Vea Kaiser - Rückwärtswalzer
Mehrere Zeitebenen
Verlag: Argon Hörbuch
ISBN-13: 978-3-732-41718-6
Dauer: 816 Minuten
Erschienen: 27.3.2019
Sprecher: Cornelius Obonya
Zum Inhalt
„Als Onkel Willi stirbt, stehen der Drittel-Life-Crisis geplagte Lorenz und seine drei Tanten vor einer Herausforderung. Willi wollte immer in seinem Geburtsland Montenegro begraben werden. Doch da für eine regelkonforme Überführung der Leiche das Geld fehlt, begibt man sich kurzerhand auf eine illegale Fahrt im Fiat Panda von Wien bis auf den Balkan. Auf der Reise finden die abenteuerlichen Geschichten der Familie Prischinger auf kunstvolle Weise zueinander. Mirl, die älteste Schwester, musste nach dem Krieg früh Verantwortung übernehmen und wollte nur weg vom Land. Wetti interessierte sich bereits als Kind mehr für Tiere als für Menschen. Und Hedi zerbrach fast an einem Schicksalsschlag, kurz bevor sie Willi traf. Doch stets waren die drei Schwestern füreinander da.“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Von der Autorin waren mir bereits einige Werke aufgefallen, und da dieser Roman für unseren Lesekreis ausgewählt wurde, ging ich neugierig an die Geschichte heran.
Sie entführt in eine komplexe Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen erstreckt. Im Zentrum steht eine Reise, die das Ziel verfolgt, die eigenen Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien zu ergründen. Während die Erzählung zwischen den Jahrzehnten springt, prallen unterschiedliche Erwartungen und Lebensentwürfe innerhalb der Familie aufeinander.
Nie hätte ich damit gerechnet, dass die Autorin bei diesem auf mehreren Zeitebenen spielenden Werk so unterschiedliche Schreibstile wählt. Während sie in den historischen Abschnitten eine einfühlsame, nahbare Sprache pflegt, bedient sie sich in der Gegenwart eines ironisch-komischen Stils – ein Kontrast, der es mir eher schwer gemacht hat und mich in meiner Meinung zwiegespalten zurücklässt.
Die historischen Passagen haben eine bemerkenswerte Tiefe, wohingegen mich die Erzählweise in der Gegenwart eher angestrengt hat. Die ständigen Wechsel der Zeitebenen gestalteten sich beim Hören als herausfordernd; sie rissen mich immer wieder aus dem Geschehen, anstatt die Spannung zu fördern. Außerdem fand ich zur Handlung in der Gegenwart, also dem Roadtrip mit den drei Tanten und dem toten Willi auf dem Beifahrersitz, überhaupt keinen Zugang - der absurde Ansatz und die Ironie fand ich unsinnig und wenig authentisch. Es sind keine Stereotype, sondern Menschen mit Ecken und Kanten, mit Gefühlen und Regungen, deren Handlungen – seien sie nachvollziehbar oder eben nicht – sehr menschlich wirken. Dies ist der Autorin wirklich gut gelungen.
Den Sprecher Cornelius Obonya fand ich sehr professionell – ich habe seinen Wiener Dialekt und Schmäh als sehr sicher empfunden, auch wenn ich das als Nicht-Österreicherin natürlich nur bedingt bewerten kann. Dass ich persönlich diesen Dialekt nicht schätze, dafür können weder der Sprecher noch die Autorin etwas, doch das Eintauchen in die Geschichte wurde mir dadurch zusätzlich erschwert.
Mein Fazit
So ganz konnte mich das Hörbuch nicht überzeugen: Während ich die Tiefe und Nahbarkeit der historischen Passagen wirklich mochte, hat mich der ironisch-absurde Tonfall der Gegenwart eher abgeschreckt. Die Charaktere sind dafür aber sehr gut gezeichnet, der Sprecher Cornelius Obonya hat das Hörbuch sehr gut eingelesen – dennoch hat mich die Geschichte leider nicht in allen Abschnitten gänzlich gepackt.

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