Honor Jones - Schlaf
Gegenwartsliteratur
Originaltitel: „Sleep“ (2025)
Übersetzerin: Claudia Voit
Verlag: Ullstein-Verlage
ISBN-13: 978-3-550-20301-5
Seiten: 376 Seiten
Erschienen: 26.3.2026
Umschlaggestaltung: FAVORITBUERO, Münchenfavoritbuero x midjourney
Buchrückentext
„Als Margarets Mutter im Sterben liegt, kehrt sie mit ihren Töchtern ins Elternhaus zurück – ein Ort voller schmerzlicher Erinnerungen. Während Margaret sich in diesem heißen Sommer von ihrer Mutter verabschiedet, stellt sie sich den Geheimnissen, die sie seit ihrer Kindheit verfolgen. Wie sie als Mädchen allein mit der ungewollten Aufmerksamkeit umgehen musste, die Nachbarjungen und ihr eigener Bruder auf sie richteten. Wie ein Moment im Pool Margarets Verhältnis zu ihrer Mutter für immer prägte. Sie weiß nur zu gut, das Glück ist kompliziert, und sie hat die Kraft, endlich die eigene Stimme zu erheben. “ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
In „Schlaf“ geht es um Margaret, deren Lebensweg ich über mehrere Jahrzehnte hinweg begleite. Der Fokus liegt zunächst auf ihrer Kindheit und der komplexen, oft auch schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter Elisabeth. Ein traumatisches Ereignis in jungen Jahren muss Margaret weitgehend alleine verarbeiten. Das prägt sie – auch später noch als Erwachsene und vor allem auch in ihrer Rolle als Mutter. Damit spannt der Roman einen Bogen von Margarets früher Jugend bis ins Erwachsenenalter und zeigt, wie verdrängte Erfahrungen und das langjährige Schweigen innerhalb einer Familie das Leben eines Menschen beeinflussen können.
Das Buch ist in mehrere Teil aufgeteilt – im ersten Teil ist Margaret ein glückliches und lebenshungriges Kind – ihre Kindheit ist voller Abenteuer und Erlebnisse, Margaret ein aufgewecktes, neugieriges und quirliges Mädchen, das mit einer bewundernswerten Offenheit und Neugier durch das Leben geht. Bis dann etwas Einschneidendes passiert. Die folgenden Teile ist Margaret dann erwachsen, und man nimmt an ihrem Leben teil als Mutter und Exfrau – und merkt vor allem, wie sie hier mit sich und dem Leben hadert.
Der Kontrast könnte kaum größer sein. Während das Kind Margaret vor Leben sprüht, wirkt die erwachsene Frau auf mich erschöpft und vom Dasein ausgelaugt. Das Leben scheint ihr schwerzufallen, immer wieder verteidigt sie sich und ihre oft merkwürdigen Ansichten. Dabei ist sehr offensichtlich, wie die Last der Vergangenheit und die nie ausgesprochenen Traumata sie bis in ihre Zeit als Ehefrau und Mutter verfolgen.
So wie Margaret als Erwachsene immer müde wirkt, so sind auch diese Abschnitte beim Lesen eher langatmig und ermüdend – sicher auch, weil nicht mehr so viel passiert, sondern der Fokus auf Atmosphäre und Gedanken liegt. Margaret versucht, das Verhältnis zu ihrer Mutter zu kitten, scheitert aber daran, was ihre Stimmung natürlich noch verstärkt. So tragisch dieser Mittelteil auch ist, sosehr hat er sich leider aber auch gezogen.
Erst im letzten Drittel wurde es für mich wieder interessanter. Die Situation von Margarets Eltern spitzt sich zu, und man merkt, dass etwas geschehen wird, was die ganze Situation verändert. Und so kommt es dann auch – was genau passiert, werde ich natürlich nicht verraten.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen – er ist gut lesbar, voller Atmosphäre und Stimmung und sehr lebendig. Mich hat beeindruckt, wie er die die Stimmungen der unterschiedlichen Charaktere transportiert – und das hat mich sehr in die Geschichte hineingesogen.
Wer eine durchweg spannende Handlung erwartet, wird vermutlich an seine Grenzen stoßen, da das Buch im Mittelteil deutlich an Tempo verliert und sich eher in inneren Zuständen bewegt. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und Margaret gerne in ihrem schwierigen Leben begleitet.
Mein Fazit
„Schlaf“ ist ein feinfühliges Buch über Verletzungen in der Kindheit und Auswirkungen auf das weitere Leben. Besonders der intensive Beginn und die Charakterzeichnung der jungen, lebendigen Margaret haben mir sehr gefallen, auch wie die Autorin Stimmungen einfängt und Atmosphäre schafft. Den Mittelteil hätte ich mir etwas gestrafft gewünscht – insgesamt mochte ich das Buch aber dennoch und habe es gerne gelesen. Wer sich gern in dichte Stimmungen vertieft, dem wird dieses Buch bestimmt gefallen.
WERBUNG: Vielen Dank an Vorablesen und die Ullstein-Verlage für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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