Rebecca Gablé - Rabenthron (Helmsby #1)
Historischer Roman
Verlag: Lübbe-Verlag
ISBN-13: 978-3-757-70130-7
Seiten: 893 Seiten
Erschienen: 18. August 2025
Umschlaggestaltung: © Johannes Wiebel | punchdesign, München
Umschlagabbildung: stock-adobe.vom
Buchrückentext
„England im Herbst 1013: Um den dänischen Gefangenen Hakon bei Hofe abzuliefern, reist der junge Engländer Ælfric of Helmsby nach London. Die Stadt liegt in Trümmern, denn dem schwachen König Ethelred gelingt es nicht, sein Reich gegen die ständigen Wikingerüberfälle zu schützen. Doch anders als England und Dänemark sind Ælfric und Hakon keine Feinde - während der gefährlichen Reise sind sie zu Freunden geworden. Bald schon gehören sie zum inneren Kreis um die machtbewusste Königin Emma. Aber der Widerstand der Engländer droht zu brechen, und als der dänische König stirbt, steht bald ein noch gefährlicherer Feind vor den Toren...“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Im Jahr 1013 steckt England im Chaos: Der englische König ist schwach und vermag seinem Reich kaum Schutz zu bieten, während die Wikinger in immer neuen Wellen über das Land herfallen. In dieser unsicheren Zeit bekommt der junge Ælfric den Auftrag, den dänischen Gefangenen Hakon nach London zu bringen. Auf der beschwerlichen Reise geschieht das Unerwartete: Aus den beiden Feinden werden Freunde. In London geraten sie rasch in den inneren Kreis um die machtbewusste Königin Emma. Doch der Frieden ist trügerisch, denn mit dem Machtwechsel in Dänemark zieht eine noch größere Gefahr auf.
Die Gestaltung hat bei Erscheinen dieses Buches sehr viel Aufmerksamkeit erregt – und ich muss sagen: zu Recht. Ich bin eigentlich kein großer Freund von Buchschnitten, bei diesem hier bin aber auch ich begeistert. Das Muster passt wunderbar zur mittelalterlichen Epoche und gefällt mir einfach sehr gut.
Das Buch gehört zur Helmsby-Reihe, ist aber – obwohl es als letztes erschienen ist – der Beginn der Geschichte ab dem Jahr 1013, wobei Helmsby den baulichen Mittelpunkt bildet. Rebecca Gablé hat wieder sehr gut recherchiert, sodass ich eine Menge über eine Zeit gelernt habe, über die ich bisher nur wenig gelesen hatte. Auch der Schreibstil ist gewohnt angenehm und lässt sich flüssig lesen. Er gibt mir zwar nicht das ganz frühe mittelalterliche Gefühl, lässt aber doch eine schöne historische Atmosphäre entstehen.
Trotz dieser handwerklichen Stärken wollte der emotionale Funke bei mir diesmal aber einfach nicht überspringen. Die Handlung springt immer wieder hin und her – mal zwischen den Schauplätzen, mal zwischen den Epochen. Und obwohl unheimlich viel passiert – es wird gekämpft, gesiegt, verloren, geheiratet und gestorben –, habe ich nur selten richtig mitgefiebert.
Die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Ælfric und Hakon blitzt immer nur zwischendurch mal auf, so richtig konnte ich die tiefe Verbundenheit aber nicht fühlen. Dazu kommt, dass mir die beiden nicht so recht ans Herz gewachsen sind, als dass ich sie fiebernd auf ihren Reisen begleitet hätte. Zwar sind die Figuren gut gezeichnet – mit Macken, Vorlieben, eigener Geschichte und auch mit Entwicklung –, so richtig nahe gekommen bin ich ihnen leider nicht. Einzig Penda, der Sohn von Ælfric, hat sich in mein Herz geschlichen, und seine Passagen habe ich richtig gerne gelesen. Ihn mochte ich in seiner Liebenswürdigkeit und seiner respektvollen Art sehr.
Manche Passagen sind mir etwas lang geworden, bis dann wieder etwas einschneidendes geschieht – zum Beispiel eine erneute Schlacht. Vielleicht fehlte mir auch der explizite Gegenspieler; es blieb ja immer bei den allgemeinen Kämpfen zwischen Engländer und Dänen, einen konkreten Bösewicht gab es aber nicht. Natürlich gibt es brutale Wikingerüberfälle und düstere Szenen, aber für den Protagonisten Ælfric fügte sich letztlich alles doch immer recht mühelos. Sobald ihm Steine in den Weg gelegt wurden, lösten sich die Probleme meist schnell wieder in Wohlgefallen auf. So blieb die Geschichte ohne richtige Höhepunkte, auf einem nur niedrigen Spannungslevel. Für mich leider nicht eins der stärksten Bücher der Autorin, auch wenn es interessante Einblicke in die damalige Zeit gegeben hat.
Mein Fazit
Gewohnt präzise recherchiert und handwerklich solide konnte mich dieser frühe Band um Helmsby emotional leider nicht richtig erreichen. Die Figuren blieben mir zu distanziert und ich hätte mir mehr Spannung und echte Höhepunkte gewünscht – stattdessen plätschert die Geschichte eher durch die Jahrzehnte. Für Gablé-Fans sicherlich unverzichtbar, für mich persönlich aber leider einer ihrer schwächeren Bände.
WERBUNG: Vielen Dank an den Verein HOMER für die Bereitstellung des Leseexemplars.

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