Eva Menasse - Alleinruhelage
Gegenwartsliteratur
Verlag: KiWi-Verlag
ISBN-13: 978-3-462-00262-1
Seiten: 214 Seiten
Erschienen: 13.8.2026
Umschlaggestaltung: Barbara Thoben, Köln
Umschlagabbildung: Walte Leistikov, Abendstimmung am Schlachtensee, um 1900, Öl auf Leinwand. © akg-images
Buchrückentext
„Eine Frau steht mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Wo sie einst mit der Familie das Paradies gesucht und manche Wunden der Nachwendezeit gefunden hat, wagt sie en Neuanfang. Die Renovierungen und Gartenarbeiten, die Rückschläge und Glücksmomente lösen lange zurückliegende Erinnerungen und unerwartete neue Erkenntnisse aus. Ob Ruhe wirklich das ist, was sie braucht? Oder naht schon der nächste Aufbruch?“
Meine Meinung
Nach dem Scheitern ihrer Ehe steht die Erzählerin vor der schweren Entscheidung, ihr altes Wochenendhaus in Vorpommern endgültig abzugeben. Doch der Trennungsprozess zieht sich hin, denn an dem Anwesen hängen Unmengen an Erinnerungen. Während der Entschluss zum Verkauf reift, blickt sie zurück auf ihr bisheriges Leben: Sie lässt das frühere Patchwork-Familienglück Revue passieren, reflektiert das Scheitern ihrer Ehe und ruft sich prägende Begegnungen aus der Vergangenheit wieder ins Gedächtnis.
Der Einstieg hat mir richtig gut gefallen. Vor allem die beiden Handwerker Alla und Bolek habe ich wegen ihres trockenen Humors sofort ins Herz geschlossen. Umso bedauerlicher fand ich es, dass die beiden nach den ersten Kapiteln kaum noch eine Rolle spielen. Sie hätte ich wirklich gerne wiedergetroffen und auch länger begleitet. Gelungen fand ich am Anfang auch, dass die Erzählerin das Haus direkt anspricht – eine großartige Idee, ungewöhnlich und besonders. Dieses Stilmittel wird zwar am Ende noch einmal aufgegriffen, hätte sich für mich aber gerne durch das ganze Buch hindurch fortsetzen können.
Eva Menasse schreibt sehr nah und persönlich, stellenweise wirkt es fast wie ein Tagebuch. Eigentlich mag ich solche Schilderungen, aber hier war mir der Aufbau einfach zu unruhig. Die Erzählung springt immer wieder zwischen den Zeiten und Orten hin und her. Es tauchen ständig neue Namen, flüchtige Bekannte und Nebenschauplätze auf, sodass ich irgendwann kaum noch hinterherkam, diese Menschen einzuordnen. Ich habe es fast als Bombardement empfunden, mit dem die Szenen und Personen auf mich einprasselten, ohne dass den einzelnen Begegnungen Raum gegeben wird, sich zu entfalten. Ich habe dadurch leider oft den Faden verloren und musste mich fragen, wo wir uns gerade eigentlich befinden und wer da schon wieder spricht.
Viele Themen werden dadurch nur kurz angerissen und dann nicht weiterverfolgt. Was zum Beispiel aus dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Tochter wird, habe ich bis zum Schluss nicht erfahren. Auch die regelmäßige Ansprache an einen geheimnisvollen „Habibi“ hat mich in diesem Durcheinander eher verwirrt als neugierig gemacht, weil selbst nach der Auflösung am Ende vieles im Vagen bleibt.
Enttäuscht war ich auch von den übrigen Figuren. Sie blieben mir meist zu blass – und wie schon gesagt, es waren einfach zu viele. Die Dorfgesellschaft wirkt oft klischeehaft, verschroben oder engstirnig. So sehr ich den Einstieg auch mochte, so sehr hat mich die Autorin im Laufe des Buches leider verloren.
Mein Fazit
Ein Roman, der sicher durch leise, feine Töne und den Blick auf einen Neuanfang punkten könnte, mich persönlich aber nicht erreichen konnte. Durch die sprunghafte Struktur, die vielen Personen und liegengelassene Handlungsstränge blieb ich beim Lesen emotional sehr auf Distanz. Schade, denn den Einstieg fand ich extrem gelungen und stark.
WERBUNG: Vielen Dank an den KiWi-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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