Pauline Hatscher - Über vier Leben
Mehrere Zeitebenen
Verlag: Lübbe Audio
ISBN-13: 978-3-754-02423-2
Dauer: 643 Minuten
Erschienen: 14.7.2026
Sprecherin: Maximiliane Häcke
Zum Inhalt
„Vier Frauen, vier Generationen - verbunden durch das, was nie erzählt wurde: Mirabell sehnt sich nach Nähe und kann sie doch nicht zulassen. Die Suche nach Antworten führt sie in ihre Familiengeschichte, die einem Stille-Post-Spiel gleicht; bruchstückhaft weitergegeben, bis niemand mehr weiß, was wahr ist oder erfunden. Warum verschwand ihre Urgroßmutter? Wieso wollte ihre Großmutter nicht mehr leben, und warum schweigt ihre Mutter? Mirabell ahnt, dass das Ungesagte bis heute fortwirkt - und dass ihre eigene Geschichte gerade erst beginnt.“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Vier Frauen, vier Generationen und ein tiefes, beredtes Schweigen: In wechselnden Zeitebenen erlebt man die Wunden einer Familie. Alles beginnt mit der Urgroßmutter Hannchen, die Schreckliches erleben musste und irgendwann spurlos verschwand. Über ihre Tochter Lisa und deren Tochter Sabine reicht das ungesagte Trauma bis in die Gegenwart zu Mirabell. Mirabell sehnt sich nach echter Nähe, kann sie aber nicht zulassen. Sie taucht ein in ihre Familiengeschichte, die einem bruchstückhaften Stille-Post-Spiel gleicht. Nach und nach setzen sich die Puzzleteile zusammen und offenbaren, wie sehr die Verletzungen der Vergangenheit das Leben der nachfolgenden Generationen prägen.
Keine leichte Kost für zwischendurch, vielmehr fordernd und voller bitterer Wahrheiten. Das Buch zeigt auf eindringliche Weise, wie sich einzelne Traumata über Jahrzehnte hinweg in den Seelen der Nachkommen fortsetzen. Fast schon nüchtern schildert die Autorin die innere Welt von depressiven, verstummten Persönlichkeiten. Die Hoffnungslosigkeit, die sich durch viele Passagen zieht, war für mich beim Hören greifbar und vor allem schmerzhaft. Lichtblicke und Momente der Zuversicht gibt es nur selten, was dieses Hörbuch zu einer schwer verdaulichen Kost macht.
Nicht mit jeder der vier Frauen konnte ich gleich mitfühlen. Hannchen, die Urgroßmutter, mochte ich sofort. Sie wirkt unbedarft und vielleicht auch naiv – umso schmerzhafter ist dann ihr Schicksal. Auf ihre Tochter Lisa konnte ich mich am wenigsten einlassen. Bei Sabine, der Tochter Lisas, hingegen habe ich das Leid richtig gespürt: ihre kriselnde Ehe, ihre vergrabenen Träume und ihren Mut, doch noch daran festzuhalten. Mirabell war mir mit ihrer Angst vor Nähe und ihrer Motivation, in der Familiengeschichte zu graben, dann wieder etwas ferner.
Vorgelesen wird das Ganze von Maximiliane Häcke. Sie macht ihren Job gut und bringt die melancholische Grundstimmung gut rüber. Allerdings hätte ich mir für die vier unterschiedlichen Frauenfiguren und Zeitebenen vier verschiedene Sprecherinnen gewünscht. Das hätte den Charakteren noch mehr eigene Persönlichkeit und Schärfe verliehen. Die Zeitebenen wechseln immer wieder ab – man hört die Geschichten nicht chronologisch, sondern es springt hin und her. Das fand ich manchmal ein wenig mühsam, gerade am Anfang, weil ich die Figuren noch nicht gut zuordnen konnte. Auch da hätten verschiedene Sprecherinnen geholfen.
Insgesamt habe ich das Hörbuch gerne gehört, auch wenn es melancholisch ist und viele Probleme aufzeigt. Damit liefert es aber auch ein gelungenes Bild der unterschiedlichen Zeiten mit ihren jeweiligen Herausforderungen.
Mein Fazit
Eine schwere, trübe und gleichzeitig bewegende Familiengeschichte über familiäre Zwänge, Schweigen und vererbte Traumata. Vier Frauen in vier Generationen – jede mit einem eigenen schmerzhaften Schicksal, das auf die nachfolgende Generation einzahlt. Ein intensives Hörbuch, das lange nachhallt, aber definitiv keine leichte Kost ist.

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