimlich gerne, er hat einfach die perfekte Klangfarbe für einen klassischen Geschichtenerzähler. Ich höre ihm absolut gerne zu, eben weil er so eine wohlige Stimmung verbreitet. In diesem Hörbuch bin ich mir allerdings nicht ganz sicher, ob er den Episodencharakter dadurch nicht etwas zu sehr verstärkt.

Das Hörbuch hat mir nette Hörstunden geschenkt, ein paar mehr Ecken und Kanten bei Theo hätten es für mich aber greifbarer gemacht. Wer ruhige Geschichten mag, die auch ein bisschen märchenhaft sein können, wird dieses Hörbuch mögen.

Mein Fazit
Ein warmes, ruhiges Buch für zwischendurch mit einer schönen Grundidee und vielen warmherzigen Botschaften. Die episodenhafte Erzählweise plätschert streckenweise zwar etwas langatmig dahin und geht nicht allzu tief unter die Haut, wird aber von Walter Kreye wunderbar stimmungsvoll vorgetragen. Wer eine unaufgeregte Wohlfühlgeschichte sucht und sich an fehlenden Ecken und Kanten nicht stört, macht hier absolut nichts falsch.

WERBUNG: Vielen Dank an Netgalley und den Osterwold-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 



2 Kommentare:

  1. Schönen guten Morgen Sabine!

    Das Buch hatte mich neugierig gemacht - denn ich finde, die Welt kann grade solche guten Menschen und gute Gefühle gebrauchen... allerdings wirkt es anscheinend "zu viel des Guten", denn wenn es langweilig und fade rüberkommt, hat man nicht so viel gewonnen wie es eigentlich könnte. Ich hätte mir gewünscht dass es auch etwas an Freude transportiert oder etwas mitgeben kann.
    Aber ich denke, das kann ich mir dann sparen :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielleicht liest du doch mal rein. Ich habe die Leseprobe wirklich gemocht - und es ist ja ein Riesen Bestseller in den USA - vielleicht ist mein Gefühl ja nicht ganz richtig. Viele andere konnte er ja überzeugen.

      LG Sabine

      Löschen

Teile mir deine Gedanken und Kommentare zu meinem Beitrag mit - ich freue mich sehr auf unseren Austausch!

DATENSCHUTZ: Mit dem Absenden deines Kommentars und dem Einverständnis der Kommentar-Folgefunktion bestätigst du, dass du meine Datenschutzerklärung sowie die Datenschutzerklärung von Google gelesen hast und akzeptierst.