[Rezension] Mario Petuzzi - "Winterschlaf"

Mario Petuzzi - Winterschlaf
Gegenwartsliteratur
 

 Verlag: Diogenes-Verlag
 ISBN-13: 978-3-257-07394-2
 Seiten: 239 Seiten
 Erschienen: 19.8.2026
 Umschlagabbildung: Gemälde von © Andrey Remnev „The high water“, 2016


   
Buchrückentext
„Wenn der Schnee in den Alpen bis ins Tal hinunter schmilzt, ist es soweit: Die Mutter erwacht aus ihrem Winterschlaf, den Kopf voller Träume der letzten Monate. Erwartet wird sie vom Großvater, umsorgt von ihren Kindern, den Zwillingen. Schon bald reisen die ersten Besucher an, denn die Träume der Mutter versprechen Rat und spenden Trost. So geht es Jahr für Jahr. Doch in diesem Sommer, dem zehnten der Zwillinge, wird sich alles ändern – und was die Mutter weissagt, auf unerwartete Weise wahr werden.“ 

Meine Meinung
Ein Bergdorf in den Alpen: Mit dem Ende des Winters erwacht die Mutter aus ihrem monatelangen Winterschlaf. Umsorgt wird sie dabei von ihren zehnjährigen Zwillingen und dem Großvater. Während des Sommers empfängt die Familie zahlreiche Besucher, die sich vom Rat und den prophetischen Träumen der Mutter Trost erhoffen. In diesem Sommer gerät die eingespielte Routine jedoch ins Wanken, als ein besonderer Gast auftaucht und die Vorhersagen der Mutter eine unerwartete Eigendynamik entwickeln.

Der Plot von Mario Petuzzis Debütroman hat mich sehr neugierig gemacht, daher bin ich mit großen Erwartungen an das Buch herangegangen. Auch die Erzählperspektive ist anders und besonders – denn die Geschichte wird aus Sicht der Zwillinge in der Wir-Form erzählt. Das ist selten und hat mir auf den ersten Seiten noch richtig gut gefallen.

Sprachlich bin ich mit dem Buch dann aber leider nicht gut klar gekommen. Von anderen habe ich gehört, sie hätten den Stil als mystisch und märchenhaft empfunden. Ich fand ihn schlicht mit seinen kurzen Sätzen und abgehackt – vielleicht sollte das gut zu den zehnjährigen Zwillingen passen. Dass die Geschichte im Präsens erzählt wird, hat mich zudem ins Stolpern gebracht. Ich hatte gedacht und auch gehofft, dass der Autor dieses Stilmittel mit den kurzen, fast schon abgehackt wirkenden Sätzen nur am Anfang einsetzt, um das schrittweise Erwachen der Mutter aus dem Winterschlaf darzustellen. Leider zieht sich dieses Muster aber durch das gesamte Buch, was mir den Lesefluss genommen und leider auch keinen Lesespaß beschert hat.

Die erste Hälfte des Romans widmet sich vor allem dem Wachwerden der Mutter, den Vorbereitungen im Haus und den Ankunftsszenen der Ratsuchenden. Da konnte ich die Stimmung noch sehr gut greifen. In der zweiten Hälfte rückt dann jedoch ein ganz spezieller Besucher in den Fokus, und Atmosphäre sowie Handlung verändern sich spürbar. Es wird märchenhaft, für mein Empfinden aber auch wirr. An dieser Stelle hat mich der Autor dann leider verloren; ich fand es gar nicht mehr spannend oder interessant.

Die Figuren bleiben alle – außer dem Großvater, der immerhin „Apo“ genannt wird – namenlos. So liest man nur von der Mutter, dem Einen oder dem Anderen (damit sind die Zwillinge gemeint), dem Deutschen. Ich bin den Charakteren im Laufe der Zeit zwar durch das, was geschieht, etwas näher gekommen, richtig gut gezeichnet fand ich sie aber nicht. Sie sind mir schlichtweg fremd geblieben und haben sich nicht in mein Herz geschlichen.

Das Buch ist besonders, sowohl vom Plot her als auch von der Sprache. Für mich war es kein Buch, das ich mal eben weggelesen habe, sondern eines, das mich eher verwirrt als gefesselt hat. Wer aber mystische Geschichten mag, könnte hier durchaus auf seinen Geschmack kommen.

Mein Fazit 
Ein Debütroman mit einer tollen Grundidee und einer interessanten Wir-Perspektive, der mich sprachlich und inhaltlich aber leider nicht mitnehmen konnte. Das liegt vor allem am Schreibstil, den ich als sehr schlicht und abgehackt empfunden habe. Während die erste Hälfte noch durch ihre Atmosphäre überzeugt hat, wird die zweite leider sehr wirr – was es mir schwer gemacht hat, eine Bindung zum Buch aufzubauen. Für Fans von eigenwilligen Texten bestimmt ein interessantes Werk, für mich persönlich haben sich die Erwartungen leider nicht erfüllt.

WERBUNG: Vielen Dank an den Diogenes-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Teile mir deine Gedanken und Kommentare zu meinem Beitrag mit - ich freue mich sehr auf unseren Austausch!

DATENSCHUTZ: Mit dem Absenden deines Kommentars und dem Einverständnis der Kommentar-Folgefunktion bestätigst du, dass du meine Datenschutzerklärung sowie die Datenschutzerklärung von Google gelesen hast und akzeptierst.