Shelly Kupferberg - Stunden wie Tage
Historischer Roman
Verlag: Diogenes-Verlag
ISBN-13: 978-3-257-07348-5
Seiten: 272 Seiten
Ersterscheinung: 25.3.2026
Umschlagabbildung: Gemälde von © Nickie Zimov, „with … nothing“, 2022
Buchrückentext
„Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich ist: eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.“
Meine Meinung
Berlin in den 1940er-Jahren: Martha E. ist das Herzstück eines Mietshauses der Brüder Berkowitz in Schöneberg. Als sparsame Hausbesorgerin hält sie die Fäden fest in der Hand. Die junge Liane Berkowitz ist häufig bei ihr, weil es immer etwas zu entdecken und erleben gibt. Liane ist lebenslustig, neugierig und findet inmitten des Krieges nicht nur die Liebe, sondern auch den Mut zum Widerstand gegen das NS-Regime. Jahrzehnte später streift Martha als vermeintlich verarmte Frau durch dieselben Straßen – als einzige Zeugin, die die Wahrheit über Lianes bewegtes Schicksal bewahrt.
Ich bin ohne Erwartungen an das Buch herangegangen und hatte nicht damit gerechnet, dass es mich gleich so packen würde. Das liegt vor allem an den besonderen Charakteren, aber auch an der tiefen Verbindung zwischen Martha und Liane.
Besonders Martha hat mich beeindruckt: Sie genau weiß, was sie will, ist zuverlässig und konsequent, und hat auch in ihrer Ehe ganz klar „die Hosen an“. Neben dieser Gradlinigkeit hat sie aber auch ein weiches Herz – und das lernt man im Umgang mit Liane kennen. Bei ihr zeigt sie ihre zutiefst liebevolle, fast mütterliche Seite, die einen schönen Kontrast zu ihrer sonst so straighten Art bildet.
Liane selbst kann man gar nicht anders als gernhaben – sie ist ein lebensfroher, fröhlicher Mensch und geht neugierig durch ihr junges Leben. Ihr großes Herz und ihr Drang, trotz der dunklen Zeit etwas zu erleben, machen ihren späteren Weg in den Untergrund und ihr tragisches Ende im Gefängnis für mich umso schmerzlicher.
Der Schreibstil von Shelly Kupferberg ist angenehm leicht und passt trotz der Schwere der Themen gut zur Atmosphäre der 1940er-Jahre. Diese Leichtigkeit nimmt der Thematik ein Stück der erdrückenden Last, ohne dabei aber den Respekt vor den wahren Begebenheiten zu verlieren. Ich fühlte mich der Geschichte und den Charakteren sehr nah, was das Lesen für mich zu einem emotionalen Erlebnis gemacht hat. Denn neben der Geschichte rund um Liane und Martha gibt es auch noch viele kleinere Erzählstränge rund um die Bewohner des Schöneberger Mietshauses, die den Roman sehr greifbar und liebenswert machen.
Es ist eine weitere wichtige Erzählung über Menschen, die sich in ihrem eigenen kleinen Kreis gegen das NS-Regime aufgelehnt haben und deren Schicksal hier würdevoll festgehalten wird.
Mein Fazit
„Stunden wie Tage“ basiert auf wahren Begebenheiten – man lernt eine junge Widerstandskämpferin kennen, deren Lebensfreude und Drang nach Gerechtigkeit ihr zum Verhängnis werden. Ich mochte den fast schon leichten Schreibstil, der mich durch die Seiten hat fliegen lassen und dennoch aber in keinster Weise den Respekt vor den mich beeindruckenden Taten der Protagonisten mindert. Ein bewegendes Buch über Zivilcourage und ein fast vergessenes mutiges Leben.
WERBUNG: Vielen Dank an den Diogenes-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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