[Rezension] Alyson Richman - "Abschied in Prag"

Alyson Richman - Abschied in Prag
Historischer Roman,  2 Zeitebenen

Verlag: Diana-Verlag
Umschlaggestaltung: t.mutzenbach design, München
Umschlagfoto: CollaborationJS, Elly De Vries /Trevillion Image und sommthink, Boris Stroujko /shutterstock.com
ISBN 13: 978-3-453-35959-8
Seiten: 384 Seiten
Erschienen: 11. Dezember 2017
Originaltitel: „The Lost Wife“
Übersetzer: Charlotte Breuer und Norbert Möllemann

Zum Inhalt
„Lenkas und Josefs Geschichte beginnt im Prag der 1930er Jahre. Kurz nach ihrer Heirat werden die jungen Liebenden beim Einmarsch der Deutschen auseinandergerissen. Josef emigriert, arbeitet als Arzt in New York, heiratet. Lenka entrinnt im Konzentrationslager dem Tod nur knapp und beginnt nach dem Krieg ein neues Leben in den USA. Obwohl sie glauben, einander nie wiederzusehen, vergessen sie ihre Liebe nie. Bis sie sich sechs Jahrzehnte später in New York zufällig begegnen…“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Ich habe schon viele Bücher gelesen, die den Holocaust behandeln und trotzdem gibt es immer wieder neue Aspekte, die mich berühren und mich dazulernen lassen – so auch in diesem Buch, in dem die Kunst in Theresienstadt eine besondere Rolle spielt.

Die Geschichte besteht aus zwei Erzählsträngen – einer spielt in der Gegenwart, in dem sich Lenka und Josef nach über 60 Jahren wiedersehen, der andere in der Vergangenheit, in dem die unterschiedliche Lebenswege von Lenka und Josef in Rückblicken erzählt wird, beginnend im Jahr 1934. Beide Erzählstränge hatten ihre Reize und ich fand den Handlungsstrang der Gegenwart als Rahmen sehr gelungen. Emotionaler und ergreifender waren natürlich die Erlebnisse zur Zeit des Krieges, das Grauen in Theresienstadt und später in Auschwitz. 

Der Schreibstil ist einfach und dennoch aber eindringlich. Es entsteht eine bedrückende und beklemmende Atmosphäre beim Lesen, die den grausamen Erlebnissen geschuldet ist. Josef und Lenka erzählen ihre Geschichte selber aus der Ich-Perspektive, den einzelnen Kapiteln ist immer vorangestellt, aus wessen Sicht erzählt wird. So ist es nochmal mehr gelungen, sich in die Figuren hineinzufühlen und ihr Handeln und Denken besser zu verstehen. 

Ich mochte beide Charaktere sehr gerne. Vor Lenka habe ich großen Respekt, weil sie die Möglichkeit gehabt hätte, ihrem Schicksal zu entgehen, sie sich aber bewusst für ihre Familie und damit auch für die Deportation entschieden hat. Und trotz aller Widrigkeiten hat sie nie aufgegeben – sie hat sich dem Schicksal gestellt und immer das Beste draus gemacht. Interessant fand ich vor allem die Aspekte der Kunst in Theresienstadt als Ausdruck des Widerstands – für mich war das ganz neu und sehr interessant. Auch Josef mochte ich, auch wenn er neben Lenka eher schwach wirkt. Ich konnte seine Entscheidung aber verstehen und auch wenn er rechtzeitig den Absprung geschafft hat, musste auch Josef viel Leid erfahren. Besonders berührt hat mich seine anhaltende Liebe zu Lenka – obwohl er erneut geheiratet und auch eine Familie gegründet hat. 

Beide Charaktere sind wirklich sehr detailliert gezeichnet, aber auch die Nebenfiguren sind gelungen und fernab jeglicher Klischees. Die Autorin hat sich ein schwieriges Thema ausgesucht und es dennoch gut gemeistert – berührend und ergreifend geschrieben ohne Effekthascherei hat sie mich als Leser fesseln können. Wer gerne Romane über diese Zeit liest, der sollte sich auch diesen unbedingt anschauen – ich gebe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine berührende Geschichte um ein Liebespaar, das der Krieg voneinander trennt und die sich erst 60 Jahre später wiedersehen – dabei haben die sympathischen Protagonisten ganz unterschiedliche Lebenswege, die die damalige Zeit sehr gut wiederspiegeln. Obwohl die Atmosphäre oft bedrückend ist, konnte ich das Buch schlecht beiseitelegen und musste immerzu weiterlesen. Ich gebe daher gerne 4 von 5 Sternen.

Werbung: Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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